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Massenschlägerei in Leipzig: Polizei-Gewerkschaft warnt vor „Clan-Bildung“

Richard-Wagner-Platz Massenschlägerei in Leipzig: Polizei-Gewerkschaft warnt vor „Clan-Bildung“

Die Massenschlägerei am Wochenende in der Leipziger Innenstadt hat erneut die Diskussion um die Sicherheit in der Stadt angefacht. Die Polizeigewerkschaft warnt vor einer „Clan-Bildung“ und „antiautoritären Zonen“. Eine der beteiligten Gruppen sorgt laut Polizei schon länger für Ärger in der City.

Polizisten sichern Spuren nach der Massenschlägerei auf dem Richard-Wagner-Platz. Auch Projektile einer Schreckschusspistole wurden gefunden.
 

Quelle: Telenews Network

Leipzig.  Innerhalb von Sekunden eskalierte der Streit: Rund 20 bis 30 Männer gingen am Samstagabend auf dem Richard-Wagner-Platz aufeinander los. Zeugen beschrieben es als regelrechten „Gewaltexzess“. Nach der Massenschlägerei, bei der auch Schüsse aus einer Schreckschusspistole fielen, ist erneut eine Debatte um die Sicherheit in Leipzig entbrannt. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) warnt davor, dass sich aufgrund des Polizistenmangels „antiautoritäre Zonen“ in der Messestadt bilden. „Ich habe Angst, dass sich Gruppen etablieren, zu ganzen Clans entwickeln und wir in gewissen Bereichen die Übersicht über Straftaten verlieren“, sagte die sächsische Landeschefin der Gewerkschaft, Cathleen Martin, dem MDR.

„Sicherheitsempfinden völlig kaputt“

In Leipzig seien dringend mehr Polizisten notwendig, um die wachsende Kriminalität einzudämmen. „Gestiegene Straftaten, gestiegene Probleme mit Zuwanderern, all das macht das Sicherheitsempfinden völlig kaputt bei unseren Bürgern in Leipzig“, kritisierte Martin. Sie verwies auf die Kriminalitätsstatistik: „Leipzig hat momentan 36 Prozent der Straftaten von ganz Sachsen, aber nur 28 Prozent aller Beamten. Das kann nur heißen: Leipzig braucht mehr“, forderte die Gewerkschaftsvorsitzende.

Martin nahm auch die Politik in die Pflicht. „Jedes Jahr gehen über 400 Kollegen in Sachsen in den Ruhestand. Ich weiß nicht, wo wir die Polizeipräsenz hernehmen sollen.“ Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hatte bereits vor knapp zwei Wochen nach der Vergewaltigung einer Joggerin im Rosental mehr Polizisten gefordert und Kritik an Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) geübt.

Polizeibekannte Gruppe soll Schlägerei angezettelt haben

Nach der Schlägerei hat die Leipziger Polizei nach eigenen Angaben ihre Streifentätigkeit in der Innenstadt erhöht. Um ein erneutes Aufflammen des Streits zu vermeiden, seien die Beamten seit Samstagabend verstärkt an den Plätzen der City unterwegs, erklärte Polizeisprecher Alexander Bertram am Montag gegenüber LVZ.de. Er räumte jedoch zugleich ein: „Wir können nicht an jeder Ecke sein.“

Wie am Montag bekannt wurde, soll die Schlägerei eine Gruppe von 10 bis 15 Migranten aus dem arabischen Raum angezettelt haben, die bereits seit einiger Zeit immer wieder Konflikte in der Innenstadt provoziere, so die Polizei. Als Rädelsführer gilt ein polizeibekannter 22-jähriger Syrer, der seit 2015 wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt geriet und am Samstagabend vor Ort als Hauptverdächtiger gestellt wurde. Er soll auch mit der Schreckschusspistole gefeuert haben. „Die Ermittlungen haben Hinweise in diese Richtung ergeben“, sagte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz auf Anfrage von LVZ.de. Ob die Waffe sichergestellt wurde, ließ er offen. Zumindest entsprechende Patronen fanden die Ermittler vor Ort. Berichte vom Wochenende über angebliche Einschusslöcher an der Fassade der Höfe am Brühl dementierte die Polizei. Es gebe bislang keine Hinweise, dass die Schäden durch die Schüsse am Wochenende entstanden seien, so Behördensprecher Bertram.

Ermittler sahen keine ausreichenden Haftgründe

Gegen den 22-Jährigen sei bereits in der Vergangenheit wegen Körperverletzung, Nötigung und Diebstahls ermittelt worden, berichtete Bertram. Er wurde aber noch am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Anfangsverdacht des schweren Landfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung reichte nicht aus, um Untersuchungshaft anzuordnen, beispielsweise wegen Wiederholungsgefahr. „Diese ist nur dann gegeben, wenn wiederholt schwere Straftaten begangen werden“, erklärte Oberstaatsanwalt Schulz. Bislang sei der 22-Jährige nicht rechtskräftig verurteilt.

Oliver Decker, Extremismusforscher an der Universität Leipzig, warnte mit Blick auf die Auseinandersetzung vor einer Debatte, die das Thema auf Migranten fokussiere. Stattdessen gehe es um soziale Konflikte. Dahinter stünden zwar häufig Migranten. Deren Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe sei aber nicht ursächlich für die Probleme, sagte er der LVZ.

Streit gingen Provokationen voraus

Einen konkreten Auslöser für die Auseinandersetzung gab es offenbar nicht. Die beiden Gruppen hätten ohne besonderen Anlass untereinander Streit gesucht und sich mit Pöbeleien gezielt provoziert, so Polizeisprecher Bertram. Passanten waren demnach nicht beteiligt. Innerhalb von Sekunden sei der Konflikt dann gegen 20.40 Uhr eskaliert. Die Beteiligten gingen mit Fäusten aufeinander los, später fielen die Schüsse aus der Schreckschusspistole. „Zeugen haben es als reinen Gewaltexzess beschrieben“, so Bertram.

Ein 48-jähriger Deutscher erlitt bei der Schlägerei leichte Blessuren im Nackenbereich. Laut Staatsanwaltschaft war der Mann nicht direkt an der Auseinandersetzung beteiligt. Ob weitere Personen verletzt wurden, war am Montag noch immer unklar. „Wir sind nach wie vor dabei, das Geschehen zusammenzusetzen“, so Schulz. Als die Polizei eintraf, zerstreuten sich die Rivalen in alle Himmelsrichtungen. Die Polizei nahm die Personalien zahlreicher Personen, darunter auch dutzender Zeugen auf. „Die Befragungen laufen noch“, so Bertram.

Auch Gladbach-Fans beteiligt?

Dass die Beamten am Samstagabend so schnell mit zahlreichen Kräften vor Ort waren, lag auch am Fußballspiel zwischen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach, das kurz zuvor zu Ende gegangen war. Entgegen erster Angaben sollen laut Zeugenaussagen auch Fußballfans aus Mönchengladbach in die Schlägerei involviert gewesen sein. Diese bestreiten laut Polizei jedoch eine Tatbeteiligung. Sie seien auf dem Rückweg vom Spiel zu ihren Fahrzeugen gewesen. Auch dies wird nun geprüft. Oberstaatsanwalt Schulz: „Wir sind zusammen mit der Polizei dabei, die Puzzleteile Stück für Stück zusammenzusetzen.“

Von Robert Nößler und Björn Meine

Richard-Wagner-Platz Leipzig 51.343596 12.371852
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