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In Singapur verurteilte Sprayer auch in Leipziger Szene aktiv – Polizei fahndete mit Fotos

In Singapur verurteilte Sprayer auch in Leipziger Szene aktiv – Polizei fahndete mit Fotos

Die in Singapur zu Stockhieben verurteilten Graffiti-Sprayer aus Leipzig sind auch in der hiesigen Graffiti-Szene gut bekannt. Beide sollen Mitglieder der im September 2005 gegründeten Radicals Crew (RCS) sein.

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Die beiden in Singapur zur Prügelstrafe verurteilten Graffiti-Sprayer sind auch in der Leipziger Szene aktiv.

Quelle: Screenshot

Leipzig. Seit Jahren liefert sich die Gang mit den Organisierten Radicals Gegnern (ORG) einen bizarren Wettbewerb um das spektakulärste Graffito der Stadt. Die beiden Sprayer standen auch in der Messestadt bereits wegen Graffiti-Straftaten vor Gericht.

So musste sich Andreas von K. im Jahr 2014 wegen des Beschmierens von Eisenbahnwaggons verantworten - gegen Arbeitsstunden wurde das Verfahren eingestellt. Elton H. wurde wegen einer Graffiti-Straftat im Jahr 2011 zu Arbeitsleistungen verurteilt; im Jahr 2013 wegen unbefugten Betretens eines Bahngeländes zu einer Geldstrafe.

Aktuell gilt H. als Verdächtiger im Falle einer Schmiererei im Mai 2014 in der Brüderstraße, sagte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz auf Anfrage. Damals hatten zwei Männer eine Parkbank mit den Buchstaben "RCS" besprüht. Die Polizei hatte deshalb sogar Fahndungsfotos von ihm veröffentlicht, welche später Hinweise auf ihn lieferten. Monate danach Elton H. dann in Malaysia gefasst - aber für seine in Singapur verübte Tat.

Bis zu 250 Sprayer zählen laut einer Lageeinschätzung der Polizei zum harten Kern der Graffiti-Szene Leipzig. Auch die in Singapur verurteilten Elton H. und Andreas von K. gehören dazu. "Sie sind in der hiesigen Graffiti-Szene bekannt", sagte Uwe Voigt, der Sprecher der Leipziger Polizei. Beide sollen Mitglieder der Radicals Crew (RCS) sein.

Im Jahr 2012 kam das bis dahin größte Motiv der Stadt zum Vorschein: Auf etwa 800 Quadratmetern hatten die Radicals die Fassade des Ringmessehauses besprüht - allerdings schon 2010, als ein großer Weihnachtskalender sowie eine Plane davorhingen und die Sprayer zwei Tage lang ungestört arbeiten konnten. Die ORG-Crew antwortete darauf mit einem 1200 Quadratmeter-Werk am mittlerweile abgerissenen Robotron-Gebäude am Innenstadt-Ring. Im Februar 2014 setzten wieder die Radicals eine Marke, sprühten ihr Logo auf die Fassade der alten Hauptpost - rund 1000 Quadratmeter groß. Es jucke einem in den Fingern, immer noch einen draufzusetzen, so die Radicals in einem Internetportal der Szene, "am Ende belebt Konkurrenz das Geschäft im positiven Sinne".

"Diese Gruppierungen haben gerade unter Jüngeren regelrechte Fans", sagte Sebastian Drechsel vom Graffitiverein dieser Zeitung. Für den Verein, der sich in der Prävention engagiert, "ist das ein großes Problem". Leipzig sei ohne Zweifel eine Graffiti-Hochburg. 2013 registrierte die Polizei 2158 Straftaten mit einem Schadensvolumen von zwei Millionen Euro. 336 Fälle wurden aufgeklärt, im Jahr zuvor waren es gerade einmal 233 von 2235. Der Leipziger Polizeichef Bernd Merbitz führt die bessere Aufklärungsquote auf die Arbeit der eigens gebildeten Zentralen Bearbeitung Graffiti zurück.

Und doch bleibt der harte Kern der Szene laut internen polizeilichen Schätzungen seit Jahren weitgehend stabil. Diese Täterklientel sei als "aggressiv agierend" einzuschätzen, heißt es in einem Lagebild. Ihr Selbstverständnis sei auf "reinen Vandalismus" und "Machtdemonstration durch Präsenz im öffentlichen Raum" ausgerichtet. Obendrein sind die Sprayer schwer zu fassen: So wurde der Kopf der ORG-Crew, René E. (28), Ende 2014 freigesprochen. Er war zwar vom Amtsgericht wegen einer Graffiti-Attacke auf einen Zug am Hauptbahnhof zu fünf Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden, doch das Landgericht kassierte das Urteil aus Mangel an Beweisen.

Frank Döring / Josephine Heinze

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