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Leipziger gesteht großen Handy-Betrug

Prozess am Landgericht Leipziger gesteht großen Handy-Betrug

Mit falschen Identitäten soll ein Leipziger große Mobilfunkunternehmen ausgetrickst und Waren im Gesamtwert von mehr als 110 000 Euro ergaunert haben. Besonders dreist: Einen Teil der Betrügereien soll der Mann durchgezogen haben, als er noch in Haft saß.

Angeklagter Karsten S. (rechts) mit seinem Verteidiger Stefan Wirth.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Mit falsche Identitäten soll ein Leipziger große Mobilfunkunternehmen ausgetrickst und Waren im Gesamtwert von mehr als 110 000 Euro ergaunert haben. Besonders dreist: Einen Teil der Betrügereien soll der gelernte Handelsfachwirt durchgezogen haben, als er noch in Haft saß.

Zum Prozessauftakt am Dienstag am Leipziger Landgericht warf die Staatsanwaltschaft Karsten S. (41) 150 Fälle in den Jahren 2011 und 2012 vor, wovon allerdings zwei im Versuch steckenblieben. Seine Masche war laut Anklageschrift stets gleich: Er bestellte online bei den Firmen teure Smartphones, um diese weiterzuverkaufen. Die Kundendaten hätten plausibel gewirkt, seien aber erfunden gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Die Lieferungen gingen demnach an Adressen im gesamten Stadtgebiet, von Zentrum und Südvorstadt über Plagwitz bis nach Gohlis. Ungenutzte Briefkästen wurden mit dem Namen des jeweiligen Abholers beschriftet. Neben dem Angeklagten, der in der JVA Torgau Haftlockerungen genoss, mischten dabei auch Komplizen mit. Bezahlt wurden die Lieferungen in keinem einzigen Fall.

Neun Taten gingen zu Lasten eines bekannten deutschen Mobilfunkproviders. Der Schaden allein hier: mehr als 3700 Euro. Bei einem weltweit agierenden Telekommunikationsunternehmen waren es den Tatvorwürfen zufolge sogar 126 Fälle mit einem Schadensvolumen von über 103 000 Euro. Hier gingen teilweise mehrere Bestellungen an einem Tag raus. Schließlich soll der mehrfach vorbestrafte Angeklagte auf ähnliche Weise auch einen Outdoor-Ausstatter betrogen haben, indem er in 15 Fällen Bekleidung und Ausrüstung im Gesamtwert von rund 3400 Euro orderte.

Karsten S. räumte die angeklagten Taten am ersten Verhandlungstag ein. „Hintergrund war, dass er zum Zeitpunkt der anstehenden Haftentlassung und kurz danach hohe Schulden hatte und vor dem Nichts stand“, erklärte Verteidiger Stefan Wirth für seinem Mandanten. „Leider hat er dann den falschen Weg gewählt, um diese Probleme zu lösen.“ Dem Geständnis vorausgegangen war ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen – und der daraus resultierende Vorschlag der 6. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jens Kaden: Sollte der Angeklagte glaubhaft gestehen, hätte er eine Freiheitsstrafe zwischen vier Jahren und drei Monaten und vier Jahren und neun Monaten zu erwarten. Einbezogen wäre dabei auch ein Urteil des Amtsgerichts Halle. Im Oktober 2016 war Karsten S. wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu anderthalb Jahren Knast verurteilt worden.

Ferner stellte das Gericht eine sogenannte Vollstreckungslösung in Aussicht. Quasi als Entschädigung für eine überlange Verfahrensdauer wird demnach ein Teil der verhängten Strafe als bereits vollstreckt angesehen. Im konkreten Fall wäre das zwischen acht und zwölf Monate.

Für den Prozess sind noch drei Verhandlungstermine mit umfangreichen Zeugenvernehmungen geplant, bei denen auch bereits verurteilte Mittäter aussagen sollen. Ein Urteil soll noch im Mai fallen.

Von Frank Döring

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