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Kofferklau an Leipziger Fernbus-Haltestelle

Diebstähle nehmen zu Kofferklau an Leipziger Fernbus-Haltestelle

Die Polizei registriert in Leipzig eine Zunahme von Gepäckdiebstählen an der Haltestelle der Fernbusse in der Goethestraße. Bisherige Erkenntnisse der Ermittler legen den Schluss nahe, dass viele der Täter aus der Drogen- und Antänzerszene kommen.

Tatort Goethestraße: Während Fahrgäste ihr Gepäck verstauen, nutzen auch Diebe die Fernbushaltestelle, um Koffer mitgehen zu lassen. (Symbolbild)
 

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Als Andreas N. (48) Anfang März mit dem Fernbus aus Prag in Halle ankam, war sein Gepäck längst verschwunden. Der blaue Rollkoffer mit Computerzubehör und Bekleidung im Wert von mehr als 1400 Euro wurde beim Zwischenstopp in Leipzig gestohlen. Kein Einzelfall: Nach LVZ-Informationen registriert die Polizei eine Zunahme derartiger Diebstähle an der Haltestelle der Busse in der Goethestraße. Bisherige Erkenntnisse der Ermittler legen den Schluss nahe, dass viele der Täter aus der Drogen- und Antänzerszene kommen.

Im Jahr 2015 schlugen Kofferdiebe 27 mal in der Goethestraße zu, 2016 wurden bereits 35 Fälle festgestellt, teilt Polizeisprecherin Maria Braunsdorf auf Anfrage mit. In diesem Jahr kam es bisher (Stand 24. März) zu neun Diebstählen, wobei eine Tat im Versuch steckenblieb. „Der Täter war ein 19-Jähriger, der gleich mehrere Reisetaschen entwenden wollte“, so Braunsdorf.

Doch häufig agieren die Diebe so abgezockt, dass das Verschwinden von Gepäck zunächst unbemerkt bleibt. Sie greifen nicht nur bei Koffern von Reisegästen zu, die schon im Bus sitzen. Einige Täter lösen sogar eine Fahrkarte, um kurz vor der Abfahrt „spontan“ wieder auszusteigen. Draußen schnappen sie sich einfach einen fremden Koffer oder lassen sich manchmal auch vom Fahrer einen herausgeben. „Weiterhin beobachteten wir das Phänomen, dass Reisegepäck auch aus Fernreisezügen auf dem Hauptbahnhof gestohlen wird“, berichtet die Polizeisprecherin. „So nutzten Diebe Gelegenheiten, in denen der Fahrgast vor Zugabfahrt das Gepäck schon im Zug verstaut und anschließend noch einmal das Abteil verlässt.“

Inzwischen ist die Fernbushaltestelle auf dem Radar der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Bahnhof-Zentrum (GEG). Ursprünglich sollte die aus Angehörigen von Bundespolizei und Polizeidirektion bestehende Einheit die Rauschgiftszene am Hauptbahnhof sowie am Schwanenteich und Bürgermeister-Müller-Park bekämpfen. Allein damit haben die Beamten gut zu tun. „Derzeit weisen die Arbeitsergebnisse der GEG darauf hin, dass der Park am Schwanenteich nach wie vor durch Personen nordafrikanischer Nationalität regelmäßig zum Dealen und Deponieren von Betäubungsmitteln genutzt wird“, so Braunsdorf. „Seit Jahresbeginn konnten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr Depots aufgedeckt und höhere Mengen an Betäubungsmitteln sichergestellt werden.“

Bei den Ermittlungen stieß die Polizei auch auf gewisse Parallelen. Maria Braunsdorf: „Die Personen, die in wechselnden Konstellationen im Park Betäubungsmittel deponieren und veräußern, kommen auch für zahlreiche der Gepäckdiebstähle an der Bushaltestelle Goethestraße in Frage. Weiterhin liegen Erkenntnisse vor, dass Personen aus den lose strukturierten Tätergruppierungen auch für Diebstahlsdelikte, die unter dem Phänomen ,Antänzer’ Bedeutung gewonnen haben, verantwortlich sind.“ Dass die Fernbus-Diebe keine eher harmlosen Gelegenheitstäter sind, zeigen auch Ergebnisse von Festnahmen. Wie aus Behördenkreisen zu erfahren war, ging den Ermittlern neulich ein Mann (36) ins Netz, der einen Rucksack gestohlen hatte. Wie sich herausstellte, hatte der Mann in Leipzig schon eine Haftstrafe verbüßt und ist für die Polizei alles andere als ein unbeschriebenes Blatt.

Der Koffer des Fernbus-Kunden Andreas N. tauchte übrigens einen Tag nach dem Diebstahl wieder auf: Ein Zeuge fand ihn in der Nähe der Moritzbastei. Der Koffer war von den Tätern nahezu komplett ausgeräumt worden. „Lediglich persönliche Papiere und Unterlagen sowie die im Kofferboden in einem separaten Fach etwas versteckt deponierten Sandalen waren noch vorhanden“, erzählt Andreas N., „mein Koffer wurde also beim Zwischenhalt am 6. März gegen 20 Uhr in der Leipziger Goethestraße beim unkontrollierten Be- und Entladen des Frachtraumes von dort entnommen und in der Nähe der Haltestelle geplündert.“ Er hofft nun, das Zeugen etwas Verdächtiges beobachtet haben oder einige der gestohlenen Gegenstände vielleicht doch wieder gefunden werden.

Von Frank Döring

Leipzig Goethestraße 51.341331 12.380626
Leipzig Goethestraße
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