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Polizeiticker Leipzig Handy-Klau bei Kraftklub-Konzerten – Prozess in Leipzig begonnen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Handy-Klau bei Kraftklub-Konzerten – Prozess in Leipzig begonnen
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20:57 22.05.2018
Beim Kraftklubkonzert in Leipzig wurden Besuchern Handys gestohlen. Quelle: Kempner
Leipzig

Sein ausschließliches Ziel der Begierde: hochwertige Handys. Dafür nutzte er das riesige Gedränge vor Konzert-Bühnen aus. Pech allerdings für den Täter in Leipzig: Ein bestohlener Fan konnte im November 2017 sein Smartphone orten – und damit gleich eine ganze Diebstahlserie aufklären. Der damals ertappte 34-Jährige musste sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Leipzig verantworten. Costel S., ein arbeitsloser Schlosser aus Rumänien, gab alles zu.

„Er wollte Lebensmittel für seine Familie kaufen und zudem für seinen kleinen Sohn, der damals zwei Jahre und sieben Monate alt war, ein Weihnachtsgeschenk“, sagte Verteidiger Malte Heise zum Motiv der kriminellen Tour. Zum Prozessauftakt gab der Anwalt für seinen Mandanten eine Erklärung ab. Demnach räumte der Angeklagte alle 19 vorgeworfenen Fälle ein.

Laut Staatsanwaltschaft geht es um den Diebstahl von 18 Handys bei zwei Konzerten der Chemnitzer Rockband Kraftklub in Berlin und Leipzig am 2. sowie 3. November vorigen Jahres. Ein weiteres Mobiltelefon ließ Costel S. eigenen Angaben zufolge bei einem „Beatsteaks“-Auftritt am 1. November in Hannover mitgehen. Es handelte sich um jeweils mehrere hundert Euro teure Smartphones.

Der Angeklagte habe „die situationsbedingte Unaufmerksamkeit“ der Fans ausgenutzt, meinte die Staatsanwaltschaft. Wie eine betroffene Leipziger Konzertbesucherin der Polizei zu Protokoll gab, sei sie völlig damit beschäftigt gewesen, „nicht zerquetscht zu werden“. Mit 12.000 Besuchern galt die Arena als ausverkauft. Vor der Bühne hatten Fans sogenannte Moshpits gebildet – große Kreise, in denen sie tanzten, sich gegenseitig ansprangen und schubsten.

Dass er Opfer eines kriminellen Antänzers wurde, bemerkte auch Ralph N. (36) erst im Nachhinein. „Den Diebstahl selbst habe ich gar nicht mitbekommen“, berichtete der Medizin-Produkte-Berater am Dienstag vor Gericht. Sein Samsung Galaxy S 8 war aus seiner Hosentasche verschwunden.

Urteil voraussichtlich am 5. Juni

„Die Security in der Arena sagte mir dann, da wäre ich nicht der erste Betroffene an dem Abend.“ Zum Glück habe er bereits seit Längerem auf seinem Gerät die Anti-Diebstahl-App Cerberus installiert. „So konnten wir über das Telefon meines Freundes mein Handy orten. Mit einem Taxi fuhren wir hin.“ Der Dieb hatte in einem Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofes eingecheckt. Vor Ort löste Ralph N. ferngesteuert Alarm aus – und hörte sein Handy in der vierten Etage. „Mit meinem Gerät in der Hand stand ein Mann plötzlich in der Fahrstuhltür. Er sagte, dass er es gefunden hat und an der Rezeption abgeben will“, berichtete der Zeuge weiter.

Die alarmierte Polizei schaute schließlich in dem Hotelzimmer des aufgeschreckten Gastes nach – und entdeckte insgesamt 19 Handys. Acht waren in Leipzig, acht weitere in Berlin und ein Gerät in Hannover entwendet worden. Costel S. sei damals „nervös, aber friedlich“ gewesen und habe keinen Fluchtversuch unternommen, so der Zeuge.

Der Rumäne sitzt seither in Untersuchungshaft. Seinen Worten zufolge war er damals allein in Deutschland unterwegs. „Ich wollte in Tschechien einen Job finden, hat aber nicht geklappt“, so der Angeklagte. Allerdings sei er der Polizei in Europa schon mehrfach aufgefallen. Das Urteil gegen den Angeklagten ergeht voraussichtlich am 5. Juni.

Bande bereits in Leipzig aufgeflogen

Wie berichtet, agieren Täter bei Konzerten in ganz Europa meist arbeitsteilig in Banden. So sprach das Leipziger Amtsgericht im Februar 2017 drei zu einer größeren Gruppe gehörende Rumänen wegen schweren Bandendiebstahls schuldig. Ein Angeklagter erhielt 20 Monate Haft, die beiden Mitangeklagten je zwei Jahre und drei Monate Haft. Auch sie legten ein Geständnis ab, äußerten sich aber nicht zur Bandenstruktur.

Sie hatten beim Konzert der US-Band Slipknot im Januar 2016 auf der Neuen Messe mindestens 60 Handys im Gesamtwert von 27 250 Euro gestohlen. Danach war ein sehr hoher Aufwand betrieben worden, um die Täter zu fassen. Ermittlungen zufolge sollen sie zu einer mindestens 20-köpfigen Bande gehört haben.

Per Telefonüberwachung, Peilsendern an Autos und Observation kamen Leipziger Kripo und Fahnder des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA) den Dieben im August 2016 beim Highfield-Festival am Störmthaler See schließlich auf die Schliche. Beamte konnten das Trio auf frischer Tat mit 20 gestohlenen Handys dingfest machen. Der Wert der dort entwendeten Beute: etwa 20.000 Euro.

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