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Polizeiticker Leipzig Jeder siebte Radunfall in Leipzig endet mit schweren Verletzungen
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Jeder siebte Radunfall in Leipzig endet mit schweren Verletzungen
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13:13 01.05.2018
Blumen und Kerzen gedenken an den Unfall mit der getöteten Radfahrerin auf dem Martin-Luther-Ring in Leipzig Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Bei einem Verkehrsunfall am Montagmorgen am Martin-Luther-Ring/Ecke Schillerstraße ist eine 16-jährige Radfahrerin tödlich verunglückt. Ein Lkw-Fahrer hatte die Teenagerin, die offenbar geradeaus in Richtung Peterssteinweg wollte, beim Rechtsabbiegen übersehen. Notarzt und Rettungssanitäter versuchten, die Jugendliche noch an Ort und Stelle zu reanimieren und brachten sie umgehend in ein Krankenhaus. Dort aber erlag die 16-Jährige ihren schweren Verletzungen. Der 45-jährige Fahrer des Lasters erlitt einen Schock.

Auch wenn Fahrradunfälle in Leipzig deutlich seltener vorkommen als andere Zusammenstöße, so haben sie meist einen tragischen Ausgang. In der offiziellen Polizeistatistik werden für das vergangene Jahr 1171 Unfälle ausgewiesen, an denen Radler beteiligt waren – das sind rund neun Prozent der insgesamt 13 409 Zusammenstöße. Das Risiko von schweren Verletzungen für Zweiradfahrer ist dabei deutlich höher als für andere Verkehrsteilnehmer: 155 Radfahrer wurden anno 2017 bei Unfällen in der Messestadt schwer verletzt, zwei Menschen starben. Somit endet jeder siebte Radunfall in Leipzig mit schweren Verletzungen. Ansonsten registrierten die Ordnungshüter nur bei jedem 50. Unfall Personenschäden auf.

Die überwiegende Mehrheit der beteiligten Radfahrer war für ihr Unglück auch nicht selbst verantwortlich. Lediglich ein Drittel wird in der Polizeistatistik als Verursacher der Unfälle geführt – in den meisten Fällen wegen Missachtens des Rechtsfahrgebots. Wie mutmaßlich im Fall der 16-Jährigen am Montagmorgen sind häufig abbiegende Autofahrer in Leipzig für die schweren und zum Teil tödlichen Verletzungen der Radler verantwortlich.

So starb im vergangenen September eine 63-Jährige auf der Merseburger Straße, weil ein Lkw-Fahrer sie bei Einbiegen in die Demmeringstraße nicht beachtete. Ein ähnlicher Fall ereignete sich Ende März in der Prager Straße/Ecke Kommandant-Prendel-Allee, als ein Baukipper beim Rechtsabbiegen eine 31-jährige Radfahrerin tödlich verletzte. Im Februar 2015 hatte ein Betonmischer beim Einschwenken von der Pfaffendorfer Straße einen 36-Jährigen überfahren.

Der Leipziger ADFC-Sprecher Christoph Waack zeigte sich am Montag erschüttert, dass in Leipzig wieder ein tödlicher Unfall durch einen rechtsabbiegenden Laster passierte. Waack ist der tödliche Unfall in der Prager Straße/Ecke Kommandant-Prendel-Allee noch präsent. Es sei wichtig, dass dort und an anderen Stellen das Ampel-Signal für Geradeaus-Fahrer und Rechtsabbieger gut sichtbar geregelt werde. Rot-Markierungen von gefährlichen Einmündungen oder andere bauliche Sicherheitsvorkehrungen seien ebenfalls möglich.

Waack wies zudem darauf hin, dass es den „toten Winkel“, in dem Radfahrer übersehen werden können, bei Lkw eigentlich nicht mehr geben darf. Sowohl EU-Vorschriften als auch die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) in Deutschland schrieben vor, dass Lkw mit Spiegeln ausgestattet sein müssen, die eine Rundumsicht ermöglichen. Es sei wichtig, die Fahrer dafür zu sensibilisieren, dass diese Spiegel richtig eingestellt sein müssen.

Beim aktuellsten Fahrradklima-Test des Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC) vergaben die Teilnehmer der Messestadt in Punkto Sicherheit auch nur die Schulnote 4,1. Gegenüber der letzten Befragung 2014 verschlechterte sich dieser Wert. „Hier muss trotz aller Bemühungen der letzten Jahre mehr für die Verkehrssicherheit der Radfahrenden in Leipzig getan werden“, so der ADFC.

Unter anderem bemängelte der Verkehrsclub die Führung des Radverkehrs an Baustellen in Leipzig, aber auch die bisher of ungenügende Trennung von Rad- und Straßenbahnverkehr sei ein wichtiges Thema in Leipzig. An vielen Stellen seien die Straßen in der Stadt zu eng, um das zu leisten. An manchen Orten, wie in der Dresdner Straße, haben die Stadtplaner aus Sicht des ADFC aber noch nicht alle Möglichkeiten ausgenutzt. Insgesamt liegt Leipzig beim Thema Fahrradfreundlichkeit bei den Städten über 200.000 Einwohner laut ADFC auf Platz 9.

Mit dem Rad zur Arbeit oder Ausbildung

Bei der letzten Bürgerumfrage anno 2016 hatten 34 Prozent der Leipziger angegeben, ihr Fahrrad täglich oder mehrfach in der Woche zu nutzen. Jeder Vierte in der Messestadt fährt den Angaben zufolge mit dem Rad zur Arbeit oder zur Ausbildung. Laut einer Erhebung der TU Dresden, die alle fünf Jahre in bundesweit 300 Städten durchgeführt wird, besitzen die Leipziger auch die meisten Drahtesel. Genau 912 waren es zuletzt auf 1000 Einwohner. Der bundesweite Schnitt liegt bei lediglich 745.

Von Matthias Puppe und Evelyn ter Vehn

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