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Geplantes Asylbewerberheim: Polizei trennt hunderte Demonstranten in Leipzig-Schönefeld

Geplantes Asylbewerberheim: Polizei trennt hunderte Demonstranten in Leipzig-Schönefeld

Leipzig. Im Streit um die Einrichtung einer neuen Asylbewerber-Unterkunft haben am Montagabend hunderte Menschen im Leipziger Stadtteil Schönefeld demonstriert.

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ versammelte nach Polizeiangaben zunächst rund 300 Anhänger, die gegen eine Kundgebung der NPD protestierten. Ebenfalls an der Löbauer Straße hielten etwa 150 rechtsextreme Parteimitglieder und Sympathisanten eine Demonstration gegen das geplante Übergangsquartier ab. Die Polizei war mit einem Großaufgebot aus Leipzig und Dresden vor Ort, um die beiden Lager zu trennen.

Von sechs Personen nahmen die Sicherheitskräfte die Personalien auf – unter anderem wegen des Tragens von Zeichen verfassungswidriger Organisationen. In einem Fall soll auch der Hitlergruß gezeigt worden sein.

Die Beamten hätten die Lage jederzeit im Griff gehabt, sagte Sprecherin Maria Braunsdorf am Abend gegenüber LVZ-Online. Beide Gruppen meldeten sich ab etwa 18 Uhr mit Sprechchören zu Wort, mit Blasmusik und Pfeifen übertönten die Gegendemonstranten die NPD-Versammlung. Die Rechtsextremen zogen noch vor 20 Uhr und damit früher als geplant wieder ab. Nachdem sich die Kundgebungen auflösten, habe es Pöbeleien zwischen einzelnen Teilnehmern gegeben. Insgesamt sei die Situation aber ruhig geblieben, betonte die Polizeisprecherin.

Unübersichtliche Lage in Schönefeld - Teilnehmer wechseln Seiten

Die Gemengelage an der Kreuzung zur Volksgartenstraße stellte sich nicht nur für die Polizisten schwierig dar. Teilweise wechselten Teilnehmer die Seiten. Im Laufe des Abends strömten weitere Demonstranten und Beobachter nach Schönefeld. „Ich habe das Gefühl, dass sich viele der NPD anschließen“, berichtete dazu Juliane Nagel von „Leipzig nimmt Platz“. Bundesweit und in Sachsen gebe es vergleichbare rassistische Mobilisierungen. „Wir sind heute hier, um Flüchtlingen zu zeigen, dass sie in Leipzig willkommen sind“, sagte die Linken-Stadträtin weiter. „Wir wollten ein Diskussionsangebot für Leute bieten, die sich nicht mit den Nazis vereinigen wollen.“

    

Stein des Anstoßes: Im ehemaligen Fechner-Gymnasium in der Löbauer Straße will die Stadt in den kommenden Monaten rund 120 Flüchtlinge unterbringen. Anwohner kritisieren das Vorhaben und dessen späte Ankündigung. Die NPD nahm dies als Anlass für die Demonstration am Montagabend. „Leipzig nimmt Platz“ wirft den Rechtsextremen vor, die Verunsicherung der Anwohner für Stimmungsmache auszunutzen. Die Initiative rief deshalb dazu auf, Rassismus und pauschalen Vorurteilen gegenüber Asylsuchenden eine klare Absage zu erteilen.

„Viele Eltern befürchten Ausschreitungen. Das ist kein schönes Klima“, beschrieb Michael Reinhardt, Vorsitzender des Bürgervereins Schönefeld, die Sorgen der Anwohner. Gleichzeitig übte er Kritik an der Informationspolitik des Rathauses: „Man hätte vieles im Vorfeld besprechen und viele Ängste nehmen können.“ Auch das Gymnasium sieht er nicht als idealen Standort. „Die Lage ist nicht besonders willkommensförderlich. Ich würde mir wünschen, dass Flüchtlinge eine geeignetere Unterkunft bekommen“, sagte Reinhardt.

"Viele sagen: Leute, so geht es nicht“

Mit dem Verlauf des Demonstrationsabends zeigte sich der Bürgervereins-Vorsitzende insgesamt zufrieden: „Ich bin überwältigt von der Anzahl der Menschen, die Position beziehen und sich gegen Dumpfbacken-Parolen stellen. Ich bin froh, dass viele Platz nehmen und sagen: Leute, so geht es nicht.“

Auch Vertreter der lokalen Politik nahmen an der Gegenkundgebung teil – wie Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD). „Es ist auch für uns überraschend gewesen, dass wir eine größere Anzahl an Flüchtlingen unterbringen müssen“, erklärte er die späten Gespräche mit den Anwohnern. Nachdem dies klar war, habe die Verwaltung jedoch umgehend informiert. Über die teilweise aggressiven Reaktionen sei er erschrocken, sagte Fabian. „Ich finde das traurig, denn Menschen in Not muss geholfen werden. Flüchtlinge kommen nicht ohne Grund nach Deutschland.“ Auch andere Kommunen müssten zusätzliche Asylsuchende unterbringen. In Leipzig sei das ehemalige Fechner-Gymnasium das einzige Gebäude, das für 100 Flüchtlinge geeignet ist.

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Michael Frömmert / Maria Köhler

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