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Geständnis vor Leipziger Gericht: Opfer mit blutverschmierter Spritze bedroht

Überfälle auf Leipziger Tankstellen Geständnis vor Leipziger Gericht: Opfer mit blutverschmierter Spritze bedroht

Bereits kurz nach seinen Überfällen auf zwei Tankstellen in Leipzig im Juli 2015 konnte er gefasst werden. Ein Straßenbahnfahrer erkannte ihn aufgrund seines markanten Aussehens.

Das Landgericht Leipzig will am 8. April sein Urteil verkünden.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Bereits kurz nach seinen Überfällen auf zwei Tankstellen in Leipzig-Schönefeld und Paunsdorf an einem Abend im Juli 2015 konnte er gefasst werden. Vor allem wegen seines auffälligen Outfits erkannte ihn ein Straßenbahnfahrer am Hauptbahnhof: kahler Schädel, aber Zopf; Tattoo am Hals, roter Ring im Ohr. Am markanten Äußeren hat sich auch in der Untersuchungshaft nichts geändert. Zum Prozessauftakt am Donnerstag vor dem Landgericht Leipzig gab der arbeitslose Andrea C. (37), ein gebürtiger Italiener, alles zu.

Laut Verteidiger Ingo Stolzenburg ist der in Venedig Geborene seit vielen Jahren schwerstabhängig. „Zur Tatzeit benötigte er täglich anderthalb bis zweieinhalb Gramm Heroin. Das musste er finanzieren“, so der Anwalt, der eine Erklärung für C. abgab. Demnach treffen die Vorwürfe „vollumfänglich“ zu. Außerdem habe der Angeklagte noch Crystal und Tabletten geschluckt, unter Suchtdruck gestanden. Staatsanwältin Sybill Petersen warf C. besonders schwere räuberische Erpressung in zwei Fällen vor. Er hatte in den Tankstellen die beiden betroffenen Verkäuferinnen jeweils mit einer blutverschmierten Spritze bedroht – und Ware gefordert.

Tattoo und Frisur überführten Andrea C. als Tankstellen-Räuber.

Tattoo und Frisur überführten Andrea C. als Tankstellen-Räuber.

Quelle: André Kempner

Der Anklage zufolge täuschte er am 14. Juli um 19.30 Uhr in der HEM-Tankstelle in der Braunstraße in Schönefeld zunächst Kaufinteresse vor. Er nahm mehrere Flaschen Bier aus der Kühlung und ließ sich von der Angestellten 28 Schachteln Zigaretten einpacken. Anschließend steckte er noch eine Flasche Sekt, Eis und Süßigkeiten ein. Als sie vor der Übergabe der Tabakwaren das Entgelt verlangte, zog er die schmutzige Spritze und bedrohte die Angestellte damit. Sie gab daraufhin die Tüten heraus. „Ich dachte, in der Spritze ist Säure. Es war mir sehr unangenehm“, berichtete die 28-Jährige im Gericht. Als ein Kunde damals einschreiten wollte, flüchtete der Täter, ließ bis auf die Zigaretten die Beute auf einem Parkplatz fallen. „Er lallte, war neben der Spur“, schätzte sie ein. Nach den Folgen befragt, sagte sie, keine Probleme bekommen zu haben. „Ich hatte am nächsten Abend gleich wieder Spätschicht.“ Während die 28-Jährige den Vorfall „erstaunlich gut wegsteckt“, wie der Vorsitzende Richter Rüdiger Harr meinte, hat das weitere Opfer eigenen Angaben zufolge „abends noch immer Angst, auf die Straße zu gehen“. Die zur Tatzeit 19-Jährige brach vor Gericht, als sie Details des Übergriffs in der bft-Tankstelle in der Riesaer Straße schilderte, in Tränen aus. Gegen 21.30 Uhr wollte der Täter damals „zwei Stangen Kippen“. Als die Kassiererin zuerst nach Geld verlangte, richtete er auch auf sie die Spritze. „Er hat mir Angst gemacht, es war eklig“, so die inzwischen 20-Jährige. Danach übergab sie ihm die Waren. In der Folgezeit „ging es mir gar nicht gut“, sagte die jetzt Arbeitslose.

Der Täter hatte sich nicht maskiert, sodass er auf Bildern der Überwachungskameras gut zu erkennen war. Zudem gab die Polizei eine so detaillierte Beschreibung heraus, dass er an der Hauptbahnhof-Haltestelle gleich erkannt wurde. Verteidiger Stolzenburg kündigte an, dass Andrea C. im Maßregelvollzug eine Therapie machen möchte, auch wenn er Angst davor habe. Urteil: 8. April.

Von Sabine Kreuz

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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