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Leipzig im Rausch: 3600 Drogen-Konsumenten in Betreuung – Crystal Meth auf dem Vormarsch

Leipzig im Rausch: 3600 Drogen-Konsumenten in Betreuung – Crystal Meth auf dem Vormarsch

Crystal Meth ist ein wachsendes Problem in Leipzig. Während die Polizei von anderen illegalen Drogen zuletzt zum Teil deutlich geringere Menge aus dem Verkehr zog, steigen die Funde des aufputschenden Methamphetamins weiterhin an.

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Crystal ist in Leipzig weiter auf dem Vormarsch. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Zudem werden auch immer mehr Konsumenten des synthetischen Rauschgifts in den Leipziger Drogenberatungsstellen gezählt. Die größte Anziehungskraft hat aber immer noch der Alkohol.

"Crystal ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es wird auch von Personen konsumiert, die im Arbeitsleben voll integriert sind, weil es eine ganz andere Wirkung hat als beispielsweise Heroin", sagt Kriminaldirektor Bernd Buchwald, Leiter des Referats Kriminalitätsbekämpfung bei der Leipziger Polizei. Insgesamt 6,5 Kilogramm Crystal Meth gingen den Beamten im vergangenen Jahr ins Netz – ein halbes Kilo mehr als im Vorjahr. Dagegen halbierte sich die Menge von sichergestelltem Marihuana und Haschisch von 68 auf 31 Kilo. Von Heroin sammelten die Beamten 2014 insgesamt 195 Gramm ein – im Vorjahr waren es noch drei Kilo. Amphetamine (z.B. „Speed“) und Ecstasy-Pillen wurden ebenfalls weniger sicher gestellt.

Die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte in Leipzig stieg gegenüber dem Vorjahr um fast 25 Prozent auf 1888 an, heißt es in der Kriminalitätsstatistik für 2014. Das sind etwa 2,4 Prozent der insgesamt 80.000 Straftaten 2014 in der Messestadt. Sechs Menschen starben durch Überdosis oder Mischkonsum mit anderen Substanzen. Im Jahr zuvor waren es neun Drogentote. "Leipzig hat den größten Anteil der Rauschgifttoten im Freistaat, daran hat sich nichts geändert. Insgesamt gesehen ist die Zahl im Verhältnis zu den Abhängigen aber noch relativ niedrig", so Buchwald.

Drugscouts, Drahtseil und Co. helfen Betroffenen

Ein Teil der chronischen Konsumenten wird durch die mobile und stationäre Beratung von Stadtverwaltung und freien Trägern betreut. Dazu gehören vier Teams von Straßensozialarbeitern, Initiativen von Suchtzentrum Leipzig (u.a. „Drugscouts“), Diakonie („Drahtseil“), Kinderschutzbund („Free Your Mind“) und vom Sozialamt. Wie es im aktuellsten Suchtbericht der Kommune heißt, hatten 2013 mehr als 3600 Konsumenten und Süchtige die vielfältigen Angebote in Anspruch genommen, zudem kamen mehr als 400 Angehörige. Gut zwei Drittel der Klienten waren Männer, 95 Prozent hatten die deutsche Staatsbürgerschaft.

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Alkohol bleibt Leipzigs Droge Nummer Eins. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Mehr als die Hälfte aller betreuten Personen hatte akute Alkoholprobleme. Die Betroffenen sind durchschnittlich zwischen 50 und 60 Jahren alt. Es folgen in der Liste 700 Konsumenten von Heroin, 460 von Crystal und Co. sowie 240 von Cannabis-Produkten, die meist freiwillig um Hilfe suchten. Vor allem bei den Stimulanzen wie Crystal Meth sind die Zahlen steigend. 196 Menschen wurden 2013 von den Beratungsstellen in Drogenentzugsmaßnahmen vermittelt, 237 führten eine Alkoholentwöhnung durch. 784 Drogenabhängige wurden in autorisierten Arztpraxen mit weniger zerstörerischen Ersatzstoffen substituiert.

Die Webseite der Leipziger Drugscouts verzeichnete 2013 insgesamt 1,6 Millionen Besucher – 700.000 mehr als noch im Jahr zuvor. Hier wurden vor allem Hinweise zu verunreinigten Substanzen angeklickt. Beim Jugendtelefon des Kinderschutzbundes, an dem auch Suchtprobleme von Heranwachsenden mit Rauchen, Alkohol und Computerspielen zur Sprache kommen, wurden täglich etwa 45 Anrufe entgegen genommen.

Erfolge des Aktionsbündnisses im Leipziger Osten

Um Straßenkonsum und -Kriminalität einzudämmen, arbeiten Kommune und Polizei seit 2013 im Rahmen des „Aktionsbündnisses Sicherheit“ zusammen, tauschen behördenübergreifend vor allem Informationen aus. Die Drogenszene ist in vielen Stadtgebieten zu Hause, die Eisenbahnstraße gehört aber noch immer zum Kerngebiet. Hier konnte im Zusammenspiel von Prävention und Repression zumindest „eine Zunahme szenetypischer Personen verhindert werden“, heißt es im Suchtbericht. Verstärkte Kontrollen in leerstehenden Häusern auf der Magistrale schränken Rückzugsräume für Drogenkonsumenten und Dealer ein.

Zudem werde verstärkt auf Sauberkeit und Sicherheit im Straßenraum geachtet – dabei konnten 2013 insgesamt 42 Spritzen sicher gestellt werden. Von 61 Personen auf der Eisenbahnstraße wurden Identitäten festgestellt, gegen 26 Platzverweise ausgesprochen – darunter auch gegen zehn drogenabhängige Prostituierte, heißt es im Suchtbericht.

Die Fälle von direkter Beschaffungskriminalität – Rezeptfälschungen, Raub von Betäubungsmitteln – stieg innerhalb eines Jahres von zehn (2012) auf 27 Fälle (2013) an. Genaue Angaben zu Delikten, die indirekt mit dem geplanten Kauf von Drogen zusammenhängen, konnte die Sicherheitsbehörde nicht machen. Als Schwerpunkte gelten hier Raub, schwerer Diebstahl, Wohungsein- und Autoaufbrüche - zuletzt stiegen vor allem die Fälle von Diebstählen aus Wohnungen drastisch an. Die Polizei schätzt, dass jeder chronische Drogenkonsument täglich etwa 50 bis 80 Euro für seine Sucht benötigt.

Weitere Informationen zu Crystal Meth in unserer Reportage.

Matthias Puppe / nöß

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