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Leipziger Unternehmen soll überteuerte Telefonanlagen vertrieben haben

Gericht Leipziger Unternehmen soll überteuerte Telefonanlagen vertrieben haben

Lockten sie tatsächlich unzählige Ärzte bundesweit in eine teure Leasing-Falle? Seit Dienstag stehen zwei frühere Geschäftsführer einer in Leipzig ansässigen Firma vor dem Landgericht.

Seit Dienstag stehen zwei frühere Geschäftsführer einer in Leipzig ansässigen Firma vor dem Landgericht.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Betrug in mindestens 76 Fällen sowie massive Steuerdelikte und Insolvenzverschleppung vor: Von Dezember 2003 bis September 2008 waren Andreas O. (61) und David M. (41) Geschäftsführer der Mic GmbH, die vom Martin-Luther-Ring aus operierte. Der frühere Fernmeldetechniker O. war zudem Chef der Tecomed GmbH. Das Geschäftsmodell beider Firmen laut Anklageschrift: der Vertrieb eines von Tecomed entwickelten Telekommunikationssystems speziell für den Einsatz in Arztpraxen.

Dieser sogenannte Praxismanager soll an Leasinggesellschaften zu einem überteuerten Verkaufspreis von bis zu 28 500 Euro vertrieben worden sein. Der Umweg über Leasinggesellschaften war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft eingeschlagen worden, weil ein direkter Verkauf an Ärzte wegen mangelnder Nachfrage und zu diesem hohen Preis nicht möglich war. Die Ärzte sollten an einem speziellen Netzwerk beteiligt werden und mit daraus erlangten Beratungshonoraren ihre Leasingraten - bis zu 683 Euro über 48 Monate - abdecken können. Doch Verhandlungen mit Krankenversicherungen über eine finanzielle Beteiligung an dem Projekt scheiterten. Somit war auch eine Finanzierung der Beratungshonorare für die Ärzte auf Dauer unmöglich.

 Dennoch sollen die Angeklagten spätestens ab Januar 2007 "bewusst wahrheitswidrig" zugesichert haben, dass eine vollständige Gegenfinanzierung der Leasingraten für die Ärzte, Zahnärzte und Psychologen möglich sei. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war Ende September 2007 bereits eine Liquiditätslücke von knapp 470 000 Euro entstanden. Doch erst im November 2008 wurde für die Mic GmbH Insolvenzantrag gestellt - durch einen neuen Geschäftsführer. Zudem sollen die Angeklagten versäumt haben, Umsatzsteuererklärungen abzugeben - Schaden allein 2006: mehr als 103 000 Euro.

 Andreas O., Vater von drei erwachsenen Kindern, verteidigte gestern das Projekt. Patienten sollten einfacher einen Facharzt finden, Ärzte eine hochwertige Telefonanlage erhalten und Privatpatienten gewinnen. "Aber die Buchhaltung ist abgesoffen und ich hätte es kontrollieren müssen, diesen Vorwurf muss ich mir machen", räumte er ein. "Es wurden definitiv Fehler gemacht."

Doch selbst bei einem Geständnis komme keine bewährungsfähige Strafe in Betracht, erklärte der Vorsitzende Richter Volker Sander. Zumindest nicht ohne Wiedergutmachung des entstandenen Steuerschadens.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.05.2015
Frank Döring

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