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Leipzigs Polizeichef wehrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe

Nach Notruf-Einsatz Leipzigs Polizeichef wehrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe

Es war ein ganz normaler Notruf-Einsatz. Doch weil die kurzzeitig Tatverdächtigen eine dunkle Hautfarbe haben, sieht sich die Leipziger Polizei massiven Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Polizeipräsident Bernd Merbitz reagierte am Dienstag  scharf.

Polizei auf Notruf-Einsatz.
 

Quelle: Symbolbild

Leipzig.  Es war ein ganz normaler Notruf-Einsatz. Doch weil die kurzzeitig Tatverdächtigen eine dunkle Hautfarbe haben, sieht sich die Leipziger Polizei massiven Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Polizeipräsident Bernd Merbitz erklärte am Dienstag, diese Stigmatisierung der Polizei sei „eine Unverschämtheit. Das ist Stimmungsmache“.

Am Sonnabend um 21.19 Uhr ging bei der Polizei ein Notruf ein, dass in einer Kindertagesstätte in der Altlindenauer Hahnemannstraße womöglich Einbrecher seien. Beamte des Polizeireviers Leipzig-Südwest sowie der Inspektion Zentrale Dienste waren nach wenigen Minuten da, sahen kein Licht, bemerkten aber Personenbewegungen. Sie klopften an der Tür und riefen „Polizei, aufmachen!“ Erst nach einigen Minuten wurde geöffnet. Eine Person habe sich nach Aufforderung sofort ausgewiesen, so Polizeisprecher Uwe Voigt. „Doch eine zweite Person wurde unverständlicherweise zunehmend verbal aggressiv und weigerte sich, sich auszuweisen. Er ging auf die Beamten zu, blieb trotz Aufforderung nicht zurück und wurde zunehmend handgreiflich. Aus diesem Grund wurden ihm kurzzeitig Handfesseln angelegt. Auch daraufhin war keine Kommunikation mit ihm möglich.“ Als sich die Sache aufklärte, seien die Handfesseln sofort wieder abgenommen worden. „Zu keiner Zeit wurde von dieser Person geäußert, Schmerzen zu haben.“

Wie sich herausstellte, waren die Männer Referenten aus Kamerun, die im Leipziger Westbad an einer dreitägigen „Konferenz zu Migration, Entwicklung und ökologischer Krise“ teilnahmen. Die LVZ sprach am Dienstag mit jener Frau, die den afrikanischen Gästen kurzfristig ihre Räume zur Verfügung stellte. Sie betreibt in dieser Erdgeschosswohnung wochentags eine Kindertagespflegestelle. „Die Einrichtung ist auch von außen als Kindereinrichtung erkennbar“, sagte sie. Aus humanitären Gründen habe sie den Konferenz-Organisatoren die Wohnung als Gästequartier überlassen. Weil dies sehr kurzfristig geschah, habe sie darüber weder die Hausverwaltung noch Hausbewohner informiert.

„Kann man es einem Bürger verübeln, welcher über Notruf die Polizei verständigt, wenn Personen zu ungewöhnlicher Zeit in einer Kindertagesstätte sind?“, fragt Merbitz. Die Polizei sei nicht, wie sonst üblich, über die Konferenz informiert worden. Stattdessen wurden am Sonntag massive Vorwürfe laut. Der Kameruner Referent Péguy Takou Ndie erklärte: „Mir wurde einfach der Arm so sehr nach hinten gebogen, dass ich heute noch Schmerzen in der Schulter habe.“ Die Organisatoren der Konferenz sprachen in einer Pressemitteilung von „rassistisch motivierter Polizeigewalt“. Und der linke „Initiativkreis Menschen.Würdig“ forderte in Unkenntnis der Hintergründe von der Polizei eine Entschuldigung und Entschädigung der mutmaßlichen Opfer sowie ein Antirassismustraining. „Hätten sie doch das Gespräch mit mir gesucht“, monierte Merbitz. „Nein, erst einmal die Polizei verurteilen. So geht das nicht. Dafür habe ich kein Verständnis.“

Von Frank Döring

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