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Kinder- und Jugendkriminalität explodiert – Leipzigs Polizeichef schlägt Alarm

Neue Statistik Kinder- und Jugendkriminalität explodiert – Leipzigs Polizeichef schlägt Alarm

Die Kinder- und Jugendkriminalität in der Stadt Leipzig ist innerhalb eines Jahres förmlich explodiert. In allen Altersgruppen nahmen die Zahlen der Tatverdächtigen rapide zu. Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz schlägt deshalb Alarm

Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz macht die Entwicklung Sorge.

Quelle: Kempner

Leipzig. Die Kinder- und Jugendkriminalität in der Stadt Leipzig ist innerhalb eines Jahres förmlich explodiert. In allen Altersgruppen nahmen die Zahlen der Tatverdächtigen rapide zu. Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz schlägt deshalb Alarm: „Diese Entwicklung erfüllt mich mit großer Sorge“, erklärte er gegenüber der LVZ.

Unter den 25 750 in Leipzig im Jahr 2016 ermittelten Tatverdächtigen waren immerhin 1680 Minderjährige, die unter 14 Jahre und damit noch nicht strafmündig sind. Das ist ein Anteil von 6,5 Prozent, so viel wie in keiner anderen Stadt in Deutschland mit mehr als 200 000 Einwohnern. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es in dieser Altersgruppe noch 617 Tatverdächtige, mithin ist ein Zuwachs um 1063, immerhin mehr als 172 Prozent, zu verzeichnen. Bei den 14- bis 18-Jährigen waren es 1784 Tatverdächtige (2015: 1238), das sind 6,9 Prozent aller Straftäter, bei den 18- bis 21-Jährigen 2040 (2015: 1486), ein Anteil von 7,9 Prozent.

„Wenn Kinder in jungen Jahren bereits mit Straftaten in Erscheinung treten und zwar häufig und nicht allein mit dem Diebstahl eines Päckchens Kaugummi, dann liegt in unserer Gesellschaft, in unseren Familien, Schulen und Vereinen etwas gehörig quer“, stellte Merbitz fest. „Zumal diese Altersgruppen im Ballungsraum Leipzig enorme Zuwächse erfahren und rein statistisch männliche Jugendliche und Jungerwachsene im Alter von 14 bis etwa 25 Jahren die Hauptgruppe für delinquentes beziehungsweise kriminelles Verhalten sind.“

Gerade die hohe Anzahl an Straftätern im Kindesalter gilt als eine Art Zeitbombe. Die unter 14-Jährigen können zwar noch nicht rechtlich belangt werden, stehen aber meist erst am Beginn einer kriminellen Karriere. So brachten vor Jahren die Anführer einer Leipziger Kinderbande den Rechtsstaat an seine Grenzen. Das minderjährige Brüderpaar war mit mehr als 220 Delikten in einem Jahr aktenkundig, als 15-Jährige kamen beide hinter Gitter (die LVZ berichtete).

„Die Anzahl der Tatverdächtigen unter 14 Jahren ist ein deutliches Alarmzeichen für die kommenden Jahre und zugleich der Grund, das Haus des Jugendrechts dauerhaft etablieren zu wollen“, so Merbitz. Die gemeinsame Institution von Staatsanwaltschaft Leipzig, städtischer Jugendgerichtshilfe und Polizeidirektion Leipzig war 2015 ins Leben gerufen worden, um effektiver mit jungen Intensivtätern umgehen zu können, etwa durch verbesserte und beschleunigte Jugendstrafverfahren. Zunächst war es ein Projekt, mehr nicht. Nach ersten positiven Erfahrungen und vor dem Hintergrund der enorm gestiegenen Jugendkriminalität will Merbitz den Projektstatus aufheben und das Haus des Jugendrechts als feste Größe etablieren. „Der 2015 getätigte Schritt zu dessen Einrichtung hat sich bewährt und es wäre höchst töricht, ihm angesichts des ebenfalls stark wachsenden Bevölkerungsanteils von Kindern und Jugendlichen sowie der damit auch zu erwartenden Zunahme von Jugenddelinquenz keinen zweiten Schritt folgen zu lassen“, so Leipzigs oberster Polizist.

Und nicht nur das. Merbitz sieht seitens der Polizei auch „eine riesige Verantwortung im Bereich der Prävention“. Dies sei jedoch mit personellen Problemen und strukturellen Zuständigkeiten verbunden. „Gegenwärtig sind die Kollegen zu großen Teilen mit der festgeschriebenen Verpflichtung zur Verkehrs- und Fahrradausbildung ausgelastet und viele ehemalige Präventionsaufgaben obliegen den Kindergärten und Schulen selbst“, berichtete der Polizeichef. „Ich höre hier immer wieder, dass ein Polizeibeamter in Uniform noch einmal eine ganz andere Wirkung hätte, als es ein Erzieher oder eine Lehrerin haben kann.“

Von Frank Döring

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