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„Ich mache euch kalt“ – Angriff in einem Leipziger Gemüseladen

Prozess gegen Messerstecher „Ich mache euch kalt“ – Angriff in einem Leipziger Gemüseladen

Dass ihm im Gemüseladen ein Mann ein Messer in den Rücken jagt, „hätte ich im Leben nicht für möglich gehalten“. Dabei hatte Knut O. (47) lediglich Kartoffeln in dem Geschäft kaufen wollen. Zum Prozessauftakt am Freitag legte der Täter ein Geständnis ab.

Der wegen versuchten Totschlags angeklagte Nikita R. (rechts) mit seinem Verteidiger Ingo Stolzenburg.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dass ihm im Gemüseladen ein Mann ein Messer in den Rücken jagt, „hätte ich im Leben nicht für möglich gehalten“. Dabei hatte Knut O. (47), wie er am Landgericht Leipzig schilderte, mit seiner Lebenspartnerin am 26. Januar 2017 lediglich Kartoffeln in dem Geschäft an der Prager Straße unweit des Ostplatzes kaufen wollen. Zum Prozessauftakt am Freitag legte der angeklagte Messerstecher ein Geständnis ab. In der Erklärung von Nikita R., die sein Verteidiger Ingo Stolzenburg für ihn verlas, hieß es allerdings: „Ich wollte ihn bestrafen, aber nicht töten.“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-jährigen Deutsch-Russen jedoch versuchten Totschlag und weitere Delikte vor. Mit den Worten „Ich mache euch kalt“, „Ihr verarscht mich doch alle“ sowie „Es wird Blut fließen“ soll Nikita R. an jenem Januartag kurz nach 12 Uhr die Kundschaft in dem Laden ohne jeglichen Anlass beschimpft und ziemlich verstört haben. Nachdem ihm Knut O. daraufhin zurief, doch die Leute in Ruhe zu lassen, geriet allein er in den Fokus des aufgebrachten 28-Jährigen. „Plötzlich standen wir uns Auge in Auge gegenüber“, erinnerte sich der spätere Geschädigte. „Doch erst, als er das Messer zurückzog, habe ich es überhaupt gesehen.“ Er habe geglaubt, einen Faustschlag hinten an die Schulter bekommen zu haben. Knut O. geht davon aus, dass der Täter ohne das Eingreifen eines Dritten noch mal zugestochen hätte. Dabei handelte es sich um Paul S. (27), der seine beiden Arbeitskollegen – Knut O. und dessen Partnerin Claudia D. – in der Mittagspause in den Laden begleitet hatte. Der 1,96-Meter-Mann packte den Arm des Messerstechers von hinten. „Ich drückte ihn mit voller Kraft nach unten“, berichtete der Ingenieur. Erst mit Hilfe eines Ladenmitarbeiters und zudem von Knut O. sei es dann gelungen, den Täter zu entwaffnen. Dieser sei anschließend aus dem Laden geflüchtet. „Die ganze Situation war merkwürdig“, so Paul S. weiter. Es habe auch niemand die Polizei gerufen. Schließlich habe er mit seinem Handy den Notruf gewählt.

Der Schwerverletzte kam in die Uni-Klinik, wurde notoperiert. „Weil man nicht wusste, ob das Messer verseucht war, wurde Gewebe entfernt“, berichtete der Angestellte. Zum Glück sei die Lunge nicht getroffen worden. Er hatte einen mehrere Zentimeter tiefen Schnitt erlitten. Laut Staatsanwalt Torsten Naumann war die Tatwaffe ein Küchenmesser mit zehn Zentimeter langer Klinge.

Augenzeugin Claudia D. (46), die Lebensgefährtin des Opfers, zeigte sich erschüttert über den Angriff. Sie schilderte ihren Partner als „souverän, ruhig und gelassen“. Den Täter habe sie als „bösartig“ empfunden, als jemanden, der das Leben anderer verachte. Sie habe an dem Tag ein Stück weit den Glauben an die Menschheit verloren.

Laut der vom Verteidiger verlesenen Erklärung hatte sich Nikita R. im Gemüseladen beleidigt gefühlt. Zudem sei er in einer persönlich schwierigen Situation gewesen. Die Trennung von seiner Freundin, die ihn mit einem anderen Mann betrogen hatte, lag erst wenige Tage zurück. Und: Er hatte wohl mehr als zwei Promille zur Tatzeit intus.

Übrigens war Nikita R. zwei Stunden nach der Messerstecherei in das Geschäft zurückgekehrt, um seinen vergessenen Beutel abzuholen. Er wurde sofort festgenommen. Dabei leistete er erheblichen Widerstand, beleidigte zudem Polizisten, so Staatsanwalt Naumann. R. kam in Untersuchungshaft; der Prozess läuft voraussichtlich noch bis 3. November.

Von Sabine Kreuz

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