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Polizeiticker Leipzig Kriminalität wächst in Leipzig schneller als in jeder anderen deutschen Stadt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Kriminalität wächst in Leipzig schneller als in jeder anderen deutschen Stadt
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00:18 28.04.2017
Polizeichef Bernd Merbitz sieht die Drogenszene als Hauptproblem. (Archivbild) Quelle: Kempner
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Leipzig

In keiner anderen deutschen Großstadt ist die Kriminalität zuletzt so rasant angewachsen wie in Leipzig. 2016 gab es hier einen Zuwachs an Straftaten um 20,4 Prozent (88.615 Fälle). Zum Vergleich: In der Kriminalitätshauptstadt Berlin gingen die Fallzahlen nach der aktuellen Statistik des Bundes im gleichen Zeitraum zurück (minus 0,1 Prozent), ebenso wie in Frankfurt/Main (minus 3,3 Prozent), Hamburg (minus zwei Prozent) und München (minus 14,2 Prozent).

Somit ist Leipzig im bundesweiten Kriminalitätsranking nunmehr die zweitgefährlichste Stadt (in der Größenordnung über 200.000 Einwohner) nach Berlin. In der Statistik des Bundesinnenministeriums wird dazu die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner ermittelt, um vergleichbare Werte der unterschiedlich großen Städte zu erhalten. Ergebnis: Mit 15.811 Fällen hat Leipzig einen Spitzenwert, nur Berlin steht mit 16.161 Delikten pro 100.000 Einwohner schlechter da. In den traditionellen Kriminalitätshochburgen wie Frankfurt/Main (15.671) und Hamburg (13.341) ist die Lage hingegen entspannter als an der Pleiße, von München (7909) ganz zu schweigen.

Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz nannte gestern auf LVZ-Anfrage ein ganzes Bündel an Gründen: So nehme Leipzig mit seinem „äußerst rasanten Bevölkerungszuwachs im Städtevergleich eine absolute Ausnahmestellung“ ein. Mehr Einwohner würden mehr Taten und Tatgelegenheiten bedingen. Hinzu komme: Die Polizei konnte 2016 den Berg an offenen Vorgängen erheblich reduzieren, sodass auch überdurchschnittlich viele Altfälle aus dem Jahr 2015 in die aktuelle Statistik einflossen. Ende 2016 waren noch 23 000 Fälle unbearbeitet und daher auch nicht in der neuen Straftatenstatistik erfasst.

„Ich sehe zudem auch die kriminalgeografische Lage der Metropolregion Leipzig als ausschlaggebendes Element für den Kriminalitätszuwachs an“, so Merbitz. „Grundsätzlich sind all die Faktoren, die für die Ansiedelung von Wirtschaftsunternehmen reizvoll sind, in gleichem Umfang für kriminelles Handeln attraktiv.“ Man könne davon ausgehen, dass auch Drogenhändler die Verkehrsanbindung Leipzigs zu schätzen wissen und die Rauschgiftszene im mitteldeutschen Raum maßgeblich via Leipzig bedient werde.

Hauptgrund für die Zunahme an Straftaten sei jedoch die wachsende Beschaffungskriminalität. „Innerhalb des Leipziger Stadtgebiets gelangen Betäubungsmittelkonsumenten leichter, schneller und kostengünstiger an saubereren Stoff als andernorts“, räumte der Polizeichef ein. „Über kurz oder lang verlegen viele Schwerstabhängige ihren ständigen Aufenthalt nach Leipzig, wo sich zudem auch zahlreiche medizinisch-soziale Hilfseinrichtungen befinden.“ Viele Abhängige würden in die Kriminalität abrutschen, weil sie ihre Suchterkrankung nicht mehr aus legalen Geldquellen finanzieren könnten. „Es ist ein gesellschaftspolitischer Trugschluss, eine Krankheit nachhaltig mit dem repressiven Mittel der Strafverfolgung bekämpfen zu wollen“, stellte Merbitz klar. „Es bedarf vielmehr eines präventiven, sozialen, medizinischen und damit auch kostenintensiven Ansatzes. Wir alle müssen uns überlegen, ob und wie wir diesen Ansatz bezahlen wollen.“

Zumal gerade schwerstabhängige Drogenabhängige auch für einen Großteil der zahlreichen Wohnungseinbrüche verantwortlich sind, so Merbitz. „Sie können sicher sein, in fast jeder Wohnung Bargeld oder Wertgegenstände vorzufinden, welche zur Finanzierung ihrer Sucht dienen.“ Hinter einem großen Teil der Einbrüche stecken aber auch organisierte professionell agierende Banden, vor allem aus dem osteuropäischen Raum. „Sie bevorzugen Leipzig aufgrund der Menge an Tatgelegenheiten, seiner Verkehrsanbindung und seiner Grenznähe“, so der Polizeichef. „Ich meine, hiergegen könnten verstärkte Präsenz und Kontrolltätigkeiten des Streifendienstes sehr wirkungsvoll sein. Täter müssen einfach spüren, dass ihr Entdeckungsrisiko erhöht ist. Gegenwärtig merken sie ganz offensichtlich, dass es im Vergleich zu anderen Städten geringer ausfällt.“ Doch so einfach lasse sich dieser Missstand nicht beheben. „Damit“, so Merbitz, „sind wir einmal mehr bei der leidigen Personalfrage angekommen, die sich nicht kurzfristig beantworten lässt.“

Frank Döring

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