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Altenpflegerin fährt Seniorin um – Geldstrafe, aber kein Fahrverbot

Tödlicher Unfall in Leipzig Altenpflegerin fährt Seniorin um – Geldstrafe, aber kein Fahrverbot

Eine Altenpflegerin fährt in Leipzig-Stötteritz eine Seniorin um und muss sich ein halbes Jahr nach dem Unfall mit tödlichem Ausgang verantworten. Das Leipziger Amtsgericht verhängt 5400 Euro Geldstrafe, allerdings kein Fahrverbot.

Das Leipziger Amtsgericht verurteilt eine Leipziger Altenpflegerin wegen fahrlässiger Tötung.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  „Sie hatte keinen zeitlichen Druck“, beteuert ihr Anwalt. Doch als Altenpflegerin Nancy D. am 16. März dieses Jahres in Leipzig-Stötteritz zu ihrem letzten Patienten für diesen Tag unterwegs ist, fährt sie mit dem Pkw eine Seniorin um. Sieben Wochen später stirbt die 71-jährige Leipzigerin in der Uni-Klinik an einem Multiorganversagen. Die Altenpflegerin steht deshalb wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht.

„Sie hat einfach niemanden wahrgenommen“, so Verteidiger Sven Rosentreter am Montag. Der Anwalt redet im Namen seiner Mandantin. Denn bei der 35-Jährigen fließen immer wieder die Tränen. Im Zuschauersaal sitzt ihre Chefin, die große Stücke auf die junge Frau hält. Engagiert sei sie, gewissenhaft. Seit sechs Jahren ist Nancy D. im ambulanten Pflegedienst des Unternehmens tätig, immer mit dem Auto unterwegs. Gerade Stötteritz kennt sie gut: „Seit der Geburt wohne ich dort“, sagt die Angeklagte. Auch die Unfall-Kreuzung sei ihr vertraut.

Womöglich habe seiner Mandantin eine Fahrzeugsäule die Sicht verdeckt, mutmaßt der Verteidiger. Als die Altenpflegerin an jenem sonnigen Märztag kurz nach 12.30 Uhr von der Langen Reihe kommend bei Grün nach links in die Holzhäuser Straße einbiegen will, erfasst sie mit dem VW up! die Seniorin. Die 71-Jährige hat mit ihrem Einkaufswagen – und daran besteht kein Zweifel – ebenfalls bei Grün die Holzhäuser Straße überquert. Sie stürzt durch die Kollision, ihr linkes Schien- und Wadenbein ist gebrochen. „Sie hätten die Frau sehen müssen“, meint Richterin Birgit Riedel. Staatsanwältin Sylvia Schütze spricht von einem „momentanen Versagen“. Die Richterin zitiert auch aus früheren Angaben der Altenpflegerin, wonach sie den Fokus völlig auf den Gegenverkehr gelegt habe. Daher müsse sie selbst beim Anfahren nach links immer noch geradeaus geschaut haben, abgelenkt gewesen sein. „Anders kann man es nicht erklären“, so die Staatsanwältin. Ein Fahrverbot aber, das eine Besinnungs- oder Denkzettelfunktion haben soll, hält sie für unangebracht. „Das geht völlig in die falsche Richtung.“ Die Altenpflegerin sei nicht vorbestraft, habe auch keinen Eintrag im Fahreignungsregister. Ohne Führerschein könne sie ihren Job nicht behalten, „einen Beruf, den sie mit Hingabe ausübt“, glaubt die Staatsanwältin. Nach dem Unfall war Nancy D. zwei Wochen krank, ist noch in psychologischer Behandlung. Richterin Riedel verhängt – wie von Staatsanwaltschaft und Verteidigung übereinstimmend gefordert – eine Strafe von 120 Tagessätzen à 45 Euro (5400 Euro). „Durch einen sehr kleinen Fehler haben Sie ein Menschenleben ausgelöscht.“ Eine Kausalität zwischen Unfall und Tod sei unstrittig. In der Klinik war es bei der Seniorin, die zudem unter chronischen Erkrankungen litt, zu Wundheilungsstörungen und einem septischen Schock gekommen. Sie starb am 2. Mai.

Von Sabine Kreuz

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