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Leipziger schminkte sich als „Joker“ und stach auf zwei Teenager ein

Prozess um Mordversuch Leipziger schminkte sich als „Joker“ und stach auf zwei Teenager ein

Als "Joker" aus dem Film "Batman" maskiert soll er in Leipzig auf zwei Teenager eingestochen haben: Ein 25-Jähriger muss sich seit Dienstag wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten. Norman E. soll sich vor der Bluttat sein Gesicht mit Quark und Ketchup geschminkt haben.

Der Leipziger Norman E. (25), links im Bild mit seinem Anwalt, soll als "Joker" verkleidet versucht haben, zwei Teenager zu töten.

Quelle: Wolfgang Zeyen / dpa

Leipzig. Seit er 15 Jahre ist, schlüpfte Norman E. (25) immer wieder in diese gruselige Rolle: Er schminkte sich das Gesicht grellweiß, umrahmte seine Augen tiefschwarz, färbte sich den Mund blutrot. Und dann war er nicht mehr das unsichere Adoptivkind, sondern „Joker“, das personifizierte Böse aus dem Batman-Film. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll er in dieser Rolle auch versucht haben, zwei Teenager zu töten. Am Dienstag begann der Prozess am Leipziger Landgericht – der Tatvorwurf: versuchter Mord in zwei Fällen.

Die Anklage wirft ihm vor, am 24. September 2015 mit einem Messer, das eine 18 Zentimeter lange Klinge hat, über Trixi R. (15) und Philipp B. (19) hergefallen zu sein. Dabei kannte er sie kaum, hatte sie kurz zuvor am Hauptbahnhof aufgelesen. Das Mädchen war vermisst gemeldet, der Jugendliche obdachlos. Er nahm sie mit in seine Wohnung in der Virchowstraße. Sie aßen, redeten und tranken. Der Angeklagte soll dann seinen Gästen angeboten haben, bei ihm zu übernachten. Doch kurz nach Mitternacht wurde aus Norman E. wieder „Joker“. Gegen 0.10 Uhr sei er ins Bad gegangen und habe sein Gesicht mit Quark und Ketchup maskiert, so Staatsanwältin Katrin Minkus. Dann sei er zurückgekehrt und habe auf die auf einer Matratze liegenden Teenager eingestochen.

Philipp B. floh zunächst auf den Hof, rettete sich dann auf die Straße und brach ein paar Häuser weiter in der Virchowstraße schwer verletzt zusammen. Trixi R., deren Mutter im Prozess als Nebenklägerin auftritt, schleppte sich bis zur Kreuzung Virchowstraße/Lützowstraße, wo sie eine Passantin um Hilfe anflehte. Ihr Glück: Denn laut Anklage soll Norman E. ihr gefolgt sein, ließ dann aber von der 15-Jährigen ab, als Zeugen dazu kamen. Beide Opfer erlitten lebensbedrohliche Verletzungen, überlebten nur dank Notoperationen. Trixi R. wird womöglich dauerhafte Beeinträchtigungen haben, weil ihr durch die Messerattacke schwere Verletzungen an den Händen zugefügt wurden.

Der Angeklagte äußerte sich am Dienstag noch nicht zu den Anklagevorwürfen. Dafür sagte seine Adoptivmutter Katrin E. (48) umfassend aus. „Es war nicht leicht mit ihm, aber er hat ein gutes Herz“, so die tapfere Frau, die noch immer zu ihrem Sohn steht. Seit Kindheitstagen habe es mit Norman E. Probleme gegeben. Er sei auffällig gewesen, ließ sich nicht integrieren, neigte zur Gewalt. Zwischen seinem fünften und zehnten Lebensjahr schluckte das Kind das als ADHS-Medikament bekannte und umstrittene Ritalin.

Als Teenager begann er sich zu verkleiden, in Rollen zu schlüpfen. Seit er im Kino die Batman-Verfilmung gesehen hat, war er „Joker“. Als solcher überraschte er auch mal seine Mutter, als sie nach Hause kam und er mit weißgeschminktem Gesicht und einem Messer in der Hand im dunklen Zimmer auftauchte. Nach Jahren voller Therapien und Rückschläge schien sich Norman E. gefangen zu haben. Er lernte eine Frau kennen, bekam seine Suchtprobleme in den Griff. Und auch das Batman-Kostüm wurde verbrannt. „Es war so ein Ritual“, erklärte die Mutter. „Er hoffte, damit abschließen zu können.“

Doch dann der schlimme Absturz im Frühjahr 2015: Norman E. nahm Crystal, trank sich fast zu Tode. „Er hatte täglich bis zu vier Promille“, so Katrin E. „Wir haben uns an alle Ämter und Behörden gewandt, niemand half uns. Wir hätten diese Tat verhindern können.“

Auch zur Tatzeit war Norman E. betrunken, hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch gegen 5.30 Uhr mehr als zwei Promille intus, weshalb die Anklagebehörde von einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit ausgeht. Er wurde festgenommen, sitzt seither in Untersuchungshaft. Im Prozess, der bis 24. Juni geplant ist, wird auch zu klären sein, inwieweit der Angeklagte psychisch krank ist. Seine Mutter sprach davon, dass bei ihm neben ADHS eine Autismusstörung und eine Borderline-Erkrankung vorliegen könnten.

Frank Döring

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