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Kein versuchter Mord: milde siebeneinhalb Jahre Haft für Iraker

Kein versuchter Mord: milde siebeneinhalb Jahre Haft für Iraker

Er stach jeweils 17 Mal auf seine Ehefrau und seine eigene Tochter ein - und muss doch nur für siebeneinhalb Jahre hinter Gitter: Der wegen zweifachen Mordversuchs angeklagte Djamal A.

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Das Urteil fiel mild aus.

Quelle: Peter Steffen (Symbolfoto)

(42) ist gestern früh am Landgericht lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen verurteilt worden. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die lebenslange Haft für den Familienvater gefordert hatte (die LVZ berichtete), blieben für die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Hans Jagenlauf bis zum Schluss entscheidende Fragen zu dem Familiendrama am 31. August 2014 in der Wohnung der Iraker in der Lützner Straße offen.

Grund dafür sei, dass bei den Vernehmungen der Opfer im Zuge des Ermittlungsverfahrens zahlreiche Punkte nicht aufgeklärt wurden, sagte Jagenlauf. In der Hauptverhandlung vor Gericht wollten weder Ehefrau Anisa (40) noch die zur Tatzeit 15-jährige Tochter Lya (Namen der Opfer geändert) gegen den Familienvater aussagen und nahmen als Angehörige ihr Recht auf Aussageverweigerung in Anspruch. Die Kammer hätte jedoch "einen ganz erheblichen Aufklärungsbedarf gesehen", so Jagenlauf.

Somit könne das Gericht auch die Aussagen des Angeklagten, der Erinnerungslücken geltend gemacht hatte, nicht widerlegen. Die "bemerkenswerte Vielzahl an Messerstichen" und die Tatwaffe - ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge - lassen dem Richter zufolge zwar keine Zweifel an der Tötungsabsicht von Djamal A. aufkommen. Auch Mordmerkmale wie Heimtücke und niedrige Beweggründe seien durchaus gegeben.

Aber: Die Kammer könne nicht ausschließen, dass der Iraker im Affekt zustach, was eine verminderte Schuldfähigkeit bedeutet. Außerdem sei es aufgrund der bestehenden Unklarheiten nicht zu widerlegen, dass der Angeklagte aufhörte, seine Tat zu vollenden und von seinem Tötungsvorsatz zurücktrat. Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklage davon ausgegangen, dass der Familienvater nur deshalb von seinen Opfern abließ, weil er dachte, sie seien schon tot.

"Wir haben es mit einer Tat zu tun gehabt, welche auch uns mit Tötungsdelikten erfahrene Richter erschreckt hat", sagte Jagenlauf und wandte sich schließlich an den Angeklagten: "Sie haben zum Glück Ihre Tat nicht vollendet, aber Sie haben Ihre Familie zerstört."

Die Staatsanwaltschaft kündigte am Nachmittag bereits an, gegen das Urteil Revision einzulegen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.03.2015

Frank Döring

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