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Klebeband überführt Räuber – viereinhalb Jahre Haft

Überfall auf Leipziger Autohändler Klebeband überführt Räuber – viereinhalb Jahre Haft

Ausgerechnet Klebeband hat ihn überführt: Ein 22-jähriger Räuber, der Ende 2014 einen Leipziger Autohändler überfallen hat, hinterließ am Tatort auf der Rolle seine Spuren. Das Klebeband hatte er benutzt, um das Opfer zu fesseln. Am Donnerstag verurteilte das Landgericht den Kickboxer wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu viereinhalb Jahren Haft.

Justizbeamte bringen den Angeklagten (Mitte) in den Gerichtssaal.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ausgerechnet Klebeband hat ihn überführt: Ein 22-jähriger Räuber, der Ende 2014 einen Leipziger Autohändler überfallen hat, hinterließ am Tatort auf der Rolle seine Spuren. Das Klebeband hatte er benutzt, um das Opfer zu fesseln. Am Donnerstag verurteilte das Landgericht den Kickboxer wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu viereinhalb Jahren Gefängnis und ordnete zudem seine Einweisung in eine Drogenentziehungsanstalt an.

Für Opfer Anas T. war der Überfall zwei Tage vor Heiligabend 2014 ein traumatisches Erlebnis: „Man verliert das Vertrauen zu anderen Menschen“, sagte der 37-jährige Gebrauchtwagenhändler als Zeuge am Landgericht. „So etwas vergisst man nie“, so der Geschäftsmann aus Böhlitz-Ehrenberg weiter. An dem Tattag hatte der Räuber zunächst die Lage vor Ort ausgekundschaftet. „Der Unbekannte fragte mich, ob ich der Chef bin. Mir war gleich klar, dass er kein Händler ist.“ Danach sei der Mann wieder verschwunden, habe telefoniert. Blitzartig seien dann zwei Personen aufgetaucht, die ihn sofort massiv geschlagen hätten. „Sie schoben mir ein T-Shirt in den Mund, umwickelten meinen Kopf mit Klebeband. Ich konnte kaum noch atmen“, schilderte der 37-Jährige das Martyrium. Auch seine Gliedmaßen seien gefesselt worden. „Ich konnte mich erst gar nicht bewegen, war k. o., am Ende.“ Das Duo entkam mit 2400 Euro und dem Handy des Händlers von der Ludwig-Hupfeld-Straße. Nachdem sich das Opfer befreit hatte, rief es per Festnetz die Polizei.

Die schließlich auf der Klebebandrolle gesicherten Fingerspuren brachten die Ermittler entscheidend weiter: Im polizeilichen Datensystem landeten sie einen Treffer. Dort tauchte der bereits vorbestrafte Vladimir P. aus Georgien als der Gesuchte auf. Und auch seinen genetischen Fingerabdruck hatte der Kickboxer, der vor zwei Jahren nach Deutschland kam, hinterlassen. Denn auf einem Schlüssel, mit dem sich das Opfer gegen den Angreifer gewehrt hatte, gab es DNA-Spuren des Täters, zudem Mischspuren an der Klebebandrolle. Vor Gericht erklärte Verteidiger Achim ­Groepper für seinen Mandanten: „Er ist vollinhaltlich geständig.“ Hintergrund sei die Sucht des Angeklagten, der eigenen Angaben zufolge Heroin und Kokain konsumiert hat. Von dem erbeuteten Geld sollten Drogen beschafft werden. Der Komplize wurde nicht ermittelt.

Als die objektiven Spuren zu Vladimir P. führten, saß er gerade wegen anderer Sachen in Bayern hinter Gittern. In der Justizvollzugsanstalt in Aschaffenburg hatte er versucht, mit einer Feile Gitterstäbe zu durchtrennen – und wurde dabei erwischt. Das brachte ihm eine Geldstrafe wegen versuchter Gefangenenmeuterei ein. Wegen Diebstahls hatte er auch schon eine Jugendstrafe von 15 Monaten erhalten, saß zuvor im Jugendarrest.

Staatsanwalt Eike Gildemeister plädierte für fünfeinhalb Jahre Haft; der Verteidiger sprach sich für ein „moderates Urteil“ aus. Die 6. Strafkammer des Gerichts hielt neben der Sanktion eine Maßregel für erforderlich. „Wird der Angeklagte nicht therapiert, besteht die Gefahr erneuter Straftaten“, so der Vorsitzende Richter Jens Kaden.

Von Sabine Kreuz

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