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Leipziger droht Schauspiel-Chef: „Vielleicht schneiden wir Ihnen auch mal den Kopf ab“

Freispruch am Amtsgericht Leipziger droht Schauspiel-Chef: „Vielleicht schneiden wir Ihnen auch mal den Kopf ab“

Er kam er mit einem Freispruch davon: Dieter K. (54), der in einer bizarren E-Mail Leipzigs Schauspielintendanten Enrico Lübbe mit Enthauptung gedroht und eine Nachbarin über Monate gestalkt haben soll, ist aufgrund einer schizotypen Störung schuldunfähig.

Leipzigs Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es gefiel ihm ganz und gar nicht, was der psychiatrische Gutachter ihm attestierte – aber nur dadurch kam er mit einem Freispruch davon: Dieter K. (54), der in einer bizarren E-Mail Leipzigs Schauspielintendanten Enrico Lübbe mit Enthauptung gedroht und eine Nachbarin über Monate gestalkt haben soll, ist aufgrund einer schizotypen Störung schuldunfähig.

Rückblick: Am 6. Oktober 2014 schrieb der studierte Bibliothekar anlässlich der umstrittenen Hamlet-Inszenierung am Schauspielhaus – im Finale des Theaterstücks waren damals ebenso blutige wie verstörende Bilder aus einem Splatter-Film gezeigt worden – eine E-Mail an dessen Intendanten. „Vielleicht schneiden wir Ihnen auch mal den Kopf ab, wenn Sie so weitermachen“, drohte er Lübbe laut Anklageschrift. Angefügt waren Bilder von zwei geköpften Leichen mit der Anmerkung: „Enrico Lübbe und sein Hamlet-Regisseur abgeschlachtet.“

Auch gegenüber einem Leipziger Amtsrichter soll der Angeklagte erheblich überreagiert haben. Ihm unterstellte er 2015 in Briefen „gravierende Rechtsfehler“, drohte mit Strafanzeige wegen des Verdachts der Bestechung und Rechtsbeugung. Ein Urteil, so Dieter K., habe der Jurist „mit 2,5 Promille Alkohol im Blut zusammengeschustert“.

Besonders übel soll er einer Nachbarin im Musikviertel mitgespielt haben. Nach Erkenntnissen der Anklagebehörde terrorisierte er die Frau im Jahr 2015 über mehrere Monate hinweg mit Briefen, Postkarten und auch persönlich. Als sie sich einmal über eine quietschende Tür bei ihm beschwerte, empfahl er der „schönen Nachbarin mit dem leichten Schlaf“ Yoga oder Sex mit dem Freund. Einmal fand sie 23 A-4-Seiten in ihrem Briefkasten – eine Kurzgeschichte ihres Nachbarn mit dem Titel „Was Liebe ist“. Als es ihr irgendwann zuviel wurde und sie Anzeige erstattete, wechselte der Tonfall. Er klingelte laut Anklage zehn Minuten lang an ihrer Tür, klebte draußen Zettel dran: „Hier wohnt die serienkriminelle, feministische Straftäterin“. Eine Zeit lang wohnte die Frau bei ihren Eltern oder verließ ihre Wohnung nur noch dann, wenn Dieter K. nicht zu Hause war. „Sie fühlte Angst und Ekel“, heißt es in der Anklageschrift. Der Beschuldigte vermochte das vor Gericht nicht nachzuvollziehen. „Ich kann darin keine schwerwiegende Beeinträchtigung der Lebensführung erkennen“, sagte er.

Das deckt sich mit dem, was der psychiatrische Gutachter über den Angeklagten berichtete. „Er war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, das Unangemessene seines Verhaltens zu erkennen“, so Peter Schönknecht, „er lebt in dem Verständnis, uneingeschränkt im Recht zu sein.“ Der Professor an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Leipzig führte dies auf eine schizotype Störung zurück. Dadurch sei bei dem hochgebildeten Angeklagten die Steuerungsfähigkeit eingeschränkt, wenn nicht sogar komplett aufgehoben. Somit ist Dieter K. schuldunfähig, kann für versuchte Nötigung, Beleidigung und Nachstellung nicht bestraft werden. Richter Hardy Bittner blieb somit nur, ihn, wie von Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragt, freizusprechen.

Ob die Anklagebehörde nun ein Sicherungsverfahren in die Wege leitet, um die Unterbringung des Leipzigers in einem psychiatrischen Krankenhaus zu erreichen, wird geprüft. Voraussetzung wäre, dass von ihm infolge seines Zustandes weiterhin erhebliche rechtswidrige Taten zu befürchten sind. Der psychiatrische Gutachter sah jedenfalls keine Anhaltspunkte für eine positive Prognose. Und: Dieter K. ist bereits als Stalker verurteilt, weil er von 2010 bis 2012 eine Bekannte belästigt, ihr 350 E-Mails geschrieben und sie beleidigt haben soll. Aktuell sitzt er in anderer Sache in Haft.

Von Frank Döring

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