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Gericht hört Notruf-Mitschnitt: „Mein kleiner Sohn atmet so komisch“

Prozess um schwere Misshandlung Gericht hört Notruf-Mitschnitt: „Mein kleiner Sohn atmet so komisch“

Zweiter Tag im Prozess um schwere Misshandlungen eines nur drei Monate alten Babys: Verantworten muss sich am Landgericht Leipzig der Vater des Jungen. Der 28-Jährige hatte im August 2016 den Notruf gewählt – und das Rettungsteam im Unklaren gelassen.

Prozessauftakt im Landgericht Leipzig: Angeklagter Sascha S. (rechts) mit seinem Verteidiger Christian Avenarius .

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Der Zustand wirkte instabil, wir wollten zügig ins Krankenhaus“, erinnert sich Rettungsassistent Julius K. an den tragischen Fall vom 8. August 2016. Der Patient, um den sich ein Rettungsteam in einer Wohnung in der Grünauer Ringstraße kümmerte, war gerade einmal drei Monate alt.

Damals schien die Ursache für den sich rapide verschlechternden Zustand des Babys völlig unklar. Inzwischen muss sich der Vater des kleinen Jungen, der 28-jährige Sascha S., wegen schwerer Misshandlung vor dem Landgericht Leipzig verantworten.

„Der Vater wirkte sehr besorgt“

Als die 5. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Berthold Pfuhl am Montag, dem zweiten Prozesstag, den damaligen Notruf abspielt, schießen dem Angeklagten die Tränen in die Augen. Auf dem Mitschnitt ist sein Schluchzen zu hören: „Ich brauche schnell einen Rettungswagen für meinen kleinen Sohn. Er macht so komische Atemgeräusche.“

Dem Rettungsteam vor Ort hatte er dem Zeugen Julius K. zufolge beinahe gebetsmühlenartig erklärt, dass das Baby ganz plötzlich während des Mittagsschlafes Atemaussetzer hatte. „Wir sind zunächst von einem Krampfleiden ausgegangen, dachten an Epilepsie“, berichtet der Rettungssanitäter. „Der Vater wirkte sehr besorgt. Er hat das Kind gestreichelt.“ Die Lebensretter versorgten den Säugling mit Sauerstoff, mussten ihn nach Angaben des Zeugen zweimal kurz reanimieren.

Baby hatte schwere Kopfverletzungen

Bereits wenig später stellte sich allerdings in der Uni-Kinderklinik heraus, dass dem Baby schwere Gewalt angetan worden war. Es hatte ein Schädel-Hirn-Trauma, massive Hirnblutungen, Schädel- und Rippenfrakturen und Einblutungen an den Augen erlitten.

Ein Nachbar des Paares in Grünau hatte zudem laute Geräusche aus der Wohnung gehört: „Es klopfte dreimal laut, dann schrie das Baby. Jemand hat es beruhigt“, berichtet Familienvater Vladislav T. (46) am Montag auf entsprechende Fragen des Gerichts. Und schon während der Schwangerschaft der Frau habe es einen Vorfall gegeben: „Es war so, als würden Möbel durch die Gegend geworfen.“

Junge jetzt in Pflegeeinrichtung

Bereits im August 2016 entzog das Familiengericht dem Paar, das inzwischen getrennt ist, das Sorgerecht. Im April 2017 erging Haftbefehl gegen den Vater, Ex-Soldat Sascha S., der zum Prozessauftakt die Misshandlungen zugab. Aufgrund der Konstellation könne nur er es gewesen sein, sagt Verteidiger Christian Avenarius. Denn die Kindesmutter nahm an jenem Tag Termine wahr.

Der kleine Junge wird nun in einer speziellen Pflegeeinrichtung in Dresden betreut. Am 16. April, dem dritten Prozesstag, sollen mehrere Spezialisten zum Gesundheitszustand angehört werden.

Von Sabine Kreuz

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