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Geständiger Räuber vor Landgericht Leipzig: "Ich wollte kein Blut sehen"

Geständiger Räuber vor Landgericht Leipzig: "Ich wollte kein Blut sehen"

Lehrbuchreifer Prozessauftakt gestern am Landgericht: Zunächst klagte die Staatsanwaltschaft einen 36-jährigen Leipziger wegen gleich drei bewaffneten Raubüberfällen auf Geschäfte in Leipzig an.

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Besprechung kurz vor Prozessbeginn: der Angeklagte Oliver G. (rechts) mit Verteidiger Hagen Karisch.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ohne Umschweife räumte daraufhin Oliver G. seine Beutezüge auf einen Bäckerladen und zwei Supermärkte im Februar und März dieses Jahres ein.

Dann antwortete er auch noch auf alle Fragen, entschuldigte sich und betonte mit Blick auf die Zuschauer im Saal 115: "Etwas angetan hätte ich den Kassierern nicht. Ich wollte kein Blut sehen." Der Vorsitzende Richter Berthold Pfuhl hatte den Angeklagten zuvor auf eine Gruppe Jurastudenten im Publikum hingewiesen, die sich die öffentliche Verhandlung zu Ausbildungszwecken anschauen würde.

 "Mein Mandant hat das Bedürfnis, sich als Mensch darzustellen, der nicht mehr so sein will wie zu jener Zeit der Straftaten", sagte sein Verteidiger Hagen Karisch. "Er möchte reinen Tisch machen."

Bereits mit 13 oder 14 Jahren hatte Oliver G. damit begonnen, Marihuana zu rauchen. "Dann folgten Kokain, Ecstasy, LSD - eben alles", so der Angeklagte. Seinen Worten zufolge stieg er vor etwa sechs Jahren auf Heroin um. "Ich habe versucht, ein ordentliches Leben zu führen. Aber es ist mir nicht gelungen. Schon in jungen Jahren geriet ich auf die schiefe Bahn", so der gelernte Gas- und Wasser-Installateur, der aber kaum in seinem Beruf gearbeitet hat. In seinem Sündenregister sind bereits 17 Vorstrafen aufgelistet - wegen Diebstahls, Körperverletzungen und etlicher anderer Delikte.

Jetzt dürften noch schwerer Raub und schwere räuberische Erpressung hinzukommen. "Ich wollte doch nur Geld", meinte er am gestrigen Freitag. Geld für Drogen. "Ich habe unter besonderem Druck gestanden. Im Normalzustand würde ich das gar nicht machen."

So marschierte er am 12. Februar mit einem langen Küchenmesser in die Aldi-Filiale an der Bockstraße in Probstheida, erbeutete dort 741 Euro. Am Rosenmontag, dem 3. März, holte er sich am Morgen zunächst mehrere Pfannkuchen bei einem Bäcker am Lerchenrain (Marienbrunn). Gegen 14 Uhr kehrte er dorthin zurück. "Ich sagte noch: ,Na, die Pfannkuchen haben wohl geschmeckt?'", berichtete Verkäufern Claudia L. (53) vor Gericht. "Doch da hielt er mir schon ein Messer an die Hüfte." Weil sie die Kasse nicht gleich aufbekam, habe er sie zur Seite geschubst, sich selbst bedient. Beute: 88 Euro. "Eine ältere Kundin trank gerade eine Tasse Kaffee im Laden. Sie war ganz fassungslos."

Der Räuber habe die Frau angeherrscht, sie solle froh sein, dass er ihr nicht auch noch das Geld wegnehme, so die Zeugin weiter. Bereits am 8. März folgte der nächste Überfall - diesmal auf die Aldi-Filiale in der Friederikenstraße (Dölitz-Dösen). "An dem Tag war er mehrfach im Laden, kaufte eine Flasche Bier, ging wieder", schilderte Kassiererin Doreen C. (26). Am Abend wartete er, bis alle Kunden den Markt verlassen hatten. "Dann hielt er mir ein Messer an den Hals." Beute: 600 Euro. Bei seiner Flucht verlor Oliver G. allerdings sein Handy - ein weiteres Beweisstück für die Ermittler, die ihm schon auf der Spur waren.

"Und wie soll es jetzt mit Ihnen weitergehen?", fragte Richter Pfuhl. "Ich muss eine Therapie durchstehen", so Oliver G., Vater von zwei Kindern. Bisherige Versuche waren aber gescheitert.

Plädoyers und Urteil bekamen die Jurastudenten am Freitag jedoch nicht mehr zu hören. Das Prozessende ist für den 2. Oktober geplant.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.09.2014

Sabine Kreuz

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