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Polizeiticker Leipzig Im Suff beinahe Freund getötet – Haft für Leipziger
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Im Suff beinahe Freund getötet – Haft für Leipziger
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22:00 25.11.2016
Verurteilt: Sebastian E. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Er hat im Suff um ein Haar seinen besten Kumpel umgebracht: Wegen einer Bluttat am 18. April dieses Jahres am Leipziger Hauptbahnhof ist ein Obdachloser (32) am Freitag zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht wertete den beinahe tödlichen Angriff nicht wie angeklagt als Mordversuch, sondern lediglich als gefährliche Körperverletzung. „Es ist selbst für uns als Schwurgerichtskammer, die mit Kapitalverbrechen zu tun hat, erschreckend, wie schnell aus einem unbescholtenen Menschen unter Alkoholeinfluss beinahe ein Mörder werden kann“, sagte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf.

Sebastian E. hatte zugegeben, bei einem Streit seinen Freund Roger K. mit einer Bierflasche attackiert zu haben. Beide Männer lebten auf der Straße, saßen an diesem Abend gegen 22.30 Uhr betrunken im Bürgermeister-Müller-Park. Der Angeklagte konnte sich nur an einen Schlag erinnern. Ein rechtsmedizinisches Gutachten ergab indes: Neun Mal drosch der Angreifer auf Roger K. ein. Das Opfer erlitt mehrere Kopfverletzungen sowie Schnitte an den Armen, die so tief waren, dass sie bis zur Elle reichten. Fünf Narben am Kopf werden Roger K. für immer daran erinnern, dass er fast ermordet worden wäre. Außerdem kann er aufgrund von durchtrennten Nerven seine linke Hand nicht mehr schließen. Dass er überhaupt noch am Leben ist, verdankt er dem schnellen Eingreifen von Ärzten und Rettungssanitätern. Wegen des hohen Blutverlustes bekam er einen Kreislaufkollaps, schwebte in akuter Lebensgefahr und lag fünf Tage auf der Intensivstation.

Nicht umsonst war die Tat zunächst als versuchter Mord angeklagt. Während der vier Prozesstage gelangten jedoch alle Verfahrensbeteiligten zu der Ansicht, dass Sebastian E. von seinem Opfer abgelassen habe, weit bevor dieses in einen kritischen Zustand geriet. Juristen sprechen in Fällen wie diesem von einem „strafbefreienden Rücktritt vom Versuch“. Roger K. habe zwar geblutet, seine Vitalfunktionen seien zu diesem Zeitpunkt aber noch intakt gewesen, so Jagenlauf.

Staatsanwältin Katrin Minkus forderte vier Jahre Haft sowie die Unterbringung im Maßregelvollzug, wo er therapiert werden soll. Denn aufgrund seiner Alkoholabhängigkeit gehe von dem bislang nicht vorbestraften Sebastian E. weiterhin eine Gefahr aus, befand der psychiatrische Gutachter im Prozess, Christof Hieronymus. Auch Verteidiger Stefan Wirth folgte dieser Empfehlung. „Mein Mandant möchte eine Therapie absolvieren“, sagte er. Die Haftdauer solle deshalb so bemessen sein, dass er sofort in den Maßregelvollzug könne.

Die Strafkammer ordnete neben der Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Sebastian E., der seit April in Untersuchungshaft sitzt, sei aufgrund seiner Alkoholisierung vermindert schuldfähig gewesen. Nachdem Roger K. ihn zweimal geohrfeigt hatte, habe der Angeklagte „deutlich überreagiert“, so Jagenlauf, und den Tod seines Freundes billigend in Kauf genommen. „Ich habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, ihm das Leben zu nehmen“, so Sebastian E. reumütig. Zu einer persönlichen Entschuldigung kam es bisher nicht: Roger K. wollte trotz mehrerer Ladungen nicht als Zeuge vor Gericht erscheinen.

Von Frank Döring

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