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Polizeiticker Leipzig Leipziger Rentnerinnen im Visier: Mehr als 40 Überfälle seit September
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Leipziger Rentnerinnen im Visier: Mehr als 40 Überfälle seit September
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10:00 03.02.2017
Überfallopfer Hildegard M.: Die 80-Jährige wurde in Neulindenau verprügelt, hat noch immer zahlreiche Hämatome. Auch ihr Gesicht wurde verletzt. „Warum kann einem sowas passieren, wenn man niemandem etwas tut?“, fragt sie sich noch immer. Quelle: Foto: Dreifilm
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Leipzig

Es war am helllichten Tag, als ein Räuber Gabriele G. (64) die 800 Euro Goldkette vom Hals riss. Die Frau stürzte, zog sich schmerzhafte Verletzungen zu. Und: Sie hat seither Angst, wenn sie das Haus verlässt. Ein erschütternder Fall – doch leider keine Ausnahme. Immer wieder werden in Leipzig gerade ältere Frauen Opfer von zunehmend brutalen Tätern. „Dem Fachkommissariat sind seit September 2016 mehr als 40 Raubstraften und raubähnliche Handlungen zum Nachteil von zumeist älteren Frauen bekannt geworden“, sagt Polizeisprecher Andreas Loepki.

Erst am 21. Januar wurde eine 75-Jährige kurz nach dem Einkaufen morgens gegen 8 Uhr in der Schletterstraße von einem Radfahrer angefahren und ausgeraubt. Sie verletzte sich an Beinen, Armen und Händen. Am 16. Januar gegen 9.30 Uhr entriss ein Unbekannter einer 67-Jährigen in der Stöckelstraße die Handtasche, nachdem die Frau Geld abgehoben hatte. Sie brach sich bei dem Überfall mehrere Finger. Zwei Tage zuvor gegen 15.15 Uhr stieß ein Täter in der Zwickauer Straße eine Rollator-Fahrerin (76) in deren Haus zu Boden und stahl die Geldbörse. Die verletzte Seniorin musste ins Krankenhaus. Am selben Tag prügelte ein Unbekannter in der Neulindenauer Graffstraße auf eine 80-Jährige ein. Sie lag eine Woche im Krankenhaus, ihr Körper ist noch immer mit Hämatomen übersät. Gleich drei Frauen wurden am 20. Dezember innerhalb von einer halben Stunde überfallen – in Anton-Zickmantel-Straße, Gersterstraße und Platanenstraße.

Trotz dieser massiven Häufung: Laut Polizei haben Fälle dieser Art zuletzt nicht zugenommen. „Solche Delikte gibt es jährlich und fortlaufend, die Statistik ist nahezu identisch“, so Loepki.

Im Jahr 2015 – aktuellere Zahlen gibt es erst mit der neuen Kriminalitätsstatistik in den nächsten Wochen – wurden im Stadtgebiet Leipzig 213 Männer und 178 Frauen im Alter ab 60 Jahre Opfer von Straftaten. Für skrupellose Täter sind sie besonders wehrlose Ziele, zumal Senioren auch nicht mehr so schnell reagieren können. Doch sinkt auch die Hemmschwelle bei den Räubern, die schwere Verletzungen ihrer Opfer in Kauf nehmen? Loepki verneint. „Die Täter gehen nicht brutaler vor“, sagt er. „Die Begehungsweise, also das überfallartige Wegreißen der Handtasche, tritt schon seit Jahren auf. Es ist auch vom Zufall abhängig, wie viel körperliche Gegenwehr stattfindet und welche körperliche Verfassung die Opfer haben. Beides bedingt unter Umständen höhere Verletzungsfolgen.“

Fakt ist: Die Täter schlagen tagsüber auf offener Straße zu, haben offenbar kaum Angst davor, entdeckt zu werden. „Die Geschädigten sehen den Täter zumeist – im engsten Sinne des Wortes – flüchtig und von hinten“, beschreibt Loepki. Bisher vorliegende Personenbeschreibungen sind entsprechend vage: Mal sprach ein Täter gebrochen Deutsch, ein anderes Mal hatte er eine schwarze Hautfarbe oder war von asiatischem Äußeren. Ein Ende November 2016 festgenommener Tatverdächtiger (32) ist hingegen nach Angaben der Polizei deutscher Staatsbürger und abhängig von Crystal. Damals hatte die Kripo allein seit Oktober 16 Diebstähle und Raubstraftaten bei älteren Frauen registriert, einige Taten gab der in Untersuchungshaft sitzende Mann inzwischen zu. „Zudem wird selbstverständlich versucht, Parallelen zu weiteren Fällen zu ziehen, um den Tatnachweis zu führen“, so Loepki. Ähnlich liege der Fall bei einem Täter, der bereits zuvor in Haft gekommen war. Auch er ist Deutscher und drogenabhängig. Die Ermittler gehen deshalb davon aus, dass ein Hauptmotiv für die Angriffe auf ältere Damen darin liegt, täglich Geld für Rauschgift aufzutreiben. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Erscheinungsformen der hiesigen Beschaffungskriminalität“, stellt der Polizeisprecher klar.

Die Hoffnung, dass mit den Festnahmen die Serie an Überfällen endet, erfüllte sich jedoch nicht. „Es ist zu konstatieren, dass offensichtlich ein oder mehrere Täter weiterhin derart agieren“, so Loepki. „Alle Ermittlungen hierzu laufen im Fachkommissariat der Kriminalpolizeiinspektion zusammen und werden entsprechend intensiv geführt.“

Von Frank Döring

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