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Irakischer Familienvater vor Gericht: Staatsanwaltschaft wirft ihm zweifachen Mordversuch vor

Irakischer Familienvater vor Gericht: Staatsanwaltschaft wirft ihm zweifachen Mordversuch vor

Immer wieder soll er auf die Frauen eingestochen haben bis er dachte, sie seien tot: Ein muslimischer Familienvater aus dem Irak steht seit gestern wegen zweifachen versuchten Mordes vor dem Landgericht.

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In Handschellen auf dem Weg in den Gerichtssaal: der irakische Familienvater Djamal A.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Djamal A. (42) plante laut Anklageschrift, seine Ehefrau Anisa (Namen der Opfer geändert) und seine 15-jährige Tochter Lya umzubringen, weil beide gegen seinen strikten Machtanspruch innerhalb der Familie aufbegehrten.

Es war ein regelrechtes Blutbad, das sich am 31. August 2014 gegen 13.15 Uhr in der Wohnung der Familie in der Lützner Straße ereignete. "Er sprach ihr Mitspracherechte ab", sagte am Montag Staatsanwältin Karin Schultrich. "Weil seine Ehefrau selbst Entscheidungen treffen wollte, entschloss er sich, sie zu töten." Zweimal habe er ihr ein Küchenmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge in Brust und Bauch gerammt. In Todesangst rief die Mutter ihrer ältesten Tochter Lya zu: "Hole die Polizei!" Die 15-Jährige versuchte, ihre niedergestochene Mutter zu beschützen. Doch diese Solidarität der beiden habe den auf seinen alleinigen Autoritätsanspruch fixierten Djamal A. nur noch wütender gemacht. Als Lya sich umdrehte, um Hilfe zu holen, habe er ihr in den Rücken gestochen, so die Staatsanwaltschaft. Wie in einem Blutrausch soll sich der Fami- lienvater auf das älteste seiner fünf Kinder gestürzt haben. Laut Anklage stach er weitere 16 Mal auf den Körper des Mädchens ein. Lya lag in einer riesigen Blutlache und stellte sich voller Panik tot. Erst da ließ ihr Vater von ihr ab.

Und wandte sich erneut seiner Ehefrau zu. Denn Anisa war durch die beiden Messerstiche zwar schwer verletzt, aber sie lebte noch. Als Djamal A. dies bemerkte, habe er weitere 15 Mal auf den Körper der hilflosen Irakerin eingestochen. "Ich bringe euch um, ich bringe die Kinder um", soll er geschrien haben.

Anisa und Lya überlebten wie durch ein Wunder. Beide erlitten durch die Messerstiche schwerste innere Verletzungen. So waren bei der 15-Jährigen allein drei Stichverletzungen lebensbedrohlich, zudem wurde ihr Oberschenkel durchstochen. Nur durch sofort eingeleitete Notoperationen blieben Mutter und Tochter am Leben.

"Er wollte seine Ehefrau für ihr Aufbegehren bestrafen", so Staatsanwältin Schultrich. "Die Tatmotive stehen sittlich auf der tiefsten Stufe. Er hat Frau und Tochter als sein Eigentum betrachtet und zum Opfer seiner Willkür gemacht."

Verteidiger Stephan Bonell widersprach. "Aus der Akte ergibt sich nicht, dass er sie töten wollte, um seinen Autoritätsanspruch zu untermauern." Auch in anderen Punkten sei die Darstellung in der Anklageschrift fehlerhaft.

Der Beschuldigte selbst äußerte sich am Montag zwar sehr umfassend, zunächst allerdings nur zu biografischen Details. Demnach habe er zehn Jahre lang in der irakischen Armee gedient, sei dann aber wegen Äußerungen, die als Kritik gegen die Baath-Partei des damaligen Diktators Saddam Hussein aufgefasst wurden, verhaftet und gefoltert worden. Ihm sei die Flucht gelungen. Über die Türkei gelangte er nach Deutschland, seit 2001 lebt er in Leipzig.

Erst fünf Jahre später konnten ihm seine Frau und seine älteste Tochter folgen. Die Familie wuchs beständig an, weitere vier Kinder kamen zwischen 2007 und 2013 zur Welt. "Wir haben uns mit Liebe behandelt, uns gegenseitig respektiert", beschrieb Djamal A. vor Gericht das Verhältnis zu seiner Frau. Doch dann hätten Verwandte seine Frau einer Gehirnwäsche unterzogen. Nachdem sie 2012 mit viel Mühe eine Besuchsgenehmigung erhalten hatte, um zu ihrem schwerkranken Vater in den Irak reisen zu können, habe sie davon gesprochen, die deutsche Staatsangehörigkeit erlangen zu wollen. Dadurch würden Besuche in ihre alte Heimat einfacher. "Ich habe sie gebeten, nicht zu verreisen", sagte Djamal A. Immer häufiger sei es danach zu Streitereien gekommen.

Zur Prozessfortsetzung am kommenden Montag wird eine Aussage des Angeklagten zu dem ihm vorgeworfenen zweifachen Mordversuch erwartet. Das Landgericht hat für den Prozess noch vier Verhandlungstage bis 13. März anberaumt. Anisa und ihre Tochter Lya sind in dem Verfahren zwar Nebenkläger, wollen aber nur dann vor Gericht erscheinen, wenn ihre Anwesenheit für eine Zeugenvernehmung unbedingt notwendig ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.02.2015.

Frank Döring

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