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Polizeiticker Leipzig Keine Haft für Partnerin des Pferdehofkillers
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Keine Haft für Partnerin des Pferdehofkillers
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18:19 07.06.2018
Angeklagte Silva M. mit ihrem Verteidiger Stephan Bonell. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Dieser Ausgang des Berufungsprozesses ist fast schon sensationell: Nach dem Mord auf dem Pferdehof in Leipzig-Knauthain muss die Lebenspartnerin des Killers doch nicht hinter Gitter. Am Donnerstag ist das Verfahren gegen Silva M. (38) vom Landgericht gegen Zahlung einer geringen Geldauflage eingestellt worden – ein Freispruch zweiter Klasse.

Zwei Jahre und drei Monate in erster Instanz

Die Angeklagte war in erster Instanz vom Amtsgericht wegen Betrugs zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Sie habe durch die Vortäuschung eines Erbes ihren Freund, den Österreicher Hermann H. (50), in die Verschuldung getrieben, hieß es. Angeblich habe sie einen Pferdehof mit 5000 Hektar Land in Aussicht. Der Österreicher hoffte offenbar, das geborgte Geld – er hatte sich bei vier Freunden 377 000 Euro geliehen, um den Lebensunterhalt des Paares zu bestreiten – vom Erbe seiner Freundin zurückzahlen zu können. Doch seine Partnerin gab ihm zu verstehen, dass Pferdehof-Besitzer Rocco J. (52) als angeblicher Grundstücksverwalter im Weg stehe. Ende 2015 fuhr Hermann H. nach Leipzig, erschoss Rocco J. und tötete sich danach selbst.

Geldgeber aus Österreich als Zeugen

Drei der vier Österreicher, die den weitaus größten Teil der Summe bestritten, erklärten am Donnerstag vor Gericht, sie hätten Hermann H. das Geld auch ohne die Aussicht auf eine Erbschaft gegeben, weil er ein guter Freund gewesen sei. Aus diesem Grund war der Angeklagten nicht nachzuweisen, dass sie ihre Lügengeschichten erfand, um an das Geld zu kommen oder Hermann H. damit veranlasste, sich mit der Aussicht auf eine Erbschaft Geld von seinen Freunden zu leihen. Über ihren Anwalt Stephan Bonell erklärte sie, Hermann H. habe nie erwähnt, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. So hatte er einen Landwirtschaftshandel für einige Millionen verkauft.

Staatsanwaltschaft wollte mehr Haft

Nach dem Amtsgerichtsurteil waren sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen. Die Anklagebehörde wollte sogar auf eine noch höhere Freiheitsstrafe hinaus. Verteidiger Bonell bezeichnete die erstinstanzliche Entscheidung als „schlichtweg falsch“ und kämpfte vor dem Landgericht für einen Freispruch.

Von Frank Döring

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