Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
„Joker“-Fall: Opfer haben Alpträume

Landgericht Leipzig „Joker“-Fall: Opfer haben Alpträume

Am Donnerstag wurde vor dem Landgericht der sogenannte „Joker“-Prozess fortgesetzt. Dabei sprachen die Opfer des 25-Jährigen Norman E. der sich als Filmbösewicht verkleidete und mit einem Messer auf die Jugendlichen einstach.

Im Prozess um einen zweifachen Mordversuch von Norman E. (l.), der sich als Filmfigur Joker verkleidet hatte (r.),  sagten jetzt die Opfer am Landgericht Leipzig aus.

Quelle: Zeyen / dpa

Leipzig. Als ihr Gastgeber gegen Mitternacht mit dem Quark im Bad verschwand, lachten Tracy R. (15) und Philipp B. (19) noch: „Was macht denn der jetzt mit dem Quark?“, so der obdachlose Teenager zu seiner Freundin, die nach einem Streit von zu Hause abgehauen und als vermisst gemeldet war. Doch dann kehrte Norman E. (25) zurück: Mit einem grellweißen Gesicht – und einem Messer. „Er ging damit sofort auf Philipp los“, sagte Tracy R. am Donnerstag im Prozess am Landgericht. „Gesagt hat er dabei nichts.“

Die Anklage wirft Norman E. (25), wie berichtet, zweifachen versuchten Mord vor. Er soll am 24. September 2015 in seiner Wohnung in der Virchowstraße mit einem Messer – Klingenlänge: 18 Zentimeter – auf die beiden Teenager eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt zu haben. Wie schon bei früheren Vorfällen schlüpfte er dabei mit seiner gruseligen Maskerade in die Rolle von „Joker“, des personifizierten Bösen aus dem Batman-Film „The Dark Knight“.

Dabei kannten sich die beiden jungen Männer schon etwa ein halbes Jahr, beide verkehrten in der Szene am Hauptbahnhof. „Wir waren befreundet“, so Philipp B. „Er war ganz freundlich zu uns, hat uns an dem Tag angeboten, bei ihm zu übernachten, weil wir sonst in einem Abrisshaus hätten schlafen müssen.“ In der Wohnung aßen sie Nudeln mit Tomatensoße, tranken etwas und redeten über Lieblingsbands. Dabei habe Norman E. auch über den „Joker“ gesprochen, erinnerte sich Philipp B., „er sagte, dass er ihn toll findet und genauso krank sei wie der. Wir haben das für Spaß gehalten.“

Der Messerangriff kam so unvermittelt und ging so schnell, dass beide Opfer vor Gericht kaum etwas dazu sagen konnten. Einen vorherigen Streit, wie laut Gericht vom Angeklagten in einer früheren Vernehmung erwähnt, verneinten sie. „Ich weiß nicht, wie ich verletzt wurde“, so Tracy R. Der gehbehinderte Philipp B. fragte den Messerstecher noch: „Warum machst Du das?“ Eine Antwort bekam er nicht. Später, auf der Flucht, sei ihm Norman E. noch einmal begegnet. „Er stand vor mir, zeigte mit dem Finger auf mich und lachte mich aus“, so der Arbeitslose. „Er war in dem Moment sehr anders als sonst.“ Beiden lebensbedrohlich Verletzten gelang schließlich die Flucht, nur durch Notoperationen überlebten sie. Noch heute leiden sie unter Alpträumen. Und auch körperlich ist längst nicht alles verheilt. Tracy R. erlitt in der Nacht eine Sehnenverletzung, so dass ein kleiner Finger dauerhaft krumm bleibt. Bei Philipp B. waren durch die Stiche schwere innere Verletzungen aufgetreten, bis heute klagt er über Schmerzen.

Die 1. Strafkammer des Landgerichts hat für den Prozess gegen Norman E. noch fünf Verhandlungstage geplant. Bisher hat sich der Angeklagte nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. Bei den Opfern entschuldigte er sich gestern knapp.

Von Frank Döring

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr