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Polizeiticker Leipzig Geldnot und Spielsucht: Räuber gestehen Überfälle
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Geldnot und Spielsucht: Räuber gestehen Überfälle
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17:08 13.03.2018
Die Angeklagten Güney K. (3. von rechts.) und Imran O. (rechts) mit ihren Anwälten Ingo Stolzenburg und Christian Avenarius zum Prozessauftakt. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Der eine brauchte Geld für seine Familie, der andere war spielsüchtig: Zwei Männern wird seit Dienstag wegen einer Serie von bewaffneten Überfällen auf Spielotheken am Landgericht Leipzig der Prozess gemacht.

Kripo bildet 2017 spezielle Ermittlungsgruppe

Es war Anfang 2017, als die Kripo eine ganze Reihe von derartigen Raubzügen aufzuklären hatte. Sogar eine spezielle Ermittlungsgruppe wurde damals gebildet. Im aktuellen Prozess sind drei Fälle angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft Imran O. (20) und Güney K. (20) gemeinschaftlichen schweren Raub sowie schwere räuberische Erpressung vor.

Betroffene Frauen geben Geld aus Angst

Das erste Mal sollen sie am 15. Januar vorigen Jahres kurz nach 10 Uhr in der Spielothek „Fair Play“ in der Dresdner Straße zugeschlagen haben. Laut Anklage hielt einer der Räuber der Angestellten (40) aus einem Meter Abstand eine täuschend echt aussehende Schreckschusswaffe vor das Gesicht und forderte Geld. Aus Angst übergab die Frau 730 Euro. Ein dritter Komplize stand derweil an der Eingangstür Schmiere. Gut eine Woche später der nächste Überfall: Am 23. Januar kurz vor 13 Uhr sollen die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft die Spielothek „Las Vegas“ in der Riesaer Straße heimgesucht haben. Wieder bedrohten sie eine Angestellte (59), so die Tatvorwürfe, diesmal mit einem Revolver. Die Beute des Raubzugs: 1028,58 Euro. Wenige Wochen vor der Überfallserie auf Spielhöllen sollen die Angeklagten in einen Handyraub auf offener Straße verwickelt gewesen sein. In diesem Fall wirft die Staatsanwaltschaft ihnen besonders schweren räuberischen Diebstahl vor.

Zerwürfnis wegen fehlender Vermummung

Imran O. räumte über seinen Verteidiger Christian Avenarius die Taten ein. Mit zwei Einschränkungen: Beim Überfall am 23. Januar sei Mitangeklagter Güney K. nicht beteiligt gewesen. Dafür gehe der Handyraub im Dezember 2016 auf dessen Kappe. Dieser habe sich spontan dazu entschlossen, Imran O. sei zufällig gerade dabei gewesen.

Güney K. bestätigte dies. Nach dem ersten Überfall sei es zu einem Zerwürfnis gekommen, berichtete Verteidiger Ingo Stolzenburg, weshalb es keine weiteren gemeinsamen Taten mehr gegeben habe. Ein Grund für die Differenzen: Güney K. war bei dem Spielkasino-Raub im Gegensatz zu seinen Komplizen nicht maskiert und hatte lediglich eine Kapuze übergezogen. Schon einige Tage später startete die Polizei mit einem Bild aus der Überwachungskamera der Spielothek die Öffentlichkeitsfahndung.

Räuber verzockt Beute in Spielhölle

Die Motive der beiden in der Türkei geborenen Räuber waren den Geständnissen zufolge höchst unterschiedlich. „Mein Mandant suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit, Geld nach Hause zu bringen, nachdem sein Vater weg war“, so Avenarius. „Ihm tut das total leid.“ Güney K. verbrachte hingegen bis zu sieben Stunden täglich vor Spielautomaten, war süchtig. Auch seinen Anteil aus dem ersten Überfall verzockte er postwendend in einer Spielhölle. Inzwischen habe er eine Entzugstherapie gemacht und bereue seine Taten, so Anwalt Stolzenburg.

Für den Prozess hat die 3. Strafkammer noch drei Verhandlungstage vorgesehen.

Von Frank Döring

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