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Größeres Polizeiaufgebot in Connewitz – Kritik an „politisch motivierten Ermittlungen“

Größeres Polizeiaufgebot in Connewitz – Kritik an „politisch motivierten Ermittlungen“

Die Leipziger Polizei zeigt verstärkt Präsenz im Süden der Stadt. In Connewitz patroullieren die Beamten für mehr Sicherheit, wie Polizeisprecher Sebastian Spreer am Freitag gegenüber LVZ-Online bestätigte.

Leipzig. Zu 244 Raubüberfällen auf Geschäfte im Stadtgebiet mussten die Ermittler allein seit Januar dieses Jahres bereits ausrücken. Weil der Schwerpunkt dieser Taten im Süden Leipzigs zu verzeichnen ist, sei man nun verstärkt in diesem Gebiet auf Streife.

Verstärkte Polizeipräsenz und mehr Personenkontrollen im Stadtteil Connewitz – das politische Netzwerk der Linkspartei, linxxnet, kritisiert dieses Vorgehen der Ordnungshüter. „Leipzig-Connewitz wird von der Polizei derzeit offensichtlich zur

Gefahrenzone stilisiert“, sagte Juliane Nagel, linxxnet-Sprecherin und Mitglied von der Partei Die Linke, am Freitag. Dabei trage das Vorgehen „nicht zum Sicherheitsgefühl bei, sondern zur Verunsicherung“. Nagel kritisiert die Polizeipraxis im Süden der Stadt als „politisch motivierte Ermittlungen gegen politisch linke Strukturen“. Nach Angaben des Netzwerks war die Präsenz der Uniformierten nach den Razzien Mitte April und Anfang Mai wegen des Verdachts der Bildung krimineller Vereinigungen spürbar angestiegen.

Mit Links und Rechts hätten die Maßnahmen nichts zu tun, sagte dagegen Polizeisprecher Spreer und verwies erneut auf die große Zahl der Raubüberfälle in jüngster Vergangenheit. Die Zahl der Übergriffe auf verschiedenste Einrichtungen in Leipzig sei im Vergleich zu den ersten vier Monaten im Jahr 2010 bereits um 100 Prozent angestiegen.

Geheimplan gegen Überfallserie

Neben verstärkter Polizeipräsenz setzen die Ermittler große Hoffnungen in einen Geheimplan, der eine neue Technik beinhaltet, mit dem die Mitarbeiter in betroffenen Geschäften deutlich schneller Alarm auslösen können. Über die genauen Inhalte legt sich ein Mantel der Verschwiegenheit.

Fest steht: Das Problem ist die Zeit. Wenn die Polizei auch nur fünf, sechs Minuten nach dem Überfall vor Ort ist, sind die Täter längst weg und die sofortige Fahndung nach ihnen ist meist erfolglos. „Wir müssen sie möglichst noch auf frischer Tat oder beim Verlassen des Tatorts kriegen“, sagte deshalb Polizeipräsident Horst Wawrzynski.

Der Geheimplan als neue Hoffnung gegen das Unbehagen der Gewerbetreibenden? „Alle haben Angst“, schilderte Gunter Engelmann-Merkel die Gemütslage der Leipziger Mitglieder des Handelsverbands. „Das sind ja schon Morddrohungen, wenn gesagt wird: ,Wenn du das Geld nicht rausrückst, schlage ich dir den Schädel ein.’“ Er warnte vor einer „Verfestigung dieser Situation“. Sicherheit sei ein ganz wesentlicher Standortfaktor.

Friedhelm Beckstedde, Inhaber der Teddys-Stadtbäcker Gmbh, musste bereits fünf Raubüberfälle auf seine zwei Filialen im Leipziger Süden hinnehmen. Allein das Geschäft in der Windscheidstraße wurde viermal heimgesucht. Und das, obwohl die Bäckerei-Kette ihre Läden nach den ersten Überfällen bereits mit hochmoderner Überwachungstechnik aufgerüstet hatte. „Es wird immer schwerer, Personal zu finden“, sagte der Bäckermeister. „In diesen Laden möchte ja kaum noch eine Verkäuferin.“

Kriminalitätshochburg Leipzig: Problem der Beschaffungskriminalität

Im Zusammenhang mit den Raubüberfällen war immer wieder auch das Problem der Beschaffungskriminalität Thema. Engelmann-Merkel forderte die Stadt deshalb auf, ihre Drogenpolitik zu hinterfragen. „Es gibt seit Jahren eine konstante Zahl an Drogensüchtigen in der Betreuung, da muss doch irgendwas falsch laufen“, monierte er. „Es müssen ja auch mal welche aus der Sucht herausfinden. Gerade wenn durch massive Beschaffungskriminalität eine hohe Gefahr für die Öffentlichkeit erreicht ist, darf man das Thema nicht einfach nur verwalten.“

Laut der Ende März vorgestellten Kriminalitätsstatistik ist die Zahl der Diebstähle mit knapp 28.500 im vergangenen Jahr gegenüber 2009 um fast 3000 gestiegen. Raubüberfälle sind dagegen leicht zurückgegangen, um 16 auf 578. Laut Wawrzynski ist das für eine Stadt wie Leipzig ein immer noch hohes Niveau. Und die Statistik für dieses Jahr lässt kaum Raum für Hoffnung.

Christiane Lösch/Frank Döring/Matthias Roth

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