Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Jobcenter-Attacke: Der grinsende Attentäter - Staatsanwalt beantragt lebenslange Haft

Jobcenter-Attacke: Der grinsende Attentäter - Staatsanwalt beantragt lebenslange Haft

Sein Gesicht will er der Öffentlichkeit nicht zeigen. Wann immer der wegen versuchten Mordes an einer Jobcenter-Mitarbeiterin angeklagte Jan N. (34) am Mittwoch im Landgericht vorgeführt wurde, zog er eine Kapuze über und versteckte sich hinter einem Hefter.

Voriger Artikel
Rotes Herz und Strichmännchen: Richard-Wagner-Denkmal in Leipzig beschmiert
Nächster Artikel
Versuchter Mord: Haftbefehl aufgehoben - Polizist aus Leipzig ist wieder auf freiem Fuß

In Handschellen wird der Angeklagte Jan N. von Justizbeamten in den Gerichtssaal gebracht.

Quelle: Peter Endig

Leipzig. Dabei brüstet er sich nach Ansicht von Opferanwältin Eve Leupold der brutalen Tat. Sie forderte, wie die Staatsanwaltschaft auch, lebenslange Haft. Verteidiger Malte Heise beantragte nicht mehr als neun Jahre Gefängnis.

Mehrfach fiel Jan N. Staatsanwältin Karin Schultrich ins Wort, als sie in ihrem Plädoyer den brutalen Anschlag vom 21. Mai 2013 im Jobcenter schilderte. "Er wollte den Tod der Frau und schlug mit dem Hammer mindestens neunmal mit erheblicher Kraft auf sie ein", sagte die Staatsanwältin. Der Angeklagte fühlte sich genervt und rief, sie solle Wiederholungen lassen. Schultrich lautstark: "Jetzt rede ich!" Nachdem auch das Gericht den 34-Jährigen ermahnt hatte, blieb er schweigsam - und setzte ein Grinsen auf. Ein Grinsen, von dem bereits mehrere Zeugen - Polizisten wie auch Security-Mitarbeiter - mit ziemlichem Erstaunen berichtet hatten. Denn das hätten sie beobachtet, als Jan N. sein Opfer, die 52-jährige Arbeitsvermittlerin Pia K., in einer riesigen Blutlache liegen sah, als die Polizei ihn festnahm.

Auch Rechtsmediziner Christian König hatte von einem "gönnerhaften Lächeln" gesprochen. Fazit der Staatsanwältin: "Der Angeklagte war zufrieden mit seiner Tat." Und die habe er akribisch geplant. Ihrer Auffassung nach hasste er die Sachbearbeiterin für die Kürzung seines Arbeitslosengeldes II für drei Monate um je 30 Prozent. Eine Sanktion, weil er das Säubern von Grünanlagen als Penner-Arbeit abgelehnt hatte. Bereits am 20. Mai, einen Tag vor dem Anschlag, kündigte er seinen Internet-Anschluss "mit sofortiger Wirkung", weil er für längere Zeit inhaftiert sein werde. Gleichfalls an diesem Tag schrieb Jan N. seiner Hausverwaltung, dass sie ihm sein Nebenkosten-Guthaben auf das Gefängnis-Konto überweisen solle.

Besondere Schwere der Schuld beantragt

Die Staatsanwältin beantragte neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe noch, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Damit wäre eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren auf Bewährung unmöglich; eine erste Prüfung der Haftzeit stünde nach 20 Jahren an. Wie die Anklagevertreterin sah auch die Opferanwältin keine mildernden Umstände für den 34-Jährigen. Er sei in keinster Weise gewillt, sich an Recht und Gesetz zu halten. Dafür würden seine mehr als ein Dutzend Vorstrafen (so wegen Betruges, Diebstahls und Körperverletzung) sprechen. "Seine Interessen setzt er rücksichtslos durch", so Leupold. Psychiater Peter Winckler hielt Einzelgänger Jan N. trotz einiger Persönlichkeitsstörungen für voll schuldfähig: "Man kann sich durchaus nicht normal verhalten, ohne dass man psychisch krank sein muss."

Verteidiger Malte Heise zufolge fühlt sich aber vielmehr der Angeklagte als Opfer einer Behörde, die ihn schikaniere. Sein Mandant werfe dem Jobcenter Betrug sowie Amtsmissbrauch vor und sei - auch wenn es wirr klinge - der Meinung, dass ihm die Gesellschaft ein "rechtlich verbrieftes Selbsthilferecht einräumt". So hatte Jan N. auch seinen Pfefferspray-Einsatz gegen einen anderen Behörden-Mitarbeiter 2010 als "gerechtfertigt" angesehen. Heise: Dass sein Mandant weder Einsicht noch Reue zeige, sei "Teil dieser Wirrnis im Denken". Der Verteidiger hielt die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe für nicht gegeben und plädierte für eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags zu neun Jahren. Das Gericht wird sein Urteil am Freitag verkünden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.11.2013

Sabine Kreuz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr