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Kriminalist: Doppelmörder hatte womöglich drittes Opfer im Visier

Landgericht Leipzig Kriminalist: Doppelmörder hatte womöglich drittes Opfer im Visier

Nach dem Doppelmord an zwei Frauen in Leipzig hatte Dovchin D. möglicherweise ein drittes Opfer im Visier. Davon ist zumindest Kriminalhauptkommissar Tino F. überzeugt. Die erste Strafkammer des Landgerichts vernahm den Hauptermittlungsführer am Freitag im Prozess gegen den angeklagten Mongolen (38).

Angeklagter Dovchin D. muss sich wegen Doppelmordes vor dem Landgericht Leipzig verantworten.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nach dem Doppelmord an zwei Frauen in Leipzig hatte Dovchin D. möglicherweise ein drittes Opfer im Visier. Davon ist Kriminalhauptkommissar Tino F. überzeugt. Die erste Strafkammer des Landgerichts vernahm den Hauptermittlungsführer am Freitag im Prozess gegen den angeklagten Mongolen (38).

„Er hat diese Frau in einer Bar bedrängt. Sie sollte mit in seine Wohnung kommen“, berichtete der Kriminalist. Doch die Leipzigerin sei nicht mitgegangen. Ihre Kumpel hätten den Mongolen aufgrund seines aufdringlichen Verhaltens vielmehr aus der Bar in Leipzig-Lindenau hinausgeworfen. „Es hätte zu einer weiteren Tat kommen können“, sagte der Ermittler. Bei ihm liefen nach den Morden an der Portugiesin Maria D. (43) im April 2016 und an der Grünauerin Anja B. (40) im November 2016 alle Fäden zusammen.

„Auf der Suche nach sexuellen Kontakten“

Der Beamte berichtete zudem von Zeugenaussagen, wonach Dovchin D. nach der Trennung von seiner Ehefrau 2014 stets „auf der Suche nach sexuellen Kontakten“ gewesen sei. „Das empfanden Betroffene als belästigend.“ Zum Beispiel habe der Angeklagte eine ältere Frau aus seinem Nachbarhaus gefragt, ob sie nicht mit ihm ins Schwimmbad gehen wolle. Lose sexuelle Kontakte hatte Dovchin D. laut Polizei zu mindestens drei Frauen.

Auch das spätere Opfer Maria D. ging im Frühjahr 2016 mit dem Konstruktionsmechaniker in dessen Wohnung in der Demmeringstraße. Dort soll es zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen sein. Maria D. warf dem Angeklagten seinen Angaben zufolge aber Vergewaltigung vor. Sie habe gesagt: „Entweder gibst du mir Geld oder ich gehe zur Polizei.“ In Panik habe er sie getötet, die Leiche später zerstückelt und die Teile ins Elsterbecken geworfen.

„Erfahrung beim Töten“

Kriminalhauptkommissar Tino F. ist davon überzeugt, dass der Angeklagte auch mit dem späteren zweiten Opfer Anja B. Sex wollte, sie aber ablehnte. „Damit war er nicht einverstanden“, so die Theorie des Beamten. Dovchin D. bestreitet dies. Nach seiner Version wollte die Frau sterben. Er will ihr seine Hilfe angeboten haben, „weil er bereits Erfahrung beim Töten hat“. Ermittler Tino F. hält das für unglaubwürdig. „In keiner Vernehmung sagte jemand etwas von ihrer Suizidneigung.“ Sie sei aber psychisch krank gewesen.

Auf Fragen des Vorsitzenden Richters Hans Jagenlauf ergänzte der Beamte, dass Experten zudem erklärt hätten: „Sterbehilfe passt nicht zum buddhistischen Weltbild.“ Und Dovchin D. ist nach Ansicht der Kripo Buddhist, darauf wiesen Gegenstände in seiner Wohnung hin.

„Ich hatte Angst und war geschockt“

Dass der 38-Jährige längst nicht immer der „nette, höfliche und hilfsbereite“ Zeitgenosse war, wie Angelfreunde, Nachbarn und einige Sex-Partnerinnen vor Gericht bereits geschildert haben, bezeugte am Freitag ein Landsmann des Angeklagten. „Er bedrohte mich mit einem Hammer. Ich hatte Angst und war geschockt“, so der 47-Jährige über einen Vorfall im Mai 2013 in Rostock. Dovchin D. hatte dort seinen Nebenbuhler angegriffen. Er warf ihm ein Verhältnis mit seiner Ehefrau vor. Als der ehemalige Balletttänzer auf dem Boden lag, schlug der Angeklagte mit dem Hammer neben dem Kopf des Mannes auf. Er habe die Macht, ihn zu töten, werde es aber nicht tun, so die Berichte über jene Tatnacht.

„Ein impulsiver Typ“

In den Polizeiakten vermerkt ist zudem ein Fall von häuslicher Gewalt, der zur Trennung des Angeklagten von seiner Ehefrau im Jahr 2014 geführt hat. „Er ist ein impulsiver Typ, der kein Nein akzeptiert und mit Wutausbrüchen reagiert“, gab sie bei der Polizei zu Protokoll.

Über den Geisteszustand des Angeklagten wird der Berliner Kriminalpsychiater Hans-Ludwig Kröber am nächsten Prozesstag, dem 26. Februar, sein Gutachten erstatten. Der vorläufigen Expertise zufolge ist Dovchin D. voll schuldfähig.

Von Sabine Kreuz

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