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Leipziger Amtsgericht fällt Urteil zu Schüssen in der Eisenbahnstraße

Bewährungsstrafe für Schießerei Leipziger Amtsgericht fällt Urteil zu Schüssen in der Eisenbahnstraße

Vor dem Leipziger Amtsgericht ist das Urteil über eine Schießerei in der Eisenbahnstraße gefallen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte nicht in Notwehr gehandelt hatte. Dennoch fiel die Strafe vergleichsweise mild aus.

Kriminaltechniker und Ex-Polizeipräsident Horst Wawrzynski (l.) untersuchten im Juli 2013 den Tatort.
 

Quelle: Frank Döring

Leipzig.  Ein Jahr und drei Monate auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung, unerlaubtem Waffenbesitz und Beleidigung, sowie 1 500 Euro Schmerzensgeld: Mit diesem Urteil ging am Donnerstag vor dem Leipziger Amtsgericht der Prozess um die Schießerei in der Eisenbahnstraße zu Ende.

Daran, dass der 31-jährige Iraner Sooren O. im Juli 2013 vor einem Lebensmittelgeschäft auf der Eisenbahnstraße aus nächster Nähe auf zwei Mazedonier feuerte, bestand von Anfang an kein Zweifel. Zu klären war für die Kammer unter Richter Klaus Hüner vielmehr, ob O. an jenem Sommerabend aus Notwehr handelte.

Denn die beiden Opfer, der 42-jährige Dzeladin B. und der 48-jährige Alisan O. seien ebenfalls alles andere als unbeschriebene Blätter, wie Verteidiger Frank Wilhelm Drücke in seinem Plädoyer bemerkte: Dzeladin B. verbüßt derzeit etwa eine mehrjährige Freiheitsstrafe wegen einer weiteren Schießerei im Oktober 2013 – mutmaßlich ein Racheakt gegen einen Cousin von Sooren O..

Die beiden „Drehtür-Kriminellen“ hätten am Tattag aktiv die Provokation gesucht, so Drücke „Sie waren zu zweit, sie waren gefährlich, unter Drogen und gewaltbereit“, fasste er zusammen. Es habe akute Lebensgefahr für seinen Mandanten bestanden, zudem hätte B. mit einem Messer in der Hand seiner bereits im Vorfeld ausgesprochenen Drohung gegenüber Sooren O. weiter Nachdruck verliehen. Seinem Mandanten sei daher keine andere Möglichkeit geblieben, als sich mit der Waffe zu verteidigen – auch wenn er diese illegalerweise mit sich geführt habe.

Dieser Argumentation wollte die Anklage nicht gänzlich folgen. Zwar könne er die Angst des Angeklagten, gerade angesichts der konfliktreichen Vorgeschichte zwischen beiden Lagern, nachvollziehen, so Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller. „Er wusste aber auch, was passieren könnte, wenn er auf die Eisenbahnstraße geht. Das wollte er sich nicht verbieten lassen – und sein Recht zur Not mit der Waffe durchsetzen.“ Allein die Tatsache, dass er die Waffe bei sich trug, spreche dafür, dass er mit einer Konfrontation zumindest gerechnet habe. „Er hat sich bewusst in die Konfrontation begeben“, betonte Müller, daher liege hier kein Notwehrrecht vor.

Zudem habe es die vom Angeklagten angebrachte Bedrohungssituation gar nicht gegeben, sekundierte auch Nebenklage-Vertreter Andreas Suska. Dafür spreche jedenfalls, dass sein Mandant Dzeladin B. das mitgeführte Messer sofort an die Polizei übergeben habe, anstatt es etwa in Verdunkelungsabsicht direkt verschwinden zu lassen. „Es gab keine Notwehrsituation“, so Suska.

Die sah auch Richter Hüner nicht gegeben – zumal Sooren O. auch anders hätte handeln können, etwa zunächst mit der Waffe drohen. Zudem sei die Entscheidung von O., trotz der Gefahr die Eisenbahnstraße zu besuchen, schon für sich fahrlässig gewesen. „Trotzdem dort hinzugehen, obwohl man um die Gefahr weiß, ist für das Gericht nicht nachvollziehbar.“

Für den Angeklagten spreche hingegen, dass auch die Opfer aktiv die Auseinandersetzung gesucht hätten, erläuterte Hüner in seiner Urteilsbegründung. Auch habe Sooren O. mit den Gummigeschossen gezielt auf die Oberschenkel und nicht etwa den Oberkörper der beiden Männer geschossen.

Die Bewährungsstrafe sei vor diesem Hintergrund und den Einlassungen des Angeklagten während des Verfahrens angemessen. Zudem weise O. – gegen den seit dem Diskokrieg 2008 zahlreiche Verfahren geführt wurden und sich im November der nächsten Verhandlung stellen muss – eine günstige Sozialprognose auf. Er versuche aktiv, sich aus der Szene zu lösen, unterziehe sich einer Suchttherapie und baue sich in Berlin ein neues Leben auf.

Mit der Strafe sei auch die mitverhandelte Beleidigung einer Polizistin am Rande einer Legida-Demo im März 2015 abgegolten. Vom Verstoß gegen das Arzneimittelgesetzes wurde O. indes frei gesprochen. Es lasse sich nicht zweifelsfrei feststellen, ob die im Zuge der Ermittlungen sichergestellte Ampulle Dopingmittel enthalten hatte.

Von Bastian Fischer

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