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Fußballeinsatz in Leipzig: Verurteilter Polizist wehrt sich gegen Strafe

Gefährliche Körperverletzung gegen Chemie-Fan Fußballeinsatz in Leipzig: Verurteilter Polizist wehrt sich gegen Strafe

Auch nach acht Stunden Hauptverhandlung ist offen, ob ein Leipziger Polizei- beamter wegen eines Einsatzes bei einem Fußballspiel bestraft wird. Der Berufungsprozess am Landgericht endete am Dienstagabend ohne Urteil.

Der angeklagte Swen G. (links) mit seinem Verteidiger Curt-Matthias Engel am Dienstag im Landgericht.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Auch nach acht Stunden Hauptverhandlung ist offen, ob ein Leipziger Polizei- beamter wegen eines Einsatzes bei einem Fußballspiel bestraft wird. Der Berufungsprozess am Landgericht endete am Dienstagabend ohne Urteil, die 12. Strafkammer setzte drei weitere Termine an.

Swen G. (37) war im Februar dieses Jahres vom Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt und Freiheitsberaubung zu einer Geldstrafe von 5850 Euro verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der stellvertretende Zugführer bei der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) am Rande des Bezirksligaspiels der BSG Chemie Leipzig am 28. September 2013 in Zwenkau mit einem Chemie-Fan unrechtmäßig umgegangen sei.

Gegen das Urteil waren sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte in Berufung gegangen. Verteidiger Curt-Matthias Engel: „Diese Verurteilung ist zu Unrecht erfolgt. Das Verhalten meines Mandanten bei dem Einsatz war gerechtfertigt, entsprach verbindlichen taktischen Vorgaben. Wir fordern Freispruch.“ Vielmehr habe der betroffene Fußballfan Marco H. (28), der in der Verhandlung als Nebenkläger auftritt, selbst unter Tatverdacht gestanden und sollte deshalb einer Identitätsfeststellung unterzogen werden.

Wie berichtet, wurden BFE und Bereitschaftspolizei an diesem Tag nach Zwenkau geschickt, weil dort vor dem Spiel ein Penny-Markt überfallen worden war. 20 bis 30 schwarz gekleidete und teilweise vermummte Personen sollen das Geschäft geplündert, Zigaretten und Alkohol erbeutet haben. Die Täter wurden im Stadion unter den Chemie-Ultras „Diablos“ vermutet. Deshalb war geplant, nach Abpfiff die Identität der Verdächtigen zu prüfen. Dies jedoch brachte die Fans auf. „Wir waren deshalb wütend“, so Marco H. in der Vernehmung vor Gericht.

Zeugenaussagen zufolge griffen gewaltbereite Chemie-Anhänger die Einsatzkräfte an, beleidigten und bespuckten sie. „Wir erhielten über Funk Hilferufe, weil weibliche Beamte zu Boden geworfen wurden“, so Swen G., der sich zum Zugriff entschied. In der Anklage wird dem Polizeioberkommissar und einem Kollegen vorgeworfen, Marco H., der den Einsatz mit seinem Handy filmte, ergriffen, zu Boden geworfen und fixiert zu haben. Der Fußballfan erlitt Schürfwunden und Schmerzen. Aus Sicht des Amtsgerichts waren die Polizisten zu einem solchen Zugriff nicht befugt. Die Verteidigung hält dagegen, dass sich Marco H. erheblich gewehrt habe und fliehen wollte. „Unser Ziel war es, einen Tatverdächtigen dingfest zu machen“, so Swen G., „eine vorherige Ansprache ist in einer friedlichen Situation möglich, aber nicht, wenn massive Eigengefährdung besteht. Meine Frau und mein Kind wollen, dass ich gesund nach Hause komme.“

Der Prozess wird am 1. Dezember fortgesetzt.

Frank Döring

Webvideo von Spiegel Online zum Polizeieinsatz am 28. September 2013. Der Zugriff gegen Marco H. ist ab 1:02 min zu sehen.

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