Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Gefahr an der Haustür: Gerichtsvollzieher zunehmend bedroht

Gefahr an der Haustür: Gerichtsvollzieher zunehmend bedroht

Beleidigt, bedroht, beschimpft: Leipzigs 36 Gerichtsvollzieher, darunter elf Frauen, sind immer öfter Angriffen ausgesetzt. Die Aggressivität von Schuldnern sei drastisch gestiegen.

Leipzig. Dennoch fordert der Gerichtsvollzieherverband Sachsen, wie Karina Förster (36) vom Vorstand sagt, nicht wie Verbände in Thüringen oder Brandenburg die Ausstattung etwa mit Pfefferspray.

"Auch wegen der Eigengefährdung. Wir kommen nicht wie die Polizei zu zweit, sondern allein an die Haustür." Ein mit Reizgas besprühter Drogenabhängiger würde erst recht ausrasten. Dennoch verfügen einige Kollegen in Baden-Württemberg sogar über einen Waffenschein. Sachsen setzt stattdessen auf Polizei-Hilfe.

Nach einer Gesetzesänderung vom August können Gerichtsvollzieher vor einschneidenden Maßnahmen wie Zwangsräumungen bei der Polizei erfragen, ob sie es mit einem als gewaltbereit bekannten Schuldner zu tun bekommen - und gleich von vornherein Beamte anfordern. "Prinzipiell befürworten wir das. Erfahrungen gibt es aber noch nicht", so Obergerichtsvollzieher Thomas Lux. Er glaubt, dass diese Gefährlichkeitsanfrage die Ausnahme bleiben wird. "Wir wollen keine pauschale Vorverurteilung", so der 46-Jährige, selbst "ungezählten Verbalattacken" ausgesetzt.

Auch seine Familie wurde schon massiv bedroht. Das Amtsgericht, so die Referentin für Gerichtsvollzieher Undine Lerche, setze auf Deeskalation und Schulungen durch die Polizei. Einige trainieren Selbstverteidigung auch privat.

Leipzig. Beleidigt, bedroht, beschimpft: Leipzigs 36 Gerichtsvollzieher, darunter elf Frauen, sind immer öfter Angriffen ausgesetzt. Die Aggressivität von Schuldnern sei drastisch gestiegen. Dennoch fordert der Gerichtsvollzieherverband Sachsen, wie Karina Förster (36) vom Vorstand sagt, nicht wie Verbände in Thüringen oder Brandenburg die Ausstattung etwa mit Pfefferspray.

Zur Bildergalerie

Die jetzige Sicherheitsdebatte wurde nach dem blutigen Geiseldrama von Karlsruhe ausgelöst. 2012 erschoss ein Mieter, der zwangsgeräumt werden sollte, einen Gerichtsvollzieher, weitere drei Personen und dann sich selbst. Kurz zuvor, im August 2011, wehrte sich in Leipzig ein Mietschuldner gegen die Räumung. Der 40-Jährige schoss in Paunsdorf mit Leuchtspurmunition auf einen Gerichtsvollzieher, verletzte ihn zum Glück nicht schwer. Die Polizei konnte den Mann, der sich auch noch mit Messern bewaffnet hatte, letztlich zum Aufgeben bewegen.

Suche nach Ursachen

Als Ursachen erhöhter Gewaltbereitschaft nennen Lux (zuständig vor allem in der City) und Förster (zuständig für Teile von Schönefeld, Eutritzsch, Zentrum-Südost) einen enormen Druck auf die Leute wegen steigender Abgabenlasten.

Weiterer Grund: immer mehr Crystalabhängige Schuldner. Die Droge mache aggressiv, unberechenbar. Eine zunehmende Rolle spielen laut Amtsgerichtsvize Dominik Schulz sogenannte Reichsdeutsche, die die Existenz der Bundesrepublik, daher auch Gerichtsentscheidungen nicht anerkennen. Auch das neue Pfändungsrecht stoße auf Ablehnung.

Seit Anfang 2013 können Gerichtsvollzieher Auskünfte bei Banken, Arbeitgebern, Rentenversicherungsträgern, auch dem Kraftfahrtbundesamt (über Schuldner-Autos) einholen. Lux: "Das wird als empfindlicher Eingriff in die Privatsphäre gewertet." Kommt ein Schuldner nicht zum Termin oder verweigert die Vermögensauskunft, können Gläubiger Haftbefehl beantragen, um ihn zur Offenlegung zu zwingen. Reagiert der Betroffene nicht, muss er letztlich hinter Gitter.

Laut Undine Lerche ist die Anzahl der Haftbefehle in Leipzig erheblich gestiegen. 2013 wurden über 5000 erlassen, genauso viele Anträge darauf gab es bereits bislang 2014. Durch Ratenzahlung und Offenbarung würden die meisten den Knast in letzter Minute noch abwenden.

Vorfälle werden seit 2012 erfasst

Seit Mitte 2012 werden in Sachsen die Attacken auf Gerichtsvollzieher statistisch erfasst. Im zweiten Halbjahr gab es 37 Verbal- und 3 tätliche Angriffe. 2013 explodierten die Zahlen. Das Justizministerium nennt 492 Verbal-, 16 tätliche Angriffe ohne und 3 mit Waffe. Und im ersten Halbjahr 2014 kletterten die Zahlen auf bereits 323 Verbal-, 16 tätliche Angriffe ohne und 5 mit Waffe. Für Leipzig weist die Statistik für 2012 keinen Fall aus, 40 Fälle plus 1 mit Waffe (2013), 25 Verbalattacken und 2 körperliche Angriffe ohne Waffe (bislang 2014).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.09.2014

Sabine Kreuz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr