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Leipziger Kinderbande: Paul S. schon wieder wegen Diebstahls verurteilt

Leipziger Kinderbande: Paul S. schon wieder wegen Diebstahls verurteilt

Ihn beeindruckt reinweg nichts. Paul S., 15 Jahre alt, "ist ein hartnäckiger und beharrlicher Rechtsbrecher", brachte es Staatsanwältin Ursula Fiebig im erneuten Prozess um die berühmt-berüchtigte Leipziger Kinderbande gestern auf den Punkt.

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Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Auf ihren Antrag hin verurteilte das Amtsgericht den Jugendlichen zu zwei Jahren und drei Monaten Haft.

Ermittler halten Paul und seinen Zwillingsbruder Philipp S. (er stand gestern nicht vor Gericht) seit Jahren für die Anführer einer kriminellen Clique, die in ganz Leipzig ihr Unwesen trieb, ständig Geschäftsleute bestahl und terrorisierte. Die Brüder, mit 13 noch strafunmündig, waren dennoch bereits 2012 bei der Polizei in 224 Fällen aktenkundig. Das Paar sitzt übrigens derzeit gemeinsam in der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen (Landkreis Leipzig) hinter Gittern - auf einer Station.

Die Staatsanwältin warf Paul S. gestern sieben Fälle des Diebstahls im März und April 2014 vor. "Ja, stimmt", gab er ohne Umschweife zu. Mit Komplizen hatte er jeweils größere Mengen Zigaretten oder Tabakdosen in Supermärkten in Leipzig, Halle oder bei Nova Eventis geklaut. "Wir wollten die Zigaretten verkaufen, um uns Drogen zu holen", so der 15-Jährige. Seit zwei oder drei Jahren nehme er Cannabis und Crystal.

Laut einem Bericht der Jugendgerichtshilfe stellte die Trennung der Eltern 2008 einen Bruch in der Entwicklung der Zwillinge dar - seinerzeit neun Jahre alt. "Beide galten als Papa-Kinder", hieß es in der Dokumentation. "Doch schließlich ließen die Kontakte zum Vater nach, die Mutter war mit sich selbst beschäftigt und den Jungs gegenüber sehr nachgiebig." Nach der Scheidung 2012 erhielt Manuela S. das alleinige Sorgerecht - und war völlig überfordert. Zwar nahm die Altenpflegerin jede Hilfe vom Jugendamt und dem Allgemeinen Sozialdienst an. Doch nichts fruchtete.

"Die Jungen lebten nach ihren eigenen Regeln", hieß es. Sie kamen in Einrichtungen der Jugendhilfe - Paul S. nach Thüringen, schließlich ab Juli 2014 in eine Einrichtung nach Hessen, in das Trainingscamp vom Verein Durchboxen im Leben. "Und wie war es dort?", fragte Richterin Irmgard Seitz den 15-Jährigen. "Ganz okay", so die knappe Antwort. Und doch kehrte er nicht dorthin zurück, beging erneut Straftaten. Sogar zwischen den Verhandlungstagen im Februar 2015 raubte er - wie berichtet - mit Zwillingsbruder Philipp S. ein Geschäft im Allee-Center aus. Deshalb kamen beide am 19. Februar in Untersuchungshaft. Eine Woche später verurteilte das Amtsgericht Philipp wegen mehrfacher Eigentumsdelikte zu acht Monaten und Paul zu einem Jahr und acht Monaten, jeweils ohne Bewährung.

Letztgenannte Sanktion wurde nun gestern auf zwei Jahre und drei Monate Haft erhöht. "Sämtliche andere Mittel versagen", meinte die Staatsanwältin. "Keiner hat mehr Einfluss. Haft ist die einzige Möglichkeit, um überhaupt noch auf den Angeklagten einzuwirken", so die Richterin. Auch wenn sich Verteidiger Rainer Nittmann alle Mühe gegeben hatte, seinen Mandanten in ein positives Licht zu rücken, ihn nicht als Chef einer Bande zu sehen. Es habe sich doch vielmehr um "einen spontanen Zusammenschluss von Jugendlichen" gehandelt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.04.2015

Sabine Kreuz

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