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Polizeiticker Leipzig Massive Abzocke auch in Leipzig: Betrüger täuschen seriöse Rufnummern vor
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Massive Abzocke auch in Leipzig: Betrüger täuschen seriöse Rufnummern vor
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15:45 17.07.2015
Miese Masche am Telefon: Betrüger geben sich als Polizist oder Staatsanwalt aus. Um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen, manipulieren die Täter Telefonnummern. Quelle: André Kempner

Die miese so genannte Call-ID-Spoofing-Masche - eine Telefonnummer-Manipulation - ist der Leipziger Staatsanwaltschaft ihrem Sprecher Ricardo Schulz zufolge "aus einer Vielzahl von Verfahren" bekannt. Vor allem ältere Leute fielen darauf herein, würden Geld überweisen.

Betroffen war auch Renate H.* aus Leipzig. Am 5. Januar meldete sich bei ihr - angeblich - eine Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main. Diese gaukelte ihr vor, "sie habe bei einem Gewinnspiel mitgemacht, nicht fristgemäß gekündigt und irgendeinen Rechtsfehler begangen", berichtet die Leipziger Rechtsanwältin Swaantje Schlittgen. Ihre Mandantin wollte das zunächst alles nicht glauben, nahm vor längerer Zeit aber an einem Gewinnspiel teil, erhielt bereits am 8. Dezember 2014 einen Anruf. "Ihr wurden zahlreiche Summen und Beträge vorgerechnet, die sie schulden würde, dann wurde ein ,Vergleichsangebot' unterbreitet", so Schlittgen. Renate H. verwies auf ihre Anwältin, teilte Kanzlei-Adresse sowie auch Daten der Rechtsschutzversicherung mit. Wenig später erhielt die Frau sowohl einen Anruf der Versicherung als auch von der Kanzlei - angeblich. "Ein Mann rief an, der sich als anwaltlicher Partner meiner Kanzlei ausgab und mit ihr detailliert ein Gespräch darüber führte, wohin sie den Abgeltungsbetrag zahlen sollte", schildert Schlittgen weiter. Tatsächlich wurden im Display die jeweils - korrekten - Telefonnummern angezeigt, auch von der Kanzlei, bei der jener erwähnte Mitarbeiter aber überhaupt nicht existiert. Wenig später "gab es die Merkwürdigkeit, dass mich mein eigener Anschluss unter Anzeige meiner eigenen Telefonnummer anzurufen schien", schildert die Anwältin den "ungeheuerlichen Vorgang". Als sie abhob, wurde aufgelegt.

Das Perfide in all diesen Fällen: Die Täter rufen nicht über normale Telefone an, sondern nutzen Internettelefonie. Mit Hilfe eines Programms manipulieren sie die eigene Rufnummer, sie wird unterdrückt, stattdessen eine andere, eine Voice-over-IP-Rufnummer im Display des Opfers angezeigt - eben von Polizei, Notar, Bank. Laut Oberstaatsanwalt Schulz handelt es sich um ein bundesweites Kriminalitätsphänomen. Bereits vor Monaten hatte das Bundeskriminalamt von Hunderttausenden Opfern und 50 Millionen Euro Schaden gesprochen.

Eine genaue Anzahl der Leipziger Verfahren sei nicht bekannt, so Schulz. Denn sie würden nicht gesondert bei den Betrugsstraftaten erfasst. Rechtsanwältin Schlittgen hat den Betrug angezeigt. Drei vergleichbare Gewinnspiel-Fälle gab es Polizei-Sprecher Uwe Voigt zufolge auch im vierten Quartal 2014. "Merkmal dieser Masche, dass die Täter Druck aufbauen, damit die Leute gar nicht erst zum Nachdenken kommen", berichtet Voigt. So war es auch bei Renate H.: Die Betrüger setzten ihr eine Frist, nur dann könne sie eine Zahlung mit befreiender Wirkung leisten. Zum Glück konnte ihre Überweisung von 5000 Euro an eine Bank mit türkisch klingendem Namen gestoppt werden.

In bisherigen Fällen hätten die Ermittlungen ergeben, "dass das Gespräch tatsächlich über verschiedene Server zu Callcentern in die Türkei weitergeleitet wird", so der Oberstaatsanwalt. "Das abverlangte Geld ist in der Regel nach der erfolgten Überweisung verloren." Trotz aller Bemühungen hätten bislang keine Täter ermittelt werden können, so dass die Verfahren eingestellt worden seien. Schulz: "Wir haben regelmäßig neue Eingänge zu diesem Phänomen."

(*Name geändert)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.01.2015

Sabine Kreuz

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