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Leipziger Bombendroher gesteht: „Das ist mein Gesicht“

Prozess in Leipzig Leipziger Bombendroher gesteht: „Das ist mein Gesicht“

Er kann sich an nichts erinnern, aber erkennt sich auf dem Bild der Überwachungskamera wieder: Gegen einen 38-Jährigen läuft seit Mittwoch ein Prozess am Landgericht.Er soll eine Tankstelle überfallen haben - mit einer Bombenattrappe.

Nächste Woche wird der Prozess am Landgericht fortgesetzt.
 

Quelle: LVZ

Leipzig. Er kann sich an nichts erinnern, aber erkennt sich auf dem Bild der Überwachungskamera wieder: Gegen einen 38-jährigen Mann aus dem Muldental läuft seit Mittwoch ein Prozess am Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 25. Mai vorigen Jahres eine Tankstelle überfallen zu haben. Und das nicht etwa mit der üblichen Drohkulisse wie Pistole oder Messer, sondern mit einer Bombenattrappe.

Als Jan S. an jenem Abend um 21.41 Uhr den Shop der Sprint Tankstelle in der Lützner Straße betrat, war Angestellte Yvonne H. (29) gerade am Kaffeeautomaten beschäftigt. Es waren noch 19 Minuten, bis die Tankstelle auf Nachtschalter-Betrieb umgestellt hätte. Laut Anklage schob Jan S. wortlos einen Zettel über den Verkaufstresen: „Überfall! An der Tankstelle ist eine Bombe. Alle Tageseinnahmen sofort in den Beutel, sonst platzt die Bombe!“

Die Verkäuferin reagierte vergleichsweise unkonventionell. „Ich habe ihm gesagt, dass ich den Zettel nicht lesen kann und er das noch einmal ordentlich aufschreiben oder mir sagen soll“, schilderte Yvonne H. am Mittwoch das Erlebnis vor Gericht. Als der Räuber wie gewünscht den Inhalt der Drohung ergänzend mündlich vortrug, beschied ihm die Angestellte, gerade schließen zu wollen und nicht einmal mehr Wechselgeld zu haben. „Er zuckte mit den Schultern, nahm seinen Zettel und ging raus“, so Yvonne H. „Er tat mir ein bisschen leid. Wer geht denn in so einer Situation einfach wieder, nur weil man seine Drohung nicht lesen kann?“

Etwa zehn Minuten später traf die junge Frau erneut auf den Fremden. Als sie die Schläuche der Druckluftautomaten aufräumen wollte, stand Jan S. hinter ihr. Wie Staatsanwältin Patty Hammer sagte, öffnete der Angeklagte seine Jacke und zeigte der Frau eine Bombenattrappe. „Viele bunte Drähte an einem Gürtel und in der Hand hielt er eine Fernbedienung mit blinkender roter Lampe“, so Yvonne H. „Das war mir dann doch zu heiß.“ Die Verkäuferin rannte zurück in den Shop, hatte laut Anklage „Angst vor einer Detonation“. Sie verschloss alles und floh durch einen Hinterausgang.

Zum Prozessauftakt konnte sich Jan S. nicht an den Überfall erinnern. Er hatte auch keine Erklärung, wie er an die Bombenattrappe gekommen war. Selbst bauen könne er so etwas nicht, meinte er. Doch als ihm der Vorsitzende Richter Berthold Pfuhl die Aufnahme der Überwachungskamera zeigte, räumte er sofort ein: „Das ist mein Gesicht.“ Vor Gericht entschuldigte er sich auch bei Verkäuferin Yvonne H.

Womöglich ist er gar nicht schuldfähig. Sein Verteidiger André Röhrich: „Mein Mandant ist seit vielen Jahren psychisch krank, nimmt zudem Drogen.“ Jan S. gab zu, regelmäßig Crystal und Marihuana konsumiert zu haben. Nachdem der Bezieher von Erwerbsminderungsrente in einem betreuten Wohnprojekt lebte, wohnt er nun wieder bei seinen Eltern. Seine Mutter Evelyn S. (68) meinte: „Er ist nicht so wie wir. Er hört häufig Stimmen, die ihm Befehle geben.“ Zum nächsten Prozesstag am kommenden Mittwoch soll dazu der forensische Psychiater Christof Hieronymus aus seinem Gutachten vortragen.

Von Frank Döring

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