Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leipzig: Junge Mutter überlebt Horrornacht dank Nachbarin

Prozess in Leipzig Leipzig: Junge Mutter überlebt Horrornacht dank Nachbarin

Eine 28-jährige Frau ist in der Wohnung der Familie von ihrem Ehemann mit einem Messer angegriffen und um ein Haar getötet worden. Eine couragierte Nachbarin rettete ihr das Leben. Seit Donnerstag steht ihr Ehemann Jirkarkhon I. (35) vor Gericht.

Das Landgericht in Leipzig.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig.  Es war wie ein Alptraum, den sie beinahe nicht überlebt hätte: Eine 28-jährige Frau ist in der Wohnung der Familie in Paunsdorf von ihrem Ehemann mit einem Messer angegriffen und um ein Haar getötet worden. Eine couragierte Nachbarin rettete ihr das Leben. Seit Donnerstag steht der mutmaßliche Messerstecher Jirkarkhon I. (35) wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Es war am 4. April dieses Jahres gegen 22.20 Uhr, als der Syrer seine Frau zwang, sich im Wohnzimmer niederzuknien. Er zückte ein Steakmesser mit zehn Zentimeter langer Klinge, heißt es in der Anklage, und soll sie mit bedrohlichem Blick eine gefühlte Ewigkeit umkreist haben. Gegen 23 Uhr sei er plötzlich mit diesem Messer auf seine Frau losgegangen und habe ihr erhebliche Schnittverletzungen am Hals und im Nacken zugefügt, speziell den Bereich des Kehlkopfes regelrecht aufgeschlitzt.

„Es war ihm bewusst, dass er damit todbringende Verletzungen hervorruft, doch es war ihm gleichgültig“, befand die Staatsanwaltschaft. Erst als die gemeinsame, gut ein Jahr alte Tochter schrie, ließ der Familienvater von seiner Frau ab. Offenbar musste das kleine Mädchen die Bluttat direkt mit ansehen. Ihre Mutter sagte später aus, sie habe ihre Tochter noch einmal küssen wollen, bevor sie sterbe.

Weil ihr Mann durch das Kind kurz abgelenkt war, gelang es der 28-Jährigen, sich zu wehren und zu fliehen. Doch ihr Mann verfolgte sie nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft, schlug und trat im Treppenhaus auf sie ein. Schließlich habe er sie zu Fall gebracht, so dass die Frau mit dem Kopf auf den Treppenstufen hinunterrutschte. Auf einem Absatz soll sich der Täter dann auf sie gelegt und sie gewürgt haben, um sie endgültig zu töten.

Eine mutige Nachbarin rettete der Syrerin wohl das Leben. Sie schrie den Ehemann an, er soll seine Frau endlich in Ruhe lassen – woraufhin dieser tatsächlich von seinem Opfer abließ. Mit ihrem T-Shirt drückte die Mieterin eine besonders heftig blutende Halswunde ab, bis Rettungskräfte eintrafen und die Schwerverletzte zur Not-Operation in ein Krankenhaus brachten. Eine dauerhafte Narbe am Hals wird die 28-Jährige ihr Leben lang an die Horrornacht in den eigenen vier Wänden erinnern.

Doch ihr Mann wird für das Verbrechen wohl nicht bestraft werden können. Er kam nach der Bluttat zunächst in die Untersuchungshaft, befindet sich aber inzwischen in der geschlossenen Psychiatrie. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. „Er hat die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen“, so die Anklagebehörde.

Mithin handelt es sich bei dem Prozess am Landgericht auch um ein sogenanntes Sicherungsverfahren, bei dem es nicht um eine Verurteilung zu einem bestimmten Strafmaß geht, sondern um die Frage, ob der Beschuldigte in den Maßregelvollzug, in die Psychiatrie muss. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass von Jirkarkhon I. aufgrund seines gesundheitlichen Zustands weitere erhebliche Straftaten zu befürchten sind und er für die Allgemeinheit gefährlich ist.

Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte. Sein Verteidiger Stefan Wirth kündigte aber für den nächsten Verhandlungstag eine Erklärung an. Die 1. Strafkammer hat noch drei Termine bis 10. November vorgesehen.

Von Frank Döring

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr