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„Gefahr einer weiteren Eskalation“ nach Rocker-Schießerei in Leipzig

Polizeisprecher im Interview „Gefahr einer weiteren Eskalation“ nach Rocker-Schießerei in Leipzig

Die Auseinandersetzung zwischen den „Hells Angels“ und „United Tribuns“ könnte eine neue Gewalteskalation in Leipzig auslösen. Das sagt Polizeisprecher Andreas Loepki im Interview mit LVZ.de. Die Sicherheitslage auf der Eisenbahnstraße bleibe angespannt.

Polizisten durchsuchen am Montag den Kofferraum eines Autos in der Eisenbahnstraße. Nach der tödlichen Schießerei wird eine weitere Gewalteskalation befürchtet.
 

Quelle: LVZ

Leipzig.  Ein Toter, drei Verletzte, viele unbeantwortete Fragen: Nach der Schießerei am Samstag auf der Eisenbahnstraße sind Erinnerungen an den Disko-Krieg 2008 wach geworden. In der Leipziger Innenstadt starb damals ein 28-Jähriger durch Schüsse vor einem Club – die Tat konnte nie ganz aufgeklärt werden. Die blutige Auseinandersetzung zwischen den „Hells Angels“ und „United Tribuns“ am Wochenende könnte nun eine neue Gewalteskalation auslösen, sagt Polizeisprecher und Direktionsbüroleiter Andreas Loepki im Gespräch mit LVZ.de und äußert sich dabei auch zur Gefahrenlage im Leipziger Osten.

Herr Loepki, droht Leipzig nach dem Disko-Krieg nun ein Rocker-Banden-Krieg?

Andreas Loepki: Es ist allgemein bekannt, dass Personen, die sich dem Rockermilieu verschrieben haben und sich gern als „1%er“ (sogenannte Outlaw-Rocker, Anm. d. Red.) bezeichnen, auftretende Querelen nicht zwingend im Wege der Rechtsordnung zu klären versuchen. Dafür dürfte der letzte Samstag Beleg genug sein und es dürfte folglich auch klar sein, dass in der aktuellen Zuspitzung zugleich die Gefahr einer weiteren Eskalation liegt.

Bei einer Schießerei zwischen Mitgliedern der Streetgang "United Tribuns" und der Motorrad-Gang "Hells Angels" am Samstagnachmittag sind ein Mann getötet, zwei weitere verletzt worden.

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Was unternimmt die Polizei, um das zu verhindern?

Wir begegnen dem mit allen uns personell, organisatorisch, zeitlich und rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln. Damit sind weitere Taten oder Ereignisse leider nicht gänzlich ausgeschlossen, aber wir sind zuversichtlich, keine Kriegsrhetorik wählen zu müssen.

Wie schätzen Sie die Sicherheitslage auf der Eisenbahnstraße ein? Hat sich diese verschärft?

Die allgemeine Lage rund um die Eisenbahnstraße hat sich nicht verändert – das Gebiet war, ist und bleibt wahrscheinlich auf nicht absehbare Zeit ein kriminalgeografischer Schwerpunkt.

Polizeisprecher Andreas Loepki

Polizeisprecher Andreas Loepki.

Quelle: Kempner

Am Montag war erneut ein großes Polizeiaufgebot in der Eisenbahnstraße im Einsatz, es gab Kontrollen und Durchsuchungen von Fahrzeugen vor dem Hauptquartier der „United Tribuns“. Welchen Hintergrund hatten diese Aktionen?

Es handelte sich um Maßnahmen der Gefahrenabwehr. Zu Details werden wir uns nicht äußern.

Besteht derzeit ein Kontrollbereich in der Eisenbahnstraße?

Auch dazu machen wir keine Angaben, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Nach den tödlichen Schüssen beim Disko-Krieg im Jahr 2008 wurde eine Sonderkommission gegründet. Ist dies auch im aktuellen Fall geplant?

Für derartige Delikte besteht innerhalb der Polizeiorganisation ohnehin eine besondere Zuständigkeit durch ein Kommissariat der Kriminalpolizei. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird daher auch noch keine gesonderte Ermittlungsgruppe in Erwägung gezogen. Einen solchen Schritt behalten wir uns aber für den Fall der Notwendigkeit vor.

Von Robert Nößler / Sabine Kreuz

Hintergrund: Rockerclubs in Sachsen

In Sachsen sind nach Angaben des Landeskriminalamtes sieben Rockerclubs aktiv, die den sogenannten „Outlaw Motorcycle Gangs“ und ihren Unterstützern zugeordnet werden können. Diese werden als außerhalb des Gesetzes stehend betrachtet. „Die sächsische Polizei rechnet diesen Clubs momentan mehr als 100 Personen zu“, so LKA-Sprecher Tom Bernhardt. Im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren seien die Zahlen rückläufig. „Ein Grund ist das Verbotsverfahren gegen den Gremium MC Regionalverband Sachsen“, so Bernhardt. Außerdem lösten sich die Ortsgruppen des Bandidos MC in Sachsen selbst auf.

Hochburgen der Rockerszene gibt es laut LKA im Freistaat Sachsen nicht. „Die Vorfälle auf der Eisenbahnstraße fordern hier aber auch eine entsprechende Neubewertung, welche wir natürlich auch fortlaufend tätigen“, erklärte Bernhardt. Gegen Mitglieder von sächsischen Rockerclubs wurde in der Vergangenheit mehrfach im Zusammenhang mit Straftaten und Verstößen unter anderem gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz sowie Körperverletzungen ermittelt.

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