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Kriminelle Intensivtäter im Visier: Polizei, Justiz und Stadt eröffnen Haus des Jugendrechts

Kriminelle Intensivtäter im Visier: Polizei, Justiz und Stadt eröffnen Haus des Jugendrechts

Für Paul und Phillip S. kam die Eröffnung in der Witzgallstraße womöglich etwas zu spät. Dabei zählen die am Mittwoch zu Haftstrafen verurteilten 15-jährigen Zwillinge als Anführer der berüchtigten Kinderbande zur Hauptzielgruppe im neuen Haus des Jugendrechts: Dort wollen sich Polizei, Justiz und Stadt so effizient wie nie zuvor um sogenannte "Juni" kümmern - um "Junge Intensivtäter".

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Schlüsselübergabe (v.l.): Landgerichtspräsident Karl Schreiner, Ina Groh (Vermieter SIB), Polizeichef Bernd Merbitz, Oberstaatsanwältin Claudia Laube, Sozialbürgermeister Thomas Fabian.

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Wir gehen hier etwas ganz Neues an" sagte Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz. "Das ist einmalig in Sachsen." Im Gebäude des 2013 geschlossenen Polizeireviers Südost werden fortan die "Juni"-Ermittlungsverfahren geführt, erklärte Landespolizeipräsident Jürgen Georgie. Tür an Tür arbeiten Polizeibeamte, Vertreter der Staatsanwaltschaft und die Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe. "Diese räumliche Nähe und das abgestimmte Arbeiten bringen enorme Vorteile", so Georgie. "Das Konzept ist aus kriminologischer Sicht richtungsweisend." Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) versprach verbesserte und beschleunigte Jugendstrafverfahren. Durch eine wesentlich unbürokratischere Kommunikation in der neuen Einrichtung werde etwa die Staatsanwaltschaft schneller über polizeiliche Ermittlungen informiert und könne umgehend die Jugendgerichtshilfe einbeziehen.

Angesichts der beschriebenen Vorteile durch das Haus des Jugendrechts mag es wundern, weshalb es so lange dauerte, das Projekt umzusetzen. "Das erste Aktenzeichen dazu bei der Staatsanwaltschaft ist von 1998", erinnerte Oberstaatsanwältin Claudia Laube, die amtierende Leiterin der hiesigen Staatsanwaltschaft. Fahrt nahm das Projekt auf, als die Kinderbande intensiv in den Fokus der Öffentlichkeit geriet und die tonangebenden Zwillinge allein 2012 bei der Polizei in 224 Fällen aktenkundig waren. Aber auch massive Straftaten von diversen Jugendgangs im Umfeld des Grünauer Allee-Centers signalisierten Handlungsbedarf.

Dabei ist die Jugendkriminalität statistisch betrachtet sogar rückläufig: Von 2005 bis 2013 sank die Zahl der Tatverdächtigen in Leipzig um 30 Prozent auf 3200, 2014 stieg sie nur geringfügig um zwei Prozent an. Doch das Problem seien eben jene Jugendlichen, die immer wieder und massiv Straftaten begehen, so Georgie. "Das geht häufig in den Bereich der Bandenkriminalität und es besteht die Gefahr krimineller Langzeitkarrieren." Wenn die Strafe durch schnellere Verfahren auf dem Fuß folge, ließe sich bei Jugendlichen eher eine Verhaltensänderung erreichen, so Georgie. Das Haus des Jugendrechts ermögliche "frühzeitig einen Schuss vor den Bug".

Und selbst jene, die den Schuss nicht hören, sollen weiter betreut werden. "Von diesen Tätern wollen wir keinen einzigen verloren geben", gab Oberstaatsanwältin Laube die Richtung vor. Mithin wäre es auch für Paul und Phillip S. noch nicht zu spät.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.02.2015

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Frank Döring

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