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Fünf Tage, fünf Brände: Feuerwehr in Leipzig-Holzhausen kommt nicht zur Ruhe

Fünf Tage, fünf Brände: Feuerwehr in Leipzig-Holzhausen kommt nicht zur Ruhe

Eigentlich war es wie jeden Abend für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Holzhausen: Am Freitag eine halbe Stunde nach Mitternacht ging wieder der Alarm los.

Leipzig. Die Ehrenamtlichen sprangen aus ihren Betten, rasten vom Gerätehaus zum Tatort. Es war schon der fünfte Einsatz in fünf Tagen für die Hobby-Brandbekämpfer. Seit in dem Leipziger Ortsteil offenbar ein Serienbrandstifter sein Unwesen treibt, kommen sie nicht zur Ruhe.

"Die Stimmung ist noch okay", sagte Wehrleiter Uwe Mühl (35) gestern gegenüber der LVZ. "Aber wenn das noch ein paar Wochen so weitergeht, stoßen einige von uns womöglich an ihre Grenzen." Denn anders als ihre Kollegen von der Berufsfeuerwehr haben die Kameraden der freiwilligen Wehr alle noch einen Job abseits der Löscheinsätze. Das heißt: Wenn sie beispielsweise in der Nacht gegen 0.30 Uhr zum Brand einer Gartenlaube gerufen werden, kommen sie kaum vor 2.30 Uhr ins Bett. Und für viele klingelt bereits 5.30 Uhr wieder der Wecker, weil die Arbeit ruft.

In dieser Woche kam es für die Kameraden besonders dick: In der Nacht zum Montag brannte es in einer Gärtnerei in der Liebertwolkwitzer Straße, am Montagabend in einem unsanierten Einfamilienhaus in der Händelstraße, in der Nacht zum Mittwoch ging eine Laube in der Kärrnerstraße in Flammen auf, in der darauffolgenden Nacht eine Holzhütte an der Stötteritzer Landstraße. Gestern schlug der Brandstifter erneut an der Stötteritzer Landstraße zu, zündelte im Geräteschuppen einer Tischlerei. Die Kameraden aus Holzhausen verhinderten mit ihren Kollegen aus Mölkau und Engelsdorf, dass das Feuer auf den gesamten Komplex übergriff. Der Anbau brannte allerdings komplett aus.

Trotz der Strapazen ist die Moral bei der Wehr offenbar noch intakt. Von den 26 aktiven Kameraden sind stets etwa 13 im Alarmfall zur Stelle, neun fahren dann im Einsatzfahrzeug mit. "Wir gehen inzwischen schon eher ins Bett, um ein bisschen vorzuschlafen", berichtet Mühl.

Mittlerweile werden die Feuerwehrleute von Anwohnern unterstützt. Am Donnerstagabend patrouillierten erstmals Freiwillige in den späten Abendstunden durch den Ortsteil. Sie waren es auch, die den Brand in der Tischlerei frühzeitig bemerkten und sofort Alarm schlugen. Die Initiative für die abendlichen Streifengänge gehe auf den CDU-Ortsverband zurück, sagte Ortsvorsteher Hans-Jürgen Raqué (39), selber Christdemokrat. Anliegen sei es, im Ernstfall schneller reagieren zu können - und im Idealfall den Täter zu fassen und eine erneute Brandstiftung zu verhindern. Organisiert werden die Streifen über den Kurznachrichtendienst WhatsApp - in enger Abstimmung mit der Polizei, wie Raqué betonte. "Wir wollen das so lange machen, bis wieder Ruhe bei uns einkehrt", so der Ortsvorsteher.

Dies dürfte noch einiges Durchhaltevermögen verlangen - von Feuerwehrleuten und Anwohnern. Immerhin gab es nach Angaben der Polizei allein seit 2012 schon mehr als 30 Brandstiftungen in Holzhausen. Und die Bewohner des Ortsteils gehen, wie auch die Ermittler der Kripo, davon aus, dass hinter diesen Taten ein und derselbe Täter stecken könnte. Vermutlich sogar einer aus ihrer Mitte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.03.2015

Frank Döring

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