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Grausige Details im Leipziger Doppelmord-Prozess – doch Angeklagter schlummert

Leichen im Badesee Grausige Details im Leipziger Doppelmord-Prozess – doch Angeklagter schlummert

Der mutmaßliche Doppelmörder wirkte gestern nicht nur völlig ungerührt. Beim Prozess am Leipziger Landgericht schien Faouzi A. sogar zu schlafen. Während der gut zweistündigen Anhörung von zwei Zeugen – Kriminalbeamten – hielt er zumindest die Augen geschlossen.

Die Polizei sucht Ende Juli 2016 nach Leichenteilen im Naturbad „Bagger“ in Thekla.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der mutmaßliche Doppelmörder wirkte gestern nicht nur völlig ungerührt. Beim Prozess am Leipziger Landgericht schien Faouzi A. sogar zu schlafen. Während der gut zweistündigen Anhörung von zwei Zeugen – Polizisten – hielt er zumindest die Augen geschlossen. Dabei offenbarten die beiden Kripobeamten weitere grausige Details des Verbrechens, das die Staatsanwaltschaft dem 37-Jährigen, der aus der tunesischen Mittelmeerstadt Bizerta stammt, anlastet. Er soll am 23. Juli vorigen Jahres gegen 0.15 Uhr die befreundeten tunesischen Eheleute Hadia B. (32) und Ali T. (37) in deren Wohnung in der Zollikoferstraße getötet und zerstückelt haben. Nach Aktenlage transportierte er die Leichenteile ab dem Morgen bei vier Fahrten in einem Linienbus erst in einem Koffer, danach in einer Reisetasche zum Naturbad Bagger in Thekla.

Wie Kripobeamter Jürgen H. gestern schilderte, hatten zwei Schwimmer am 28. Juli erste Leichenteile entdeckt: einen männlichen Torso. „Danach wurde der See abgesperrt.“ In den Folgetagen habe sich die Suche allerdings schwierig gestaltet. „Der Bagger ist bis zu elf Meter tief. Die Sicht für die Taucher war schlecht“, berichtete er. Die Polizeitaucher aus Sachsen wurden dabei von ihren Kollegen aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg unterstützt. „Am 29. Juli wurde dann ein linkes Bein eines Mannes entdeckt.“ Noch bis Anfang August lief der Einsatz vor Ort. „Dabei haben auch Leichensuchhunde, die mit dem Boot über das Wasser gefahren wurden, mehrfach angeschlagen“, so der Kripomann weiter. Am 3. August seien alle restlichen Leichenteile – auch der Frau – geborgen worden. Die meisten hätten sich am Boden, in einer Tiefe von sieben Metern, befunden.

Wie berichtet, nahm die Soko „Bagger“ den Tatverdächtigen Faouzi A. am 1. August fest, er kam in Untersuchungshaft. Der 37-Jährige bestritt das Verbrechen. „Später gab er nur zu, was wir ihm nachweisen konnten“, berichtete gestern Kriminalbeamter Rajko B. als weiterer Zeuge im Prozess. In einer der Vernehmungen bezichtigte Faouzi A. demnach zwei Tunesier des Tötungsverbrechens. Er habe von ihnen „nur die Aufgabe der Entsorgung der Toten“ bekommen.

Erstmals am Landgericht legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Allerdings entspricht es nicht völlig der Anklage der Staatsanwaltschaft, die vom heimtückischen Mord aus Habgier ausgeht. Nach seiner Version will der Angeklagte das Paar im Streit um Lohn getötet haben. Totschlag wird meist mit einer geringeren Strafe als Mord geahndet. Verteidiger Malte Heise sieht die Angaben seines Mandanten bislang für nicht widerlegt. Das Gericht führt die Beweisaufnahme deshalb akribisch weiter. Noch sind bis 17. Juli sechs Prozesstage geplant.

Von Sabine Kreuz

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