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Kein Tanz – dafür Polizeieinsatz und Straßenblockade in Leipzigs Anger-Crottendorf

Am vergangenen Wochenende Kein Tanz – dafür Polizeieinsatz und Straßenblockade in Leipzigs Anger-Crottendorf

Nach einer abgesagten Party am Samstagabend im Stadtteil Anger-Crottendorf schaukelte sich die Situation bis zur Straßenblockade hoch. Der Versuch einer Rekonstruktion.

 

Leipziger Polizei im Einsatz.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Eine abgesagte Tanzveranstaltung hatte am Wochenende im Stadtteil Anger-Crottendorf erst Polizeikontrollen, dann Anwohnerproteste und schließlich sogar eine Kreuzungsblockade samt erheblicher Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr zur Folge. Dass sich die Lage sukzessiv aufschaukelte, hatte offenbar viele Einflussfaktoren. Der Versuch einer Rekonstruktion:

Die Party in einem Mehrfamilienhaus in der Wurzener Straße 2a war angeblich als privater Wochenendtanz geplant. Wie Ordnungsamtsleiter Helmut Loris gegenüben LVZ.de sagte, habe die offene Plakatierung und Bewerbung im Netz allerdings auf eine öffentliche Veranstaltung schließen lassen. Weil Wohnhäuser ohne Nutzungsänderung nicht einfach für Veranstaltungen genutzt werden können, wurde das Bauordnungsamt eingeschaltet. Die Kollegen hätten daraufhin versucht, den Gebäudeeigentümer zu kontaktieren und diesen zur Absage zu bewegen – jedoch ohne Erfolg.

Dafür nahm die Polizei am Samstagabend direkten Kontakt mit den Veranstaltern auf, erklärte Behördensprecher Uwe Voigt gegenüber LVZ.de. Die Organisatoren zeigten sich kooperativ und sagten die Party tatsächlich gegen 22 Uhr ab. „Personalien wurden abgegeben und den Beamten zugesichert, dass die Party nicht stattfinden werde“, sagte Katja S. gegenüber LVZ.de. Die 31-Jährige wohnt im Nachbarhaus und hat die Ereignisse am Samstagabend hautnah mitverfolgt. Trotz der Zusicherung der Veranstalter sei die Polizei aber weiter vor Ort geblieben und habe nicht nur die Zugänge zu diesem Haus, sondern auch zum Nachbargebäude verstellt. „Jede Person, die diese Wohnhäuser betreten wollte, sollte einen Nachweis der Meldeadresse erbringen“, so Katja S. weiter. Dadurch seien nicht nur Hausbewohner und deren Freunde sondern auch Nachbarn betroffenen gewesen, die eigentlich nichts mit der Party zu tun hatten.

Bewohner berichten im Netz – Polizei verstärkt Präsenz

Ein Facebook-Posting, in dem offen von den Personenkontrollen berichtet wurde, habe die Polizisten vor Ort Verstärkung anfordern lassen, sagt Voigt. „Ab 22.30 Uhr war ein Zulauf am Gebäude zu verzeichnen“, so der Behördensprecher weiter. Bis kurz nach Mitternacht sei die Gruppe auf etwa 150 Menschen angewachsen. Wie Katja S. erzählt, handelte es sich bei den Hinzukommenden vor allem um Leute aus der Nachbarschaft, die gegen Verbot und Kontrollen demonstrieren wollten oder die den Wartenden einfach nur Tee brachten. Aus dem gemeinsamen Verharren wurde nach Mitternacht dann eine Blockade. Die Gruppe habe sich laut Polizei gemeinsam auf die Kreuzung Wurzener Straße/Breite Straße begeben und sich dort niedergesetzt. Zudem sei ein Transparent ausgerollt worden. „Es war aber kein aggressives Verhalten erkennbar, es ging um passiven Widerstand“, so der Polizeisprecher weiter.

Straßenbahnen mussten trotzdem anhalten, auch Busse konnten die Kreuzung nicht mehr passieren. Die Beamten sprachen ein Versammlungsverbot aus, einer der Protestierenden sei wegen einer Ordnungswidrigkeit zur Identitätsfeststellung abgeführt worden, sagt Uwe Voigt. Nachbarin Katja S. kritisiert das Vorgehen scharf, der Protest sei eine Demonstration gewesen, hätte laut Versammlungsfreiheit auch als solche respektiert werden müssen. Wie Voigt sagt, habe sich dafür allerdings kein Versammlungsleiter zu erkennen gegeben.

Ein Diskurs zur unterschiedlichen Auslegung der Situation fand am Sonntagmorgen nicht mehr statt. Vielmehr seien die Anwohner nun gewaltsam von der Polizei zurückgedrängt worden, erklärt Katja S. Dabei seien auch Pfefferspray und sogenannter Schmerzgriffe zum Einsatz gekommen. Polizeisprecher Uwe Voigt weist dies am Montag vehement zurück: „Es kam definitiv kein Reizgas zum Einsatz. Weil es erkennbar passiver Widerstand war, hat der Polizeiführer angeordnet, darauf zu verzichten.“ Einige der Anwohner hätten letztlich auch nach 1 Uhr noch immer auf der Straße gesessen, danach löste sich die Gruppe auf. „Um 2 Uhr ist die Polizei dann abgerückt“, sagt Voigt.

SPD-Stadträtin vermutet „staatsverachtendes Gedankengut“

Weitere Vorkommnisse gab es nicht, die Geschichte war eigentlich abgeschlossen. Angesichts mehrerer Berichte über die Situation am Samstagabend meldete sich am Montag jedoch auch noch SPD-Stadträtin Nicole Wohlfarth zu Wort. Ihrer Ansicht nach waren die Ereignisse vom Samstagabend eine gezielte Provokation von Chaoten: „Die Entwicklungen an der Dresdner Straße Ecke Wurzner Straße sind schon seit Langem sichtbar. Dass sich das staatsverachtende Gedankengut der linksextremen Szene nun dort auch in gezielten Aktionen zeigt, war nur eine Frage der Zeit“, teilte die Sozialdemokratin am Montag mit. Wer Regelungen zur öffentlichen Ordnung als Repression begreife, lege die Axt an die Wurzel der Demokratie.

Wohlfarth kritisierte Gewalt gegen Polizisten als erstes Symptom eines Angriffs auf den Rechtsstaat und fügte hinzu: „Wer davon träumt unbeschränkt und anarchisch leben zu können, darf gern die Vorzüge des deutschen Passes nutzen und sich ein entsprechendes Reiseziel suchen um das zu verwirklichen.“ Die SPD-Politikerin befürchtet zudem, dass sich „durch den Wandel im inneren Leipziger Osten weitere Anti-Demokraten ansiedeln und die Konflikte zunehmen werden.“ Angesichts von besetzten Häusern im Quartier forderte die Sozialdemokratin nicht zuletzt: „Im Inneren Leipziger Osten dürfen keine Zustände wie in Connewitz entstehen.“

Von Matthias Puppe

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