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"Lebensverachtende Gefährlichkeit" - Lange Haft für Tagesmutter-Mörder möglich

"Lebensverachtende Gefährlichkeit" - Lange Haft für Tagesmutter-Mörder möglich

Sein Geständnis in letzter Minute überzeugte die Staatsanwaltschaft nicht: Für den brutalen Mord an Tagesmutter Monika C. (64) soll Angeklagter Tobias K. (24) lebenslänglich hinter Gitter.

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Prozessauftakt am 19. Mai 2014: Ein 24-jähriger Mann muss sich wegen Mordes an einer Leipziger Tagesmutter verantworten.

Quelle: dpa

Leipzig. Staatsanwältin Tanja Lötschert forderte gestern zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Dadurch verlängert sich die durchschnittliche Haftdauer von 17 bis 20 Jahren auf etwa 23 bis 25 Jahre - Tobias K. könnte nicht mit einer vorzeitigen Entlassung nach frühestens 15 Jahren rechnen.

Zuvor hatte der mutmaßliche Mörder von seinem Verteidiger Axel Kaufmann eine Erklärung verlesen lassen - am achten Tag eines Indizienprozess mit zunehmend erdrückender Beweislage. Demnach habe er Monika C. - die Mutter seiner Lebensgefährtin Tanja L. (42) - am 9. Oktober 2013 gegen 17.30 Uhr in ihrer Wohnung in der Kantstraße besucht. Dort sei es zum Streit um jene 11.500 Euro gekommen, die Tobias K. im Mai aus der Wohnung gestohlen haben soll. Sie habe ihn angeschrien, dass sie sich von so einem Würstchen nicht ins Boxhorn jagen lasse. Er sei dann zunächst gegangen, wollte sich angeblich Drogen kaufen.

Etwa zwei Gramm Crystal Meth konsumiere er pro Tag. Auch vor dem Verbrechen will er Unmengen an Wodka sowie Crystal und Heroin genommen haben. Gegen 19.40 Uhr kehrte er zurück in die Kantstraße. Wieder habe Monika C. geschrien, ihn bespuckt und ausgelacht. "Da bin ich ausgerastet", so Tobias K. in dem schriftlichen Geständnis.

Er habe sie geschlagen und getreten. Plötzlich soll sie mit einem Messer zugestochen haben. Es sei ihm gelungen, ihr die Waffe abzunehmen. Umgehend habe er ihr damit in die Schulter gestochen. "Was dann weiter passierte, weiß ich nicht mehr", so Tobias K. "Ich muss wohl weiter auf sie eingestochen haben." Schließlich habe sie röchelnd auf dem Boden gelegen. "Ich ging ins Bad, wusch die verbogene Klinge ab und warf das Messer in den Besteckkasten."

Allerdings: Die Tatwaffe wurde nie gefunden. Nach Ansicht der Rechtsmediziner deute die Morphologie der Stiche eher darauf hin, dass zwei Tatwerkzeuge zum Einsatz kamen - ein Messer und wohl eine Schere. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass der Täter der Sterbenden zusätzlich Mund und Nase zugehalten habe. Im Bericht des Angeklagten spielte das keine Rolle.

Das Geständnis sei "in einigen Punkten wenig glaubhaft", befand Staatsanwältin Lötschert. So habe sich der Angeklagte die Tatwaffe nach dem ersten Besuch extra besorgt. Sie wertete die Tat als Mord in Tateinheit mit schwerem Raub mit Todesfolge. Tobias K. habe mehrere Taschen mit Schmuck und anderen Wertgegenständen aus der Wohnung seines Opfers geschleppt. Bei ihm seien ein "besonders hoher Grad lebensverachtender Gefährlichkeit" sowie psychopathische Züge festzustellen. Eine besondere Schwere der Schuld ergebe sich etwa aus der "massiven Entstellung der Sterbenden". 34 Stichverletzungen wies die Leiche auf, über die Hälfte davon im Gesicht. Ein Rechtsmediziner sprach im Prozess von einem regelrechten "Overkill".

Verteidiger Kaufmann forderte für seinen Mandanten zehn Jahre Haft wegen Totschlags. Die Bluttat sei aus einer emotional-affektiven Situation entstanden.

Der psychiatrische Sachverständige hatte freilich eine etwas andere Persönlichkeitsstruktur beschrieben, als er Tobias K. begutachtet hatte: Demnach könne der Ex-Hooligan "gezielt und rational Aggression zum Einsatz bringen".

Am Freitag wird das Urteil verkündet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.07.2014

Frank Döring

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