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Jugendliche quälen Mitschüler: Gewaltvideos als Vorbild für Misshandlung

Jugendliche quälen Mitschüler: Gewaltvideos als Vorbild für Misshandlung

Gewaltvideos dienten ihnen als Vorlage für ihre Misshandlungen. Das räumte gestern am Amtsgericht Leipzig ein früherer Schüler des Berufsbildungwerkes Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte ein.

Das Leipziger Amtsgericht in Bernhard-Goering-Straße.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Im Internat soll er im Sommer 2010 mit zwei Mitbewohnern einen Kumpel gequält, sexuell missbraucht und die Szenen auch noch gefilmt haben. "Wie sind Sie nur auf solche Ideen gekommen?", wollte Jugendrichterin Claudia Eppelt-Knochenstiern gestern von dem angeklagten Trio, drei jungen Männern im Alter von 23 und 25 Jahren, wissen, die ihre Ausbildung inzwischen längst beendet haben. Lucien F., nun Gartenbauer in Niedersachsen, berichtete daraufhin von den US-amerikanischen Jackass-Filmen, die sich Täter und Opfer öfter gemeinsam im Internat der Schule in der Knautnaundorfer Straße angeschaut hätten. "Wir waren so eine Art Fan davon", so der 25-Jährige.

In Jackass (zu deutsch: Esel, sinngemäß: Vollidiot) werden Stunts und Streiche von verschiedenen Darstellern gezeigt. Beispielsweise müssen sie Mutproben bestehen, sich in lebensgefährliche Situationen begeben, Elektroschocker und Pfefferspray an sich selbst oder bei anderen ausprobieren. Zunächst gab es eine Fernsehsendung, später auch Filme. Die Angeklagten verfügten über mehrere DVD. "Hatte jemand von uns eine gute Idee, welche Dummheiten wir machen könnten, dann haben wir sie auch aufgenommen. Also zum Beispiel das Springen von der Brücke in den Fluss. Oder wenn jemand mit dem Einkaufswagen in den Teich gefahren wurde, so dass er einen guten Absprung machen musste", zählte der Angeklagte weiter auf.

Die Szenerie in der Tatnacht vor drei Jahren sei aber nicht geplant gewesen. "Wir hatten getrunken, waren richtig blau, dann ist es passiert." Laut Staatsanwalt Eike Gildemeister soll das Trio nach dem Trinkgelage in der Nacht zum 16. August 2010 mehrere Handlungen an dem Opfer vorgenommen und alles gefilmt haben, "um es zu quälen und zu erniedrigen". Der mittlerweile 23-jährige Tobias K., wie seine Peiniger auch gehörlos, sei zeitweise nicht bei Bewusstsein gewesen. Die Beschuldigten hätten ihn im Internat unter anderem mit einer Flüssigkeit übergossen, auf ihn uriniert und dann mit einem Gegenstand sexuell missbraucht. Der junge Mann habe starke Schmerzen erlitten. Einer der Angeklagten soll ihm im Anschluss einen abgebrochenen Besenstiel an den Hals gehalten und gedroht haben, ihn umzubringen, sollte er etwas erzählen. Nach der Tortur hatte das Trio den Verletzten in sein Einzelzimmer gebracht. "Als wir später dort das viele Blut sahen, waren wir betroffen", so F. weiter, der das Opfer als Freund bezeichnete. Aufgrund starker Blutungen war der Geschädigte damals ins Diakonissenkrankenhaus eingeliefert worden. Das Urteil gegen F., Simon K. (25) und Dirk W. (23) wird voraussichtlich heute gesprochen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.10.2013

Sabine Kreuz

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