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Leipziger Rechtsanwalt arbeitet ohne Zulassung und muss Geldstrafe zahlen

Jurist bezieht jetzt Hartz IV Leipziger Rechtsanwalt arbeitet ohne Zulassung und muss Geldstrafe zahlen

Einst erfolgreicher Rechtsanwalt, derzeit angewiesen auf Hartz IV: Ein 45-jähriger Jurist aus Leipzig sprach von einem „klassischen Absturz“, den er sich vor anderthalb Jahren niemals hätte vorstellen können. Wegen Missbrauchs von Berufsbezeichnungen musste sich der Mann vor dem Leipziger Amtsgericht verantworten.

Ein Fall für den Strafrichter: ein Leipziger Rechtsanwalt, dem bereits die Zulassung entzogen worden war.
 

Quelle: dpa

Leipzig. Einst erfolgreicher Rechtsanwalt, derzeit angewiesen auf Hartz IV: Ein 45-jähriger Jurist aus Leipzig sprach von einem „klassischen Absturz“, den er sich vor anderthalb Jahren niemals hätte vorstellen können. Wegen Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen musste sich der Mann am Montag auch noch vor dem Leipziger Amtsgericht verantworten.

Er war am 26. Mai 2015 als Rechtsanwalt in Robe bei einem Zivilprozess am Landgericht aufgetreten und hatte Anträge gestellt, obwohl ihm die Anwaltskammer bereits einige Wochen zuvor die Zulassung entzogen hatte. „Rein objektiv stimmt der Sachverhalt“, sagte der Angeklagte. „An dem genannten Tag habe ich es aber nicht gewusst, erst später erfahren.“ Erklärend fügte er hinzu: „Ich war ganz gut im Geschäft und seit 2003 als Rechtsanwalt zugelassen. Doch Ende 2014 geriet alles in finanzielle Schieflage.“ Im Februar 2015 habe er deshalb den Entschluss gefasst: „Ich höre auf. Ich habe auch keine Mandate mehr angenommen.“ Er habe seine Zulassung freiwillig zurückgeben wollen, den Schritt aber hinausgezögert. Wochenlang sei er nicht in sein Büro gegangen. „Ich habe auch keine Post mehr geöffnet.“

Nicht nur beruflich sei es den Bach hinuntergegangen, auch familiär. „Meine Frau ist ausgezogen“, so der gebürtige Freitaler, der in Trennung lebt. Weil er nur noch fertig mit sich und der Welt gewesen sei, „habe ich den Kopf in den Sand gesteckt“. Den Gerichtstermin im Mai habe er nur wahrgenommen, weil es sich um eine Firma handelte, in der sein Vater arbeitete und die er bereits seit 12 oder 13 Jahren vertrat.

Dass er bei seinem Roben-Auftritt gänzlich ahnungslos war, nahm ihm die Staatsanwaltschaft nicht ab. Nach Ansicht der Behörde rechnete der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt mit dem Entzug der Zulassung, zumal er bereits fünf Monate lang keine Haftpflichtversicherung mehr bezahlt, auch Steuerschulden hatte. Staatsanwaltschaft wie Amtsgericht hielten den Anklagevorwurf für bestätigt, sprachen von einem „bedingten Vorsatz“. Die Staatsanwaltschaft plädierte für eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 13 Euro (650 Euro), das Gericht verhängte 25 Tagessätze à 10 Euro (250 Euro). Amtsrichterin Julia Weidelhofer berücksichtigte, dass die Kanzlei wohl auch wegen der Zahlungsmoral der Mandanten in Schieflage geraten, dem Angeklagten „das gesamte Leben entglitten“ sei, er nun ein schlechtes Gewissen habe.

Von Sabine Kreuz

Leipzig 51.339695 12.373075
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