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Polizeiticker Leipzig Holländer schweigt zu Cannabis-Plantage im Hotel
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Holländer schweigt zu Cannabis-Plantage im Hotel
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17:28 05.12.2018
Reiste aus den Niederlanden nach Leipzig zum Prozess an: der Angeklagte Trong Hung H. (l.), hier mit seinem Verteidiger Carsten Brunzel, im Landgericht. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Zog er von den Niederlanden aus die Strippen? Die Leipziger Staatsanwaltschaft ist überzeugt: ja. Sie hält Trong Hung H. (53) und seine Ehefrau für eine der beiden Betreiber-Familien einer Cannabis-Plantage in einem früheren Hotel in Leipzig. Am Mittwoch begann gegen den gebürtigen Vietnamesen, der über die holländische Staatsbürgerschaft verfügt, der Prozess. „Er wird sich schweigend verteidigen“, gab sein Anwalt Carsten Brunzel am Landgericht bekannt.

Razzia nach Hinweis

„Der Angeklagte und seine Frau waren zu 25 Prozent am Gewinn der Plantage beteiligt“, sagte Staatsanwalt André Kuhnert. Trong Hung H. sei an der Auswahl eines geeigneten Objektes für die Drogen-Plantage – das ehemalige Hotel Ramis im Ortsteil Burghausen-Rückmarsdorf – beteiligt gewesen und habe auch die nötigen Geldmittel für das Equipment mit zur Verfügung gestellt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 53-Jährige vom Ausland aus die Marihuana-Aufzucht beaufsichtigte, das Hotel zur Kontrolle und Überwachung aber auch mehrfach aufsuchte.

Gesondert verfolgte Mittäter wiederum sollen die beiden Gärtner angeheuert, bezahlt und den Verkauf geregelt haben. Bereits 2010 flog die Plantage nach einem anonymen Hinweis auf. Bei einer Razzia am 6. Mai stellten Zollfahnder 1143 Pflanzen mit einem Marktwert von rund 360 000 Euro sicher. Nach Ansicht der Ermittler wäre es die fünfte Ernte gewesen.

Plantage auf 200 Quadratmetern

„Auf einer Anbaufläche von 200 Quadratmetern befanden sich 55 bis 75 Zentimeter hohe Pflanzen“, sagte Staatsanwalt Kuhnert. Zudem seien zwischen Anfang 2009 und März 2010 jeweils 23 Kilogramm Marihuana geerntet worden. Dabei handelte es sich um getrocknete und zerkleinerte Teile der weiblichen Cannabispflanze, um Stängel, Spitzen, Blätter und Blüten, bekannt auch als Gras.

Sein Hotel hatte Eigentümer Ramis N. (53) – weil es schlecht lief, er aber einen Kredit zurückzahlen musste – an die Männer vermietet. Eine Etage für 900 Euro, die zweite für 1500 Euro. „Sie sagten, dass sie das Haus danach kaufen wollen. Die Schlösser für die Etagen hatten sie ausgewechselt“, berichtete der nunmehrige Bauleiter vor Gericht. Aufgrund von massiven Wasserschäden habe er eines Tages die Pflanzen gesehen. „Ich dachte, das hat etwas mit Tomaten zu tun.“ Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Katrin Seidel, ob ihm der Geruch bekannt vorkam, meinte er entschieden: nein.

Nach der Razzia begab sich Ramis N., Ex-Offizier der Sowjetarmee und seit 1984 in Deutschland, in Holland auf die Suche nach den Hintermännern. Sein Motiv: „Mein Haus war kaputt, sie sollten für die 40 000 Euro Wasserschaden zahlen.“ Tatsächlich spürte er zwei gebürtige Vietnamesen auf, darunter den „Onkel“ eines Gärtners. Dieser Verwandte sei damals auch in Leipzig gewesen. „Und dieser ,Onkel‘ ist der jetzige Angeklagte“, bezeugte Ramis N. vor Gericht.

Bereits drei Verurteilte

Kurz zuvor hatten Angeklagter und Verteidiger einen Verständigungsvorschlag der Staatsanwaltschaft abgelehnt. Im Fall eines frühzeitigen Geständnisses sollte der 53-Jährige mit Bewährungs- plus Geldstrafe rechnen können. Hauptgrund hierfür: die lange zurückliegende Tat.

Trong Hung H. wurde 2014 angeklagt; das Landgericht ließ diese Anklage aber nicht zu. Erst nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft eröffnete das Oberlandesgericht 2016 das Verfahren.

Drei Cannabis-Bauer vom Hotel Ramis hat das Gericht verurteilt: zu jeweils mehr als vier Jahren. Der aktuelle Prozess um bandenmäßiges Handeltreiben mit Drogen geht am 12. Dezember weiter.

Von Sabine Kreuz

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