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Könneritzstraße: Unfalltod einer Radfahrerin - Massive Vorwürfe gegen Stadt

Könneritzstraße: Unfalltod einer Radfahrerin - Massive Vorwürfe gegen Stadt

Trägt die Stadt eine Mitschuld an vielen schweren Verkehrsunfällen der vergangenen Wochen? Nach dem Tod einer 61-jährigen Radfahrerin am Montag voriger Woche in Schleußig erheben Freunde des Opfers massive Vorwürfe.

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Die Unfallstelle in der Könneritzstraße

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Sie könnte noch leben, wenn die Stadt mit ihrer Verkehrsplanung Gefahrenstellen entschärft und Verstöße gegen Vorschriften konsequenter geahndet hätte", so Bauingenieur Rolf Geyer (63).

Den Moment, als er vom Tod seiner langjährigen Freundin erfuhr, wird Geyer wohl nie vergessen. Wie jeden Montag traf sich die Tanzgruppe des Vereins Griechenhaus Leipzig zum Training, nur Leiterin Elke Kotthoff fehlte noch. Plötzlich sei jemand reingekommen und habe gesagt: "Die Elke wird nie mehr kommen, sie ist heute totgefahren worden."

Der Schock sitzt tief bei der Deutsch-Griechischen Gesellschaft, deren Gründungsmitglied Elke Kotthoff war, und auch bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, wo die Mutter von zwei Kindern arbeitete. Und es mehren sich die Stimmen, die den tödlichen Unfall am 16. September in der Könneritzstraße als weitere tragische Folge einer verfehlten und inkonsequenten Verkehrsplanung ansehen.

"Es wird seitens der Stadtverwaltung verantwortungslos gehandelt", gibt der frühere Bauleiter Geyer die Meinung vieler Vereinsmitglieder wieder und zählt potenzielle Gefahrenherde auf: "Fahrradstreifen, die vor jeder Kreuzung im Nichts enden; zu wenige Ampelanlagen mit sicherer Schaltung für Fahrradfahrer und Fußgänger; gedankenlose Sperrung von Fahrradwegen, wie 14 Tage lang vor dem Technischen Rathaus in der Prager Straße; vergessene oder völlig falsche Führung von Fahrradwegen in Kreuzungsbereichen." Erfahrungen aus anderen Städten zeigen seiner Ansicht nach: "Kreisverkehr und ein Einbahnstraßensystem schaffen auf jeden Fall Entlastung, aber in Leipzig bewegt sich nichts."

Zu planerischen Defiziten komme eine zu lasche Ahndung von Rechtsverstößen, moniert Geyer, der auch über Radfahrer ohne Licht und Helm schimpft. "Gekennzeichnete Fahrradwege werden zugeparkt - und das Ordnungsamt kommt seiner Verpflichtung nicht nach, Vorschriften durchzusetzen", beklagt er. "An Baustellen wie etwa in der Oststraße wird die Absperrung weiter rausgeschoben und eine halbe Spur zusätzlich dichtgemacht. Bei baubedingten Straßen-Einengungen werden Parkverbotsschilder verrückt, nur damit noch ein Auto mehr hinpasst. Auch das kontrolliert niemand." Mehrfach habe er die Behörden auf Missstände hingewiesen. "Doch bei meinem Schriftverkehr mit den Ämtern habe ich immer nur erfahren, was alles nicht geht", kritisiert Geyer. "Viele von uns meinen, dass unsere Freundin noch am Leben wäre, wenn Ordnungs- und Tiefbauamt ihren Verpflichtungen nachkommen wären. Und nicht immer nur versuchen würden, sich mit der Ausrede, dass kein Geld und kein Personal vorhanden sei, aus der Verantwortung zu stehlen." Eine "unheimliche Aggressivität" auf den Straßen tue ein Übriges. "Wenn ich mit dem Auto fahre, werde ich von hinten angehupt, weil ich an einer engen Stelle hinter einem Radfahrer bleibe, den ich nicht überholen kann", schildert Geyer. "Viele nehmen es billigend in Kauf, dass etwas passiert." Fast jeder im Verein habe als Radfahrer schon kritische Situationen erlebt. Auch Elke Kotthoff sei früher bereits in Unfälle verwickelt, von Autos abgedrängt und zu Fall gebracht worden. "Aber man hakt das wieder ab und verdrängt es, wenn es gutgegangen ist", sagt er. "Jetzt müssen wir erkennen, wie schnell es vorbei sein kann."

Der Verein habe den Hinterbliebenen Unterstützung angeboten, ein Mitglied werde die Trauerfeier abhalten. Und: Die Freunde aus der Tanzgruppe wollen für Elke Kotthoff im Friedenspark einen Baum pflanzen. Dort, wo sie immer trainiert haben, wenn das Wetter besonders schön war.

Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) hat sich gestern zu den Vorwürfen gegen die Stadt geäußert. Sie werde sich die Verkehrssituation in der Könneritzstraße selbst ansehen. Aus ihrer Sicht sei aber der Lkw-Fahrer verantwortlich für den schlimmen Unfall - nicht die Verwaltung.

Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich derweil auf einen 52-Jährigen aus Leipzig. Er hat inzwischen eingeräumt, am Tag des Unfalls in der Stadt unterwegs gewesen zu sein. Zu dem Fall selbst äußert er sich bislang nicht. Deshalb wird nun das Fahrtenbuch ausgewertet.

Am 16. September gegen 8.15 Uhr war Elke Kotthoff in der Könneritzstraße in einer Rechtskurve von einem Sattelzug überholt, aufgrund des zu geringen seitlichen Abstandes erfasst und überrollt worden. Sie starb noch an der Unfallstelle, während der Lkw-Fahrer einfach weiterfuhr. Die Polizei schrieb Containerfirmen und Speditionen an, bekam vorigen Freitag Antwort aus Dresden, wonach sich die Zugmaschine in Triptis, der Sattelauflieger in Wolfen befinde. Experten sicherten an dem Auflieger Spuren, die darauf hindeuten, dass es sich um das Unfallfahrzeug handelt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.09.2013

Frank Döring

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