Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
"Ich war starr vor Angst" - Gruppe misshandelte Schülerin aus Leipzig

"Ich war starr vor Angst" - Gruppe misshandelte Schülerin aus Leipzig

Sie haben alles gestanden: Neun Angeklagte gaben am Montag am Amtsgericht Leipzig zu, eine Schülerin des Humboldt-Gymnasiums in Reudnitz-Thonberg über Stunden auf unfassbare Weise gequält und gedemütigt zu haben.

Voriger Artikel
Unbekannte verletzen Mann mit Bierflasche im Leipziger Südwesten
Nächster Artikel
Drei Schwerverletzte nach Linksabbieger-Unfall im Leipziger Norden

Neun Angeklagte haben Misshandlung an Schülerin aus Leipzig vor Amtsgericht gerstanden.

Quelle: Arne Dedert

Leipzig. Grund für die Gewaltorgie vor drei Jahren: Angeblich soll die damals Zwölfjährige über das soziale Netzwerk Facebook Lügen verbreitet und Leute aus einer Clique, zu der sie lose gehörte, beleidigt haben.

"Ich bestritt, aber sie wollten es nicht hören", berichtete die nun 15-Jährige vor Gericht. Die Gymnasiastin schilderte, wie sie am 24. September 2011 auf einer Wiese von zehn Leuten umzingelt, bespuckt, geschlagen, getreten wurde. Eine Täterin drückte ihre brennende Zigarette oberhalb eines Knies vom Opfer aus, so dass schmerzhafte Brandblasen entstanden. "Ich war starr vor Angst", sagte die Geschädigte.

In einer Wohnung setzte die Clique ihre Misshandlungen fort: Der Kopf des Mädchens wurde mehrfach gegen die Wand geschlagen, es mit Fäusten traktiert und mit Waschpulver sowie Weichspüler übergossen. Anschließend sollte es sich mit Hundeshampoo die Haare waschen. Nach dreistündigem Martyrium konnte das Opfer fliehen. "Zu Hause ließ ich mir aber nichts anmerken."

Ihr blaues Auge, ihre Verletzungen sowie ihr Schädelhirntrauma erklärte die Zwölfjährige damit, gegen eine Tür gerannt zu sein. Doch zwei Tage später wurde sie erneut traktiert. "Einer hob sie hoch und wollte sie in eine Mülltonne stecken", gab einer der Angeklagten zu. Mit Faustschlägen und weiteren Gewalttätigkeiten sollte das Mädchen von einer Anzeigeerstattung abgehalten werden. Andernfalls sei sie "tot". Zwei Lehrer retteten sie. "Zu Hause erzählte ich dann alles, weil ich wusste, sonst wird es nicht enden."

Ihre Peiniger: sechs Mädchen und vier Jungen, 13 bis 21 Jahre alt, allesamt Schüler bis auf den Ältesten der Gruppe. Christian K. war arbeitslos und der Freund eines Mädchens. Eine Beteiligte - Jana N. - ging damals gleichfalls auf dieses Gymnasium, die anderen in Einrichtungen in der Nähe. Erst als Jana N. später die Schule wechselte, habe sie keine Angst mehr gehabt, so die Betroffene am Montag. Ihrer Vermutung nach hatte ihr ausgerechnet dieses Mädchen, das sie eine Zeit lang für eine Freundin hielt, das Handy gestohlen und dann die gemeinen Lügen bei Facebook verfasst - als Auslöser der Gewalt. "Dafür gibt es keine Entschuldigung", sagte die Gymnasiastin. Sie wollte auch keine annehmen.

Gegen einen 18-Jährigen, der am Montag unentschuldigt auf der Anklagebank fehlte, erließ das Gericht Haftbefehl. Nach dem Geständnis der neun Beschuldigten ("Es war feige von uns.") stellte Richterin Gabriele Schulz das Verfahren um gefährliche Körperverletzung gegen drei ein. Sie hätten eine untergeordnete Rolle gespielt, seien nicht vorbestraft.

Christian K. (jetzt 24, in der Ausbildung) wurde als Einziger nach Erwachsenenrecht verurteilt. Sanktion: 20 Monate Haft auf Bewährung. Fünf weitere sollen zwischen 50 und 80 Stunden gemeinnützig arbeiten. Dabei wurde das mildere Jugendrecht zugrunde gelegt. "Für sie spielte die Zeit", so die Richterin. Denn inzwischen sei das Sühne-Bedürfnis gesunken, meinte Verteidiger Ingo Stolzenburg. Er kritisierte die Staatsanwaltschaft für die um Jahre verspätete Anklageerhebung: "Wie soll dann noch erzieherisch eingewirkt werden?"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.12.2014

Sabine Kreuz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr