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Polizeiticker Leipzig Leipziger Gefängnis rüstet auf: „Job mit J“ für sechs Neue
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Leipziger Gefängnis rüstet auf: „Job mit J“ für sechs Neue
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22:04 14.09.2018
In der Mini-Kirche der Leipziger Haftanstalt an der Leinestraße: Der Andachtsraum mit Gefängnisseelsorger Mike Bauer ist eine der Stationen für die sechs neuen Anwärter und ihren Ausbilder (von links). Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Sachsens Justiz geht in die Offensive: Nach einem jahrelangen rigiden Sparkurs stockt der Freistaat sein Personal in den Justizvollzugsanstalten (JVA) deutlich auf. Mit der groß angelegten Kampagne „Job mit J?“ sucht er Nachwuchs. Wobei „J“ für Justizvollzugsbeamte steht.

„Das war beeindruckend“

Erst Anfang September haben sechs Anwärter für den Justizvollzugsdienst – sie sind zwischen 21 und 35 Jahren alt – im Leipziger Gefängnis ihre zweijährige Ausbildung begonnen. Zunächst lernen sie vier Wochen lang alles kennen – auch das Aufgabenspektrum des evangelischen Seelsorgers der Anstalt, Mike Bauer. Danach wechseln sich Praxis und Theorie ab. Insgesamt gibt es 40 Neue in allen zehn sächsischen Haftanstalten; und im Januar 2019 kommen weitere 40 Frauen und Männer hinzu. Noch vor Kurzem handelte es sich nur um gut ein Dutzend pro Jahr.

„Das ist viel spannender als die reine Theorie“, glaubt Franziska P.*, die einzige Frau unter den sechs Neuen in Leipzig. Die 30-Jährige muss es wissen, hat sie doch zuvor Jura mit Schwerpunkt Kriminalwissenschaften studiert. Gleich drei ihrer Kollegen waren acht oder zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Zu ihnen gehört Steven W. (31). Er hatte sich nach einem Praktikum in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen („Das war beeindruckend.“) beworben – es klappte jedoch erst im zweiten Anlauf.

„Abbrecher in der ersten Woche“

Zwischendurch steuerte er für zweieinhalb Jahre als Fahrer der Verkehrsbetriebe Straßenbahnen durch Leipzig. Marvin S. (24) wiederum interessierte sich, als er noch im Vertrieb jobbte, zunächst für den Polizeidienst in Nordrhein-Westfalen, zog dann jedoch wegen der Freundin nach Sachsen. Und der Jüngste im Team – Philipp W. (21) – hatte bereits nach einem Jahr Studium der Betriebswirtschaftslehre bemerkt, dass das nichts für ihn sei – und orientierte sich völlig neu. Ein Bekannter brachte ihn auf die JVA-Idee.

Immerhin hatten sich mehr als 509 Interessenten laut Justizministerium zum Stichtag 1. März 2018 beworben. Im Jahr davor waren es mit 376 Frauen und Männern deutlich weniger. Davon besteht jedoch jeweils nur ein Bruchteil das Auswahlverfahren, bei dem es unter anderem um die kognitive und physische Eignung geht. Die Tests laufen in Etappen über etliche Monate, erzählt Ausbilder Martin H. (37). „Es gab in Sachsen auch schon Abbrecher gleich in der ersten Woche. Sie hatten es sich so nicht vorgestellt, im Fernsehen sah es halt anders aus“, berichtet er weiter.

Die Personalnot kann nicht ad hoc behoben werden. „Erst ab 2019 gibt es echten Zuwachs, derzeit werden nur die Altersabgänge ausgeglichen“, sagt Leipzigs JVA-Chef Rolf Jacob. Sprecherin Nicole Borchert zufolge werden 2018 „neun Anwärter als Beamte auf Probe übernommen“. Die Pensionierungsliste weise allerdings zehn Namen aus.

„Befreiungsschlag für den Justizvollzug“

„Und 2019 werden acht Kollegen pensioniert. Wie viele Zuweisungen dem entgegenstehen, ist noch nicht bekannt“, so Borchert weiter. Derzeit verfügt die Anstalt mit Haftkrankenhaus über 238 Mitarbeiter. Insgesamt gibt es 16 Anwärter in Ausbildung – im ersten und zweiten Jahr. Aktuell fehlen gemäß dem Verteilungskonzept des Ministeriums sieben Mitarbeiter im uniformierten Dienst. Etwa 400 Häftlinge sitzen ihre Strafen ab, wobei der Ausländeranteil bei 41,8 Prozent liegt.

Wie berichtet, sprach Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) vom bevorstehenden „großen Befreiungsschlag für den Justizvollzug“. Nach mehr als 100 zusätzlichen Stellen, für die Geld im Haushalt 2017/18 eingestellt wurde, handelt es sich nun um 200 zusätzliche Stellen im Haushalt 2019/20. Das Ministerium entscheidet, wie viele der Beamten auf Probe letztlich wo eingesetzt werden. Jacob: „Ich hoffe, dass durch die höhere Ausbildungszahl tatsächlich auch mehr Personal in der JVA Leipzig ankommt.“

(*Die Namen sind aus Sicherheitsgründen abgekürzt.)

Von Sabine Kreuz

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