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Mann in Leipzig überrollt: 21-Jährige bestreitet Absicht

Prozessauftakt Mann in Leipzig überrollt: 21-Jährige bestreitet Absicht

Eine junge Frau überfährt im Streit um ihre freilaufenden Hunde einen 51-Jährigen. Der Mann stirbt, sie flieht vom Tatort. Seit Dienstag steht Yvonne R. (21),  Studentin für Malerei und Grafik, wegen Totschlags vor dem Landgericht.

Yvonne R. (21) bestritt zum Prozessauftakt im Landgericht Leipzig, den Peter K. absichtlich überfahren zu haben.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es war am 25. März 2015 gegen 14 Uhr, als sich das Drama in der Schönefelder Allee ereignete. Laut Anklage versuchte Peter K., die junge Frau am Fortfahren zu hindern, stellte sich dann sogar auf die vordere Stoßstange ihres Mercedes-Transporters. Die Angeklagte habe beschleunigt, sei Schlangenlinien gefahren, um den Mann abzuschütteln. Als sie abbremste, so schilderte gestern Staatsanwalt Christof Sprinz den Tatablauf, wurde der Mann auf die Fahrbahn geschleudert und von dem Transporter der Frau überrollt. Peter K., der an diesem Tag Geburtstag hatte, erlitt unter anderem multiple Frakturen der Schädelbasis und verstarb knapp anderthalb Stunden später.

„Ich habe nicht gemerkt, dass ich ihn überfahren habe“, sagte Yvonne R. vor Gericht. Sie habe gedacht, dass er sich bei dem Sturz allenfalls ein Knie aufgeschlagen hat. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass die Studentin den Tod von Peter K. billigend in Kauf genommen hat. Ursprünglich war Yvonne R. sogar des Mordes beschuldigt worden und in Untersuchungshaft gekommen. Inzwischen wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt.

Erschütternd: Der Auslöser des tödlichen Streits war völlig banal. Yvonne R. sprach gestern von einer „Abfolge vieler unerwarteter Dinge innerhalb kurzer Zeit“. Sie wollte mit dem Hund ihres Ex-Freundes – von ihrem Lebensgefährten hatte sie sich drei Tage zuvor getrennt – und ihrem eigenen Hund im Mariannenpark Gassi gehen. Weil sie ihren großen Mischling frei herumlaufen ließ, fühlten sich Peter K. und seine Bekannten belästigt. Die Anwohner wollten den Gerichtsakten zufolge wenige Tage vor Ostern ein paar schöne Bilder mit Kleinkind und zwei Häschen machen. Funkte da der Hund von Yvonne R. dazwischen?

Eine Frau fragte die Studentin, ob das ihr Hund sei. „Ich habe das verneint, weil ich keine Diskussion wollte“, so Yvonne R., die ihren Vierbeiner zeitweise aus den Augen verloren hatte. Über Notruf alarmierte eine Zeugin schließlich die Polizei: „Hier rennt ein großer, knurrender, beißender Hund herum“, behauptete die Frau. Die Anruferin sagte der Polizei auch, dass sie den Hund eingesperrt und die Fahrzeugpapiere der Besitzerin an sich genommen habe. Als Yvonne R. zu ihrem Transporter zurückkehrte, war der Wagen von der Gruppe um Peter K. umringt und ihr Hund saß auf dem Beifahrersitz. Die Anwohner wollten, dass sie bis zum Eintreffen der Polizei vor Ort bleibt, um zu klären, wem der Hund tatsächlich gehört.

Insbesondere wegen Peter K. sei sie immer mehr in Panik geraten, berichtete die Angeklagte. „Er war aggressiv, distanzlos, böse.“ Als er dann auf der Stoßstange direkt vor ihr stand, habe sie einen solch durchdringenden Blick wahrgenommen, „wie bei einem Mann, mit dem ich schlechte Erfahrungen gemacht habe“. Was genau ihr damals angetan wurde, klärte das Gericht gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Ich fuhr dann los, das hätte ich nicht machen sollen“, gestand die 21-Jährige. Sie habe noch einmal die Tür geöffnet und Peter K. gesagt, er solle absteigen, doch der Mann habe nur wild gestikuliert. Dann sei er nach links auf die Straße gefallen, sie habe versucht, nach rechts auszuweichen. Während Peter K. mit tödlichen Verletzungen auf dem Pflaster liegenblieb, fuhr die Studentin einfach weiter, fand sich nach eigener Aussage irgendwann auf einem Dorf wieder. Erst am nächsten Morgen stellte sie sich der Polizei.

Für den Prozess hat die 3. Strafkammer noch drei Verhandlungstage angesetzt. Da die Angeklagte zur Tatzeit noch als Heranwachsende galt, kommt eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht in Betracht.

Frank Döring

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